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Originalversion in schwäbisch.
Lies auch: Isolde Kurz: meine Mutter I . II . III . IV .

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Hella Mohr

Die rot' MARIE und ihre FINA

Historische GESCHICHTLE aus dem SCHWABENLÄNDLE

In schwäbischer Mundart 2002 erschienen. ISBN 3-00-012210-9. Hier lesbares Schriftdeutsch (s.u.)
Aus Wikipedia: Marie Kurz (* 6. August 1826 in Ulm als Eva Maria Freiin von Brunnow; † 26. Juni 1911 in München) war eine Sozialistin („Rot' Marie“) und Pazifistin. Sie war die Ehefrau des Schriftstellers, Publizisten und Übersetzers Hermann Kurz sowie Mutter der Schriftstellerin Isolde Kurz und des Bildhauers Erwin Kurz.

Es handelt vom Leben der Mutter von Isolde Kurz und deren treuen Hilfe über drei Generationen Josephine Peterler. Inge Jens ermunterte Hella Mohr, dieses Buch zu veröffentlichen.

Das Buch, nun die dritte Auflage, ist in Tübingen und Reutlingen im "Fairen Kaufladen" in der Marktgasse und in den Buchhandlngen Gastl und Osiander erhältlich (Stand: 2010).
In dieser Version wurde das Buch aus dem Schwäbischen so von J.M. ins Schriftdeutsche übertragen, dass auch ein Nichtschwabe den schwäbisch gedachten und verfassten Text verstehen kann. Stil und Ausdrucksweise wurden nicht geglättet!
Zum Beispiel: Das schwäbische "le" statt "chen" (Kindle statt Kindchen) wurde beibehalten. Ebenso das schwäbische Perfekt statt Imperfekt (Wir sind gegangen - Org.: Mir sen gange - statt "wir gingen") oder der schwäbische Dativ statt Genitiv (der Marie ihr Vater statt Maries Vater).

marie und Fina

Inhalt Seite
Vorwort 3
Vorwort zur zweiten Auflage 4
Maries Geburt in Ulm 5
Josephine Peterler 6
Ulm 9
Die Mutter und der Onkel Dillen 12
Stuttgart und Ludwigsburg 14
Eßlingen I 15
Eßlinger Freundschaften 18
Unterboihingen (heute Gemeinde Wendlingen) 21
Der Maskeball in Eßlingen 25
Revolution 27
Die Marie geht auf die Reise 31
Hochzeit 33
Stuttgart 34
Die Redaktionstätigkeit 37
Eßlingen II 40
Kirchheim 42
Die Münchenreise im Mai 1863 45
Ein Pöfstle in Sicht 46
Tübingen 49
Die Josephine im Jahr 2002 66
Das verhängnisvolle 10. Jahr in Tübingen 68
Edgar 71
Isolde 73
Alfred und Erwin 75
Garibaldi 76
Florenz 77
Venedig 85
Der Josephine ihr Ende 86
Forte dei Marmi 89
Lilith, Gedichte 91
Die Jahre 1904/1905 96
Der Marie ihre Religion 100
Kurz - Nachkommen 103
das Frauenstift in Stuttgart 104
Der Marie ihr letztes Jahr 105
Bild des Grabes von Marie und Isolde Kurz
Anmerkungen und Quellennachweise 111
Namensverzeichnis 115

V O R W O R T

Das Schreiben eines schwäbischen Romans entstand aus dem Wunsch, nach den Transkriptionstägigkeiten von Marie Kurz Tagebüchern und Briefen an Marie Caspart, meinen Verwandten und meinen Freunden diesen interessanten Inhalt zu erzählen. Da die Familie Kurz ihre wichtigsten Jahre rings um den Nabel von Baden-Württemberg (Tübingen) erlebte, kam mir die Idee die Erzählung in meiner schwäbischen Mundart zu schreiben, da anzunehmen ist, daß Familie Kurz und vor allem Josephine Peterler meist schwäbisch gesprochen haben. Es ist sicher kein vorgeschriebener Dialekt, sondern eben meine Sprache. Fehler bitte ich daher zu entschuldigen

Der Inhalt dieses Buches beruht allerdings auf intensiven Forschungen der erwähnten Orte und der damaligen Zeit. Herzlich danken möchte ich all den Vielen die mir im Laufe der Jahre halfen und die ich nicht einzeln aufzählen kann. Besonderer Dank gilt allen Mitarbeitern des Deutschen Literaturarchivs Marbach, von denen ich stellvertretend nur Frau Bruchardt+, Herrn Kemme, Frau Schwandner und Frau Grüninger nennen kann. Danken möchte ich auch allen Mitarbeitern der STM und STA in Reutlingen, Esslingen, Stuttgart, Ulm und Tübingen. Besonderer Dank geht an Frau Eisenmann vom kath. Pfarramt Unterkirchberg/Ulm, an die Mitarbeiter/innen der Gemeindeverwaltungen in Wendlingen, Grafenau-Dätzingen, Königsberg, Florenz und Forte dei Marmi. Vor allem aber danke ich Frau Heidi Stelzer, Herrn Jürgen Schweier Kirchheim/Teck, Frau Dr. Dora Steuer, Esslingen, Frau Trudel Roßmann Endersbach, und Herrn Werner Ströbele Reutlingen, Frau Herta Gutekunst Heidelberg, Frau Uta Keppler, Herrn Gregor Wittkopp, Frau Zacharias, Herrn Udo Rauch, Herrn Prof. Dr. Setzler, Herrn Helmut Hornbogen+, meinen Brüdern Dr. Klaus und Dr. Joachim Mohr und - last but not least - Frau Dr.Dr. Inge Jens, die mir freundlicherweise mehrmals mit Rat und Tat zur Seite stand.

Vorwort zur zweiten Auflage

Erfreulicherweise erbrachte mein Buch, trotz mancher Schwierigkeiten bei norddeutschen Lesern betr. des schwäbischen Dialekts ein gutes Echo, sodaß ich schon drei Monate nach Erscheinen genötigt bin, eine zweite Auflage herauszubringen. Sehr erfreut waren Fachleute über die qualitativ gute Reproduktion der Bilder durch Herrn Sander. Auch ihm meine Anerkennung und mein Dank.

Frau Annegret Mieg hat sich bereiterklärt, Korrektur zu lesen. Ganz herzlichen Dank dafür.

Tübingen, Juni 2002 Hella Mohr


Hinweis: Anmerkungen und Quellennachweise sind mit "(A)" vermerkt und findet sich in diesem Abscnitt am Schluss des Buches.


Maries Geburt in Ulm

Vom dicken Münsterturm hat es gerade 11 Uhr geschlagen. Dem Oberstleutnant von Brunnow (A) hat es pressiert. Seine Soldaten sind mit ihm auf Gäulen durch die Aue der Donau der Stadt gejagt, weil sie wussten, dass ihr geliebter Heerführer es deswegen so pressiert hat, weil sein zartes Fraule Wilhelmine geborene von Oetinger wieder mal hochschwanger gelegen ist. Alle vier Kinder waren weggestorben. Ob es diesmal wieder schief geht? - Die Wengekaserne ist unterhalb vom Münster mitten in der freien Reichsstadt Ulm gewesen. - Das asthmakranke Fraule sollte halt eine bessere Luft haben, aber der August 1826 ist heiß gewesen, und auch die Soldaten vom 7. Infanterieregiment in ihren Uniformen haben nicht wenig geschwitzt. - Der Brunnow hat gedacht, wie schön wäre das jetzt oben an der Ostsee in den Kurlanden, wo seine Vorfahren hergekommen sind, obwohl er selber ja nie dort gewesen ist. Er ist zwar beim Russlandfeldzug vom Napoleon, für den er geschwärmt hat, schon weit nach Nordosten gekommen. - Seine Gedanken waren jetzt bloß bei seinem lieben Fraule! - Oder, wie schön wäre das, dürften seine Kinder, so wie er, in dem verträumten, wunderschönen, mittelalterlichen Städtchen Königsberg in Franke (A) aufwachsen, wo er seine ersten Kinderjahre verbracht hat. Jetzt, wo er so sehr in Sorge um sein Fraule gewesen ist, hat er sich an das Städtchen mit der Stauferburg wieder erinnert. Es war damals eine kleine evangelische Enklave in dem gewaltigen Bistum Mainz, das unter sächsischer Herrschaft gestanden ist, zur Zeit von seiner Geburt unter Friedrich, dem Sohn vom Ernst Friedrich III, Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen. Berühmte Männer, wie der Mathematiker und Astronom Regiomontanus, der im 15. Jh. die arabische Zahlzeichen eingeführt hat, der Generalfeldmarschall Friedrich Heinrich Reichsgraf von Seckendorff, der unter dem Prinz Eugen von Savoyen im Türkenkrieg gesiegt hat, der Komponist und Hofkapellmeister Wolfgang Carl Briegel und der Balthasar Düring, der Reformator von Coburg und der Freund vom Luther, der die lateinisch Messe im Ländle abgeschafft hat, sind dort geboren (A).

Königsberger Wappen Königsberg

Ulm

Die Soldaten sind schon in den Kasernenhof eingebogen, wie der Brunnow aus all diesen Kinderträumen aufgewacht ist. Rantzau (A), der neben ihm geritten ist und seinen Regimentsführer beobachtet hat, sagt plötzlich: "Hören sie, Brunnow, sie brauchen jetzt die beste Hilfe für ihr Fraule. Ich wüsste Ihnen eine, die gerade frei ist. Droben in Kirchberg schafft beim Graf Fugger ein rechtschaffenes Mannsbild als Bothe, der hat zwei schöne Mädchen. Sein Älteste, ein gescheites und tüchtiges Mädchen, sie heißt Josephine Peterler, hat sogar schon nach Ulm ans Theater wollen, weil sie belesen ist, wie kein anderes Mädchen weit und breit. Die zitiert dir Gedichte und kann Theater spielen! Und schaffen kann sie wie ein Gaul." - Das hat der Brunnow gehört und sagt: "Rantzau, besorgen Sie mir das Mädchen. Die Beste ist gerade gut genug für mein kostbares zartes Fraule. Soll mir denn jeder Nachkomme verwehrt sein? Das Kind muss am Leben bleiben! Bitte, helft mir."- Der Rantzau hat ihm versprochen, er will gleich morgen sein Glück probiere und nach Oberkirchberg reiten und den Peterler um seine Tochter Josephine bitten.

Oberkirchberg heute Illerkirchen bei Ulm

Josephine Peterler

Dr. Laurentius Peterler, Bothe und Gärtner vom Graf Raymund Fugger von Kirchberg und Weißenhorn (A) ist viel herum gekommen. Wie er heute mit seinem Freund, dem Zöllner Schranzer an der Illerbrücke unten geschwätzt hat, ist ein Reiter vorbeigekommen und hat dem Schranzer nach einem Fuggerboten gefragt: "Meinst Du die große Schwester von Deinem Patenkind Franziska möchte nicht auf Ulm gehen und deren schöne kranke Frau von meinem Oberstleutnant helfen?" - "Das ist der Peterler, der neben mir steht und das Fräulein ist seine Josephine," sagt der Zöllner. Fina ruft mit ihrer tiefen Stimme: "Oh, Papa, das wäre doch etwas für mich! Und ich täte schon für die Herrin gut sorgen und auf das Kind aufpassen, dass nichts passiert." Kein Ulmer Schwäbisch hat die Josephine geschwätzt, nein, das war eigentlich das vornehme Stuttgarter Schwäbisch. - "Sag Deinem Oberstleutnant meine Josephine käme gleich übermorgen, sie würde das Fraule nicht hängen lassen," sagt der Peterler und der Rantzau jagt davon, um seinem Herrn die gute Nachricht zu bringen. - Wie sie ihrem Pfarrer Amandus Storr von ihrer neuen Stelle erzählt hat, sagt der zu ihr: "Ja Josephine, Du willst doch immer helfen und bist auch so ein geschicktes Mädchen, gehe ruhig in die Kaserne, Du bleibst sauber, au wenn die Soldaten Dich flanieret." -

2021_ulm_wengengasse

Heiß ist es gewesen, als die Josephine Peterler von Oberkirchberg die hundert Treppen hinunter gestiegen ist mit ihrem Bündle auf dem Rücken Ulm zu. Ja, dem Herrn von Brunnow in der Wengengass mit seiner schönen kranken Frau, dem wollt sie schon gerne dienen. Es darf diesen so ein lebendiges Mädchen, wie das kleine Mariechen nicht auch verloren gehen! Und darum hat sich ja die Josephine überreden lasse. Alle im Flecken mochten die Fina. Bei all diesen vielen Zopinsbasen und Vettern vom Zimmermannsgeschäft im Dorf hat man immer das geschickte Mädchen vom Schlossgärtner für die Wochenbettnerinnen geholt, vor allem in kritische Situationen, wo es ums Überleben von dem Kind und der Mutter gegangen ist.- Auf der einen Seite wäre die Josephine lieber im Dorf geblieben, denn ihr zwei Jahre jüngeres Schwesterle Franzisca hat sie sehr gemocht, aber Ulm, welches ein richtiges großes Theater hat, lockt sie schon, denn bei der Gräfin hat die Fina öfter Bücher zum Lesen bekommen, auch einmal ein Theaterstück vom Lessing: "Minna von Barnhelm." Vielleicht könnt sie dann doch auch einmal selber Theater spielen? Das war nämlich dem jungen Mädchen ganz in den Kopf gestiegen. Und die Wengekasern ist ja nicht weit weg von der Theatergasse, da könnt sie dann vielleicht wenigstens einmal von ihrem Taschengeld richtig ins Theater gehen. Die Fina wäre gern als etwas Höheres geboren worden. Sie war ein besonderes schönes und gescheites Mädchen, aber sie hat auch gelernt bei ihrer Mutter, dass man nie seinen Stand vergessen darf und darum ist es eigentlich der Fina schon klar gewesen, dass sie zum Dienstbotenpersonal gehört.- Unten, an der Mühle hat die Fina ihr Schnupftuch aus dem Sack gezogen und hinauf gewunken zum Schloss. Diese hat vor allem ihrer Franziska gegolten, aber die hat es Winken nicht sehen können, denn die Dienstbotenwohnungen waren auf der andere Seite vom Berg. Die Franziska wäre ja selber gern mit, aber sie hatte ein Stelle bei reichen Leuten.- Von Unterkirchberg an ist die Fina wacker gen Wiblingen zugelaufen. Die Bauern haben überall gehörig geschafft, denn bei so einer Hitze gibt es ja meistens ein Gewitter am Abend. Kein Blick hat das Mädchen mehr in die große Klosterkirche hinein geworfen, die ja zum Kirchberg gehört. Schon im Jahr elfhundert haben nämlich die Grafen Hartmann und Otto von Kirchberg das Kloster gestiftet.- Von Wiblingen aus war es wenigstens schattig, denn eine große Allee geht von dort gerade aus stadteinwärts Neu-Ulm zu. Viele Wagen sind auf der Allee gefahren. Es scheint Markttag zu sein, oder aber haben wieder die Flößer abgeladen. Jedenfalls hat doch dort tatsächlich eine Kutsche gehalten und ein ganz feiner Herr mit einem Zylinder hat gefragt, ob die Jungfer nicht auf den Kutschbock aufsitzen wolle? - Das ist natürlich eine schöne Sache gewesen. Der Kutscher hat seine Gäul zum Galopp nun angetrieben! In dem Tempo ist der Josephine aber doch schier dusselig geworden! Zum Landeplatz an der Donau täte der Herr fahren, dann hätte die Jungfer nicht mehr weit zur Wengekaserne. - Und wies dort unten an der Donau heute zu gegangen ist, Flößer und Schiffskähne, große und kleine Schiffe, eng beieinander! Und das Geschrei von diesen viele Wäscherinnen! Man hat sein eigenes Wort nicht mehr verstanden. Die Fina hat sicherheitshalber gleich geschaut bei welcher Gruppe von Waschweiber sie wohl ihre Windeln morgen wäscht? - Soldaten haben dort unten auch herumgelungert. Ob die wohl alle von der Wengekasern sind? - Aber jetzt heißt's: Tapfer, Tapfer, gehe Mädchen zu deiner neuen Herrschaft! Als die Peterlerstochter endlich über den großen Münsterplatz lief, hat es gerade viere geschlagen. Sie hat müsse hinauf schauen auf das großartige Bauwerk! Wer will auch diese Steine dort alle hinauf getragen haben? - Es ist doch eine schöne Stadt, hat Fina gerade gedacht, wie sie von einer Zigeunerin angegangen wurde. Beinahe hätte die ihr das ganze Bündle fort genommen. Aber die Fina hat mit aller Kraft ihr Hab und Gut verteidigt. Sie hat dem Weib mit diesen angeblich 17 Kindle schließlich zwei Kreuzer gegeben, sonst hätte die ihr keine Ruhe gelassen. - In die Theatergasse hat die Josephine ja noch gucken wollen, denn an der Donau hat sie ein großes Schild gelesen: "Heute im Theater die Zauberflöte von Mozart", aber jetzt ist sie doch lieber gleich vor lauter Schreck statt in die Wengegasse in die Glöcklergasse gelaufen und hat wieder umdrehen müssen, denn dort ist kein Kloster gewesen. Ein Mann im schwarzen Rock, ein junges Weib und ihr Magd sind mit einer Kindsleiche an ihr vorbei, ein kleines Päckchen mit einem schwarzen Tüchlein darüber und Blumen darauf. So gehen die Leute mit ihren toten Kindle auf den Friedhof! (A) Ist das ein Jammer! Es wird doch nicht meine neue Herrschaft sein? - Ein Weib hat zu ihrem Küchenfenster herausgeguckt und hat der Fina gesagt, wo sie hin muss und auch, dass das der Krämere ihr Kind war, das gestern plötzlich nicht mehr geschnauft hat. Die Fina war die falsche Richtung gelaufen und hat auch plötzlich gehört, wie es gerufen hat: "Eins, zwei". Soldaten sind von der anderen Richtung gekommen. Die Richtung hat jetzt die Josephine genommen und schon stand sie vor der katholische Kirche und dem Kloster. Rechter Hand soll der Oberstleutnant wohnen, haben zwei Soldaten gesagt, aber gleich dem schönen Mädchen flatieren wollen: "Nichts da, gehet!" sagt sie. An der Haustür aber hat doch ihr Herz nicht mehr so mutig geschlagen. Aber ein Herr ist ihr schon entgegen gekommen. Das muss gewiss der Regimentsführer selber sein, mit diesen schöne Orden? Die Uniform ist schwarz gewesen mit einem blaue Stehkragen, schöne weiße dicke Polster an den Schultern und gerad solche weiße Bänder sind an diesen aufgenähten weiße Besatzecken runter gehangen, welche vorne auf dem Brustkasten genäht waren. Blonde Rollenhaare, ein kleines Näsle, kein Bart, ein junges liebes Bubengesicht (A) hat der Josefine gleich ihr Bündle abgenommen und gesagt: "Grüß Gott, Du bist bestimmt die Josephine Peterler von Oberkirchberg, wo mir der Rantzau empfohlen hat." Josephine antwortet: "Und Ihr sind der Freiherr von Brunnow, mein neuer Herr? Ich habe meinen Schurz gleich oben im Bündle liegen und möchte Ihre Gnädigste fragen, was ich schaffen kann?" Die Fina war selber sprachlos, dass ihre vorherige Hemmung verschwunden war, wie sie den Mann gesehen hat. Und wie lieb die gnädigste Herrin ist! Ein sanftes pikantes Rokokogesicht, ist ihre bleich und schwer schnaufend entgegen gekommen. Wie der Freiherr, hatte auch sie blonde Locken um den ganze Kopf. Ihr langes Haar war hinten kunstvoll hochgesteckt. Angehabt hat sie ein schwarzes Kleid mit einer roten Schärpe darüber, am Hals ein goldenes Collier mit einem Anhänger. So richtig nobel ist die, hat die Fina gedacht. Tapfer hat sie ihr Kopftuch runter genommen und ein Verneigung gemacht. Man hat ja schon daheim im Schloss gelernt, wie man so einer Herrschaft entgegen geht. - Ja, und da hinten steht ja ein Wiegle, mit einem goldigen gesunden kleinem Schreierle! Das hat die Fina doch gleich hoch halten müssen und dem Mariele ein Küsschen gegeben und sie geschaukelt. -

Ulm

Die ersten acht Jährle hat die Eva Maria von Brunnow also in Ulm gelebt. Die Wengekasern war in dere Zeit schon arg runtergekommen. Für die Soldätle hat es nicht viel Arbeit gegeben. Es waren für sie bloß noch repräsentative Aufgabe. Wenn der Brunnow dort an die Jahre davor gedacht hat, was er dort schon alles verlebt hat! Er war bei der Marie ihrer Geburt ja auch schon 45 Jahre alt, sei Fraule 32. Er hat oft voll Freude und Begeisterung vom Napoleon erzählen können, den er persönlich gekannt hat. Der Napoleon ist ja damals abgesetzt wordee und ein paar Gefangene in Russland hat man vergessen, so auch den Brunnow und seinen Diener, einen Bauernbub aus Weilheim/Teck, mit dem er auch später noch verbunden war, die dort als "französische Gefangene" gegolten haben. Es ist ihnen dort nicht schlecht gegangen. Der Brunnow hat nämlich ein Liebschaft mit der Tochter vom Oberst angefangen und sich dadurch Freigang erschliche, bei dem er mit seinem Kumpel die Flucht hat ergreifen können, und die zwei haben sich nach Württemberg durchgeschlagen. Dort ist der Brunnow noch gleich vom König mit der höchsten Ehre ausgezeichnet worden. Er ist schnell Major und Bataillionskommandeur beim 7.Infanterie-Regiment geworden. - Nach der Thronbesteigung vom König Wilhelm I. ist aber eine durchgehende Änderung von den Regimenter erfolgt (A). Aus dem 7. Regiment ist es Infanterie-Regiment Nr.125 geworden. Das hat mit dem 8. Regiment zusammen die 1. Brigade der 1. Division gegeben und hat keine ernste Aufgabe mehr gehabt. Die Offizier haben auch oft nichts zu tun gehabt und haben bloß noch diesen schönen Weiberröcken nachgeguckt. Und die einfachen Soldätle, diesen der Brunnow sich ja mehr verbunden gefühlt hat als seine Vorgesetzte, die haben Karten gespielt oder sind bloß noch an der Flasche gehängt. Die Militärlaufbahn, die dem Brunnow eigentlich bloß wegen der Gäul so Spaß gemacht hat, war ihm jetzt vollends verleidet. Der Wilhelm war wegen der Staatsverschuldung, die er bei der Thronbesteigung vorgefunden hat, gezwungen, nicht bloß das Heer zu verkleinern, nein, er hat die Kavallerie ganz abschaffe müssen und so, obwohl der Brunnow weiter in seiner Karriereleiter gestiegen ist, hat er sich doch mit 57 Johr pensionieren lassen. Seine Division war dort schon nicht mehr in Ulm, sondern in Ludwigsburg. Aber acht Jährle hat doch die Josephine bei ihrer Herrschaft in der Nähe von ihrer Heimat Oberkirchberg gelebt. Doch ins Ulmer Theater ist sie nie gekommen und sie hat auch nicht oft heim können, weil einfach ihre Herrin und die zwei Kinder sie Tag und Nacht gebraucht haben.

Doch wenn ihr Franziska oder ihr Vater im Städtle waren, haben die doch immer geschwind nach ihrer Fina gucken können und ihr das Neueste vom Flecke erzählt. Die Fina war fleißig, aber halt auch ein besonders schönes Mädchen mit schwarzen Augen. Das war natürlich schon gefährlich, wenn so eine Jungfer mit dem Waschkorb oder dem Einkaufskorb alle Tage mehrmals hat durch die unzähligen Soldaten sich ihren Weg suchen müssen. Darum haben ihr tatsächlich nicht bloß die kleine Soldätle, sondern eben auch die Feldwebel und Unteroffizier gehörig den Hof gemacht und sogar um sie geworben. Ihr Pfarrer Storr hat sie nicht umsonst gewarnt gehabt. Die Frau Oberstleutnant hat das beobachtet und ihre Fina noch doch einmal fragen müssen, ob sie wohl bald heiraten wolle? - "Nein, sagt sie, sie meint, weil mir die Soldaten so nachlaufen? Wissen sie, die Soldaten, die wo von meinem Stand sind, diesen bin ich doch geistig haushoch überlegen und das ist noh nie was gewesen, wenn ein Weib gescheiter war wie ihr Mann. Und die gebildete von diesen Soldaten, wo mir jetzt den Hof machen, die meinen es ja gar nicht ernst und lasset mich gleich wieder fallen, wenn sie ein gescheiteres oder vor allem ein reicheres Mädchen finden. Da heirate ich lieber doch gleich gar nicht."

Die Wilhelmine von Brunnow war gleich nach der Marie ihrer Geburt wieder schwanger und hat ihrem Mädchen ein Brüderle mit dem Name Otto geschenkt. Die Josephine hat das Ottole geliebt und verkusst, weil ja die Mutter seit dem Wochenbett nicht mehr gesund war, und so war die Marie nicht mehr die Hauptperson, was ihr nicht einmal unlieb gewesen ist, denn das Überbehütetsein hat ihr gar nicht gefallen. Aber trotz der Josephine ihrer übergroße Fürsorge ist das Ottole bloß drei Jährle alt geworden. Oh, war das furchtbar für alle! Obgleich die Freifrau von Brunnow ja so leidend war, hat sie im Jahr darauf schon wieder ein Kind bekommen. Man hat dem Mädchen in Erinnerung an den Otto den Name Ottilie gegeben. Das Mädchen hat aber die Josephine dann noch mehr vergöttert. Sie hat keine Mühe gescheut und hat jetzt die Mutter von diesen Kinder auch pflegen müssen. So ist die Fina in ihrer Lebensstellung hinein gewachsen. Die kranke Frau hat aber ihre Dienerin geschätzt und so ist die Magd Josephine Peterler die Freundin von der Freifrau geworden. Die Kinder Marie und Ottilie haben wenig Kontakt mit der kranke Mutter gehabt. Der früher so lustige von Brunnow war auch nicht mehr fröhlich. Seine Gäule haben ihm gefehlt und daheim hat er das leidende Fraule gehabt. Eine ehemalige Kammerjungfer von der, ein Frau Bolley, die in Ulm mit einem Spezereihändler verheiratet war, hat öfter das Mariele gehütet und der hat es in dem Lade mit diesen viele Schubladen, wo man hat aufmachen können und auch Rosinen rausholen, gut gefallen. Die Ottilie war ja noch im Wägele und hat die Marie dort nicht gestört. Aber zu lang hat man das Kind doch auch nicht im Laden lasse könne, weil es immer wieder ein Schublade ausgeleert hat. - Meist ist die Fina mit diesen zwei Kinder spazieren und einkaufen gegangen. Gern sind se auch an die Donau runter und haben Ente gefüttert und den Flößern zugeguckt. - Der viele Nebel in Ulm hat allen zu schaffen gemacht. Die Mutter war so leidend seit dem Tod vom Otto und hat immer mehr schnaufen müssen wegen ihrem Asthma. Auch die dreijährige Marie hat arg den Husten gekriegt und ist immer blässer und elender geworden. Da hat ihr Vater sie nach Göppingen zur Erholung gebracht. Das Kind hat dort zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen mit zwei dunklen Kindern! Sie wäre die Frau von dem Direktor Hofmann, der am "Kap der guten Hoffnung" angestellt war und der von dort eine Einheimische als seine Frau mit gebracht hat. Das gab es in Göppingen und überhaupt im Schwabenländle ja sonst nicht. Die schwarze Frau war aber zum Mariele so mütterlich und lieb, dass das Kind gleich Vertrauen gehabt hat und die Negerin lieb gewonnen hat in diesen Wochen. Hier, zu Göppingen, haben die große Wälder dem Kind gut getan und ihre Bäckle haben bald wieder rosig geschimmert und auch das Husten hat schnell aufgehört. - Obgleich man sich in Ulm an den Nebel auch gewöhnt hat, war doch der Brunnow nicht unglücklich, wie er gehört hat, dass seine Division nach Stuttgart in die neue Kaserne verlegt werden soll. So ist die Familie von Brunnow, als die Marie etwa acht Jahr alt war in einer große Reisekutsche, die schwer bepackt war, nach Stuttgart hinunter gefahren. Es war ein lange und beschwerliche Reise. In Göppingen hat man Mittag gemacht, denn nach der Geislinger Steig haben die Gäul auch Futter und Ruhe gebraucht.

Die Mutter und Onkel Dillen

Der Marie ihre Mutter, die Friederike Wilhelmine geb. "von Oetinger", stammt ja aus dem berühmte württemberger Geschlecht der von Oetinger. Sie war die Tochter vom Obristleutnant Friedrich Heinrich Erdmann Alexander von Oetinger aus Archshofen bei Creglingen (A), der sich ja in Ellwangen hat erschießen müssen, weil seine Mutter ihm als Erbschaft bloß Schulden vermacht hat. Das strenge Verbot vom König gegen das Schuldenmachen, das er ja auch als Minister hat unterschreiben müssen, hat ihn dazu gezwungen. Die Wilhelmine von Brunnow war auch die Nichte vom große Graf Karl Ludwig von Dillen, dem Nachfolger vom Graf Zeppelin beim König Friedrich von Württemberg. Sie war zuerst verlobt mit dem Graf Moltke (A), den sie aber nicht hat heiraten dürfen, weil der leichtlebig gewesen wäre. Als noch der von Brunnow um ihr Hand angehalten hat, der gesicherte Verhältnis gehabt hat, bei dem hat der Onkel noch nichts gegen eine Heirat gehabt. Die Ehe war nicht einmal unglücklich. Während ihrer schweren Krankheit haben sie ihren Mann, die Fina und ihr Mädchen Marie rührend gepflegt. Zum Asthma ist noch die Zuckerharnruhr gekommen, wo man damals trotz großem Durst vom Doktor aus nichts hat trinken dürfe und das war grausam. Die Wilhelmine von Brunnow ist aber auch noch bloß achtundvierzig Jährle alt geworden. Und auch ihr, die in der engsten Umgebung vom württembergische Hof gelebt hat, hätte sicher die spätere politisch Entwicklung von deren einzigen am Leben gebliebenen Tochter von ihren sechs Kinder gefallen. Die Marie, die den Onkel Dillen in Dätzingen als Kind so arg mögen hat und immer gern mit ihrer Mutter in den Ferien dort gewesen ist, hat ja erst viel später von ihrem Hauslehrer Barth erfahre, dass der große Graf ein Fluch fürs Land gewesen ist.

Schloss Grafenau Graf Dillen

Das hätte sie von ihrem Onkel, der so gut Geige gespielt hat, der sie gemalt hat und der mit ihr so vergnügt war, nicht gedacht! Dem seine Frau wäre ein große dicke Bayerin gewesen. Sie war bloß ein paar Jährle jünger wie die Marie von Brunnow, deren ihre Kinder aber etliche Jährle jünger. Die Marie hat in ihr späteres Tagebuch geschrieben:".. Dieses Dätzingen war immer das El Dorado meiner Kindheit gewesen... Meine Mutter, sie ruderte täglich dort im Nachen auf dem See, wo auch viele Schwäne waren... Er, Dillen, studierte einst Medizin in Tübingen. Ich habe seinen Namen in einem alten Studentenverzeichnis in Tübingen gelesen, das Euer Vater in Tübingen in der Bibliothek vorgefunden hat. Er fiel dem König durch seine schöne Gestalt auf, dass er ihn von dort wegholte, in seinen Marstall nach Ludwigsburg schleppte, ihn die Militärlaufbahn bis zum General in Eile machen ließ und bald wurde Dillen Staatsminister, der Erste im Land nach dem König...Der König schenkte ihm die Schlösser Dätzingen (A) und das Gut Rübgarten bei Tübingen. Auch zum Johanniter - Ritter wurde er ernannt..."

Rübgarten

Nachdem der König Friedrich gestorben war, hat der Dillen seinen Abschied eingeben und der neue König Wilhelm I hat ihm, obgleich er ihn nicht mögen hat, doch seine Pension ausgezahlt. So ist es dem Grafen nicht schlecht ergangen. Die Bauern haben ihn auch gemocht, weil er freigebig und leutselig gewesen wäre. Jetzt hat er doch noch können seinem alten Berufswunsch nachgehen, er hat für sich wieder Medizin studiert und dann seine Bauern im Dorf kuriert. Zur kranke Wilhelmine von Brunnow hätte er ein besonderes gutes Verhältnis gehabt. Die ist ja dann auch zu Dätzingen gestorben und dort begraben geworden.

Eine Halbschwester vom Graf Dillen, eine verwitwete Pfarrer Hopfenstock, der Marie ihr Tantele, hat ein Zeitlang in Ulm bei Brunnows gewohnt. Sie ist später auf Cannstatt runter gezogen und hat die Marie als Kind nicht wenig verzogen. Als die Marie einmal ein Woche bei ihr zu Besuch gewesen ist, hat das Tantele alles gemacht was die Marie hat wollen. Die hat Hemd, Hose und de Unterrock nicht mehr angezogen und ist bloß mit einem Röckle barfüßig herum gelaufen, so dass der Marie ihre Mutter und auch die Josephine entsetzt waren, wie sie ihr Kind wieder abgeholt haben! Die Marie hat sich dann doch wieder gefügt und in die unbequeme Kleider binden lassen bis ihre Mutter gestorben ist. Aber später, als Revolutionärin, die das "von" aus ihrem Name gestrichen hat, ist sie in Bauernkleider herum gelaufen, die halt viel bequemer waren.

Stuttgart und Ludwigsburg

Als die Brunnows nach Stuttgart gezogen sind, die Marie war jetzt acht Jahre alt, ist sie zum erste mal in eine Schule gekommen und zwar ins Katharinenstift. Die Leiterin war ein Frl. von Bär aus Obereßlingen. In der Schule im Religionsunterricht hat das Mädchen die Glaubensartikel zum ersten Mal gehört. Dass sie nichts von diesen gewusst hat, wo sie sonst doch so belesen war, das ist ihren Kameradinnen komisch vorgekommen, denn die waren ja alle fromme Mädchen, die von daheim aus Sprüche und Lieder gekannt haben. Also haben die Klassenkameradinnen sich das Heidenkind vorgeknöpft und haben die Marie mit Gewalt zum Glaube bringen wollen. Aber das ist bei der nicht gegangen. Sie hat sich arg deswegen aufgeregt und zu diesen Mädchen gesagt: "Wenn es einen Jesus gibt, dann soll er mir doch ein Zeichen schicken. Er hat doch früher auch Wunder getan." Nachts hat aber das Mariele ganz aufgeregt auf das Zeichen gewartet, aber es ist keines gekommen. Als Kind ist sie ja nach im Tod von der Mutter schon in Nöte gekommen, weil die Mutter vor ihrem Sterbe gesagt hat: "Wenn es eine Auferstehung gibt, dann erscheine ich dir". Die Marie hat jede Nacht gewartet, aber die Mutter ist ihr nicht erschienen. Wie soll sie dort jetzt glauben?

Das Frl. von Bär hat auch immer wieder einen Reiseprediger mit Name Gustav Werner von Reutlingen in der Schule reden lassen, der hat die Mädchen auch bekehren wollen. Er hat sonst in Eßlingen in der Bärenburg seine Stunde gegeben; in die Schule hätte er nicht dürfen. Die Frl. von Bär ist deshalb als Schulleiterin vom Katharinestift abgesetzt worden, aber auch die Marie von Brunnow war nicht lang im Katharinenstift, denn der Oberst von Brunnow ist schon nach einem halben Jahr von Stuttgart nach Ludwigsburg versetzt worden, sodass die Religionsprobleme von der Marie sich von selber gelöst haben. In Ludwigsburg haben die Mädchen Marie und Ottilie wieder ihre eigene Gouvernante bekommen, eine Mademoiselle Fation aus der Schweiz. Gewohnt haben Brunnows in Ludwigsburg neben dem Gefängnis, wo die Marie so Mitleid mit denen armen Gefangenen gehabt hat. Zuerst hat das Kind Obst von den Bäumen geholt und diesen Gefangenen Äpfel hinauf geschmissen. Die haben diesen Sträflingen geschmeckt und so haben sie immer noch mehr gebettelt. Die Marie hat ihrem Vater seine gute Weinflasche aus dem Keller geholt, aus der Speisekammer Kuchen und Würste und was alles so da war. Sie hat die Sachen an die Fäden gebunden, welche die Gefangenen herunter gelassen haben und das hat ihr Spaß gemacht. Der Vater, der das wohl gemerkt hat, hat sie machen lassen und nicht geschimpft. Sonntags sind ihre Eltern mit ihr in Ludwigsburg auf de Friedhof, wo auf einem Grab von der Großmutter ein besonders schöner Grabstein war, den der König Friedrich hat mache lasse.

Eßlingen I

August 1838 - November 1851

"Wo Asphasia durch Myrthen wallte
und der brüderlichen Freunde Ruf,
die durch die lärmende Agora schallte,
wo ein Plato Paradiese schuf."

Friedrich Hölderlin

In Ludwigsburg haben Brunnows auch nicht lang gewohnt, weil der Brunnow, inzwischen war er Oberst, sich bald hat pensionieren lassen. So sind sie auf Eßlingen gezogen, wo der Brunnow sich ein schönes Anwesen gekauft hat. Es war ein ländliche Idylle dort. Die Kinder haben spielen können in diesen Gärten. Es ist ein Paradies gewesen! Und die krank Mutter und auch der Vater haben diesen Mädchen nichts verwehrt. Die haben alles machen können, und darum ist die Marie so ganz anders geworden wie andere Mädchen damals. Mit ihrem starken Willen hat sie sich durchsetzen können. Zum Lernen hat man sie sowieso nie zwinge müssen, mit andre Kinder spielen hat sie nicht mögen, hat diesen ihre Spielsache geschenkt und ist oft einfach verschwunden mit einem Buch. Ihre Schwester Ottilie, die ist ganz anders gewesen. Sie war ja auch fünf Jahr jünger, wie die Marie. Alle Tierle hat die Marie möge und hat geheult, wenn sie gesehen hat wie eines geschlachtet worden ist. Saugrob sind die Bauern in ihren Augen mit diesen Viecher umgegangen, aber als Kind hat sie schon diesen Kälble ihre traurige Auge gesehen. Sie hat darum auch kein Fleisch gegessen und ist Vegetarier geworden. - Auch Haustierle haben von Brunnows gehabt: eine Ziege, einen Feldhasen, einen Raben und auch eine Elster.-

In Eßlingen haben die Mädchen wieder eine eigene Gouvernante bekommen, die Caroline Sauter, bei der hat die Marie aber nichts gelernt, weil die bloß die Kerle flattiert hat. Der Onkel Dillen hat sich das Mädchen noch bald geschnappt und hat sie zum Theater gelassen. Aber nach dieser ist der lustige Lehrer Fritz komme, der so gut hat malen können, dass er diesen Mädchen den ganzen Geschichtsstoff aufgemalt hat. Die Marie hat den aber um den Finger wickeln können, und so hat sie bei ihm immer bloß die Schulstunde bekommen, die sie gewollt hat. Der Fritz ist am Herzschlag geschwind gestorben. Dann ist von Frankfurt die Friederike de Baisy gekommen. Diese ist gleich streng mit der Marie gewesen, bei der hat sie Angst bekommen, dass ihre Freiheit verloren geht. Aber bald hat sie doch gemerkt, dass die es gut mit ihr meint. Von dort ab hat die Marie mit der Mademoiselle de Baisy gern gelernt. Am Nachmittag ist noch ein prima Provisor aus Deizisauch gekommen, bei dem hat sie Geographie, Rechnen und Geschichte gehabt. Auch viele Gedichte hat sie bei ihm auswendig gelernt und hat mit ihm Walter Scott und de la Motte Fouqués gelesen; mit dem Lehrer Barth, der auch noch gekommen ist, die Ilias vom Homer. Aber Zeit zum Spiele hat sie doch noch gehabt. Im Keller hat sie Ritterles gespielt und dabei den Hölderlin zitiert: "Wo Asphasia durch Myrthen wallte und der brüderlichen Freunde Ruf, die durch die lärmende Agora schallte, wo ein Plato Paradiese schuf." Mit der Mutter hat sie den Schiller gelesen und Tasso Petrarka: "Das himmlische Jerusalem". Mit der Klavierstunde, das ist für die Marie nichts gewesen vor lauter Lesen. Sie hat auch wollen jetzt selber Dramen schreiben, statt Klavier zu üben. Noch hat man ihr das gelassen. Der Marie ihre Eltern haben für alle Arme das ganze Jahr Weihnachtsgeschenkle gemacht, der Vater hat Heftle gebunden und Federröhrle gedrechselt und die Mutter hat Schürzle genäht oder Handschuh, Socke, Pulswärmer und Winterhäuble gestrickt und Puppen gemacht. Vor Weihnachte hat die Fina noch ganze Körbe voll Siruplebkuchen backen müssen und noch hat man alle arme Kinder eingeladen und beschert. Des ist eine Freude gewesen. Beim Puppe mache hat die Marie am Abend auch gern geholfen, aber die viele Strickerei hat sie bloß ihrer Mutter zuliebe mitgemacht. - Ihr Vater, der hat auch gern bei kranken Leuten im Dorf gedoktert und die Fina hat Krankensüpple gekocht. Dort hat der Vater den Kranken ihre Wunde mit seinem Balsam aus Wolleblume oder mit Arnika geheilt. Die Marie hat dort schon gesehen, wie schön helfen ist. Anfang Juli hat die Ottilie eine ganz arge Halsentzündung bekommen, dort haben auch dem Vater seine gute Mittele nichts mehr geholfen. Das Fieber ist immer weiter hinauf und der Huste ist ganz furchtbar geworden, dass das Kind schier erstickt ist. Die Josephine und auch die krank Mutter sind abwechselnd bei dem Kind gesessen und haben bloß ein Schüssele hingehalten, dass es die viele dicke Eiterklumpen aushusten hat können, aber die 11jährig Ottilie hat vor Schmerzen geheult. Auch der Oberamtsarzt Steudel, den man geholt hat, hat keinen Rat mehr gewusst und erst, wie es schon zu spät war, gemerkt, dass das der Lungenbrand ist. Man soll halt dem Kind immer wieder Wickel machen und es fest massieren, hat er gemeint. Aber dort hat die Ottilie noch mehr geheult und schier keine Luft mehr bekommen. So ist es zwei Woche lang gegangen. Des Kindle war immer elender. Wie die Mutter einmal nachts gemeint hat, dass die Ottilie schläft, da hat sich die aufbäumt, sie war ganz blau im Gesicht und ist dann tot in ihre Kissen zurück gefallen. Jetzt waren von der Wilhelmine von Brunnow ihre sechs Kinder fünf tot! Das war furchtbar für alle, vor allem aber für die Josephine und die Mutter. Der Vater hat sich bald könne bei seiner Bastelei mit dem Graf Alexander ablenke und hat sei einziges Mädchen, die Marie, oft mit nach Serach hinauf genommen. Die Marie ist auch zu ihre Freundinnen gegangen und hat mit diesen griechische Tragödie gelesen. Aber die Mutter hat an die Josephine hin gejammert: "Jetzt bin ich die nächste, die man auf de Friedhof tragen wird!" Und die Fina hat mit geheult. Die Witwe Luise Henriette von Dillen war von Dätzingen rüber gekommen und hat vorgeschlagen, dass Brunnows mit ihrem Mariele zu ihr ein Zeitlang kämet. Die Dätzinger gut Luft und auch ihr Verwandtschaft dort haben dem asthmakranke Fraule immer gut getan. So sind sie mit der Kutsche bald hinauf nach Dätzingen gefahren. Dort hat man den Schwarzwald schon riechen können. Die Türme von der freie Reichsstadt Weil der Stadt haben rüber geguckt und man hat weit ins Land gucken können. Im großen Schlosspark ist die Marie auf dem Moosboden gelegen und hat gelesen. Die Mutter hat sich auf dem See herumruderen lasse und die gute Waldluft eingeatmet. Die Dätzinger Köchin habe gut gekocht. Es hat bald wieder alles geschmeckt. Aber trotzdem hat sich jetzt der Marie ihre Mutter nicht mehr erholen können. Der Doktor hat gesagt, die Zuckerharnruhr wäre vor allem schuld daran. Sie dürft ja nicht viel trinken, sonst ging der Zucker immer noch weiter hinauf. Jetzt hat die Marie aber auf ihre Mutter aufgepasst und der immer wieder den Becher weg genommen, so arg die Mutter auch gejammert hat wegen dem Durst. Die Köchin hat extra die gute Schmalzküchle für sie gebacken, die dem Bäsle immer so gut geschmeckt haben. Es war inzwischen der 2. September im Jahr 1842. Keine zwei Stunden nach dem gute Essen ist die Wilhelmine von Brunnow ohnmächtig geworden und nicht mehr aufgewacht. Die Marie ist die ganz Nacht bei der Bewusstlosen gesessen, vor allem auch, weil die Mutter ihr vorher prophezeit hat, dass die Marie doch weglaufen täte, wenn sie zum Sterben käme, denn obgleich sie jetzt schon sechzehn Jahr alt war, hat sie vor der Toten immer noch furchtbar Angst gehabt. Die Mutter ist von der Ohnmacht nicht mehr aufgewacht und gegen Morgen im Dätzinger Schloss gestorben. Die Marie hat ihren ganze Mut zusammen genommen und ist nicht mehr von der Toten fort. Sie hat die tot Mutter gewaschen und angezogen und ist bis zur Beerdigung bei der tote Mutter sitzen geblieben, trotz ihrer argen Angst, die sie gehabt hat. Sie hat ja auch gewartet, dass ihr die tote Mutter jetzt ein Zeichen gibt, aber es ist nichts derartiges passiert. Ob es ein Weiterlebe gibt nach dem Tot? Des ist der Marie ein Rätsel bliebe.

So hat man auf dem Dätzinger Friedhöfle nicht einmal zwei Monate nach der Ottilie ihrem Tod die Mutter vergraben. So hat die Josephine, die ja in Eßlingen bleiben hat müssen, ihre geliebte Herrin nicht mehr gesehen. Die Reisekutsche ist mit einer schwarzen Fahne und dem Hut von der Mutter darauf in Obereßlingen am Tag nach der Leiche hinein gefahren. Die Fina ist jeden Tag auf den Eßlinger Friedhof gegangen ans Grab von der Ottilie und jetzt hat sie dort gleich um zwei Personen trauern müssen. Bloß 49 Jahr alt ist die Wilhelmine von Brunnow geworden.

Eßlingen

Esslinger Freundschaften

"Wir lieben die Weiber, wir lieben den Wein,
Doch ritterlich nur und in Ehren.
Das höchste dürfen sie nimmer uns sein;
Sie dürfen den Geist nicht gefähren."

Alexander von Württemberg

Ihre Freundschaften in Eßlingen, die hat die Marie sich schon aussuchen können. Dies waren die Marie und Carl Rommel, der angeblich so verknallt in das Mädchen gewesen sei soll, dass er sich aus Liebeskummer schier umgebracht hat. Das hat sie aber bloß gelächert, denn den Carle hätte sie nie genommen weil der doch bloß Kaufmann gewesen ist! Beim Rektor Pfaff seiner Charlotte ist sie am meisten gewesen und mit der und andre Freundinnen und Freunde, sind die viel nach Unterboihingen hinauf.- Besuch ist auch oft gekommen, vor allem ja der Graf Alexander, der ja mit ihrem Vater so viel gebastelt hat und auch so ein wilder Reiter gewesen ist. In den war die Marie schon ein bisschen verliebt und er hat sie auch oft mit hinauf genommen in sein Seracher Schlößle. Wie der so jung in Wildbad gestorben ist und die Eßlinger Kirch schwarz verhängt war, vergraben ist er in Stuttgart geworden, dort hat das Frl. von Brunnow den ersten richtigen Liebeskummer gehabt. Ihr Vater hat sie trösten müssen. Er hat seinem Mädchen dem Alexander sei Bild und seine Gedicht in ihr Stube gestellt.

Figuren von Septimus Rommel Unterboingen heute Wendlingen

Immer wieder war auch die Schwester vom Großvater, die Witwe von Seybothen dort mit ihrem Mädchen. Ihr Enkel wäre später noch oft nach Tübingen zu den Kurzens gekommen, von Beulwitz hat der geheißen, der wäre aber ziemlich verkomme gewesen. Verwandte und Bekannte sind immer dort gewesen. Auch von einer Fürstin Hohenlohe schreibt sie, die Tochter vom Herzog Heinrich von Württeberg. Es waren in Eßlingen auch viele Familienfreundschaften, die zusammen gehalten haben, auch in schlechten Zeiten. Sie erzählt von einer Familie Minister von Miller dort, von der Witwe von Rantzauch und ausführlichst von der Frau von Rieger mit ihrem spinnichen Mann, dem sogenannte "Absatzbaron", der welcher immer geguckt hat, ob kein Geldschein an seinem Absatz hängen geblieben ist. Dieses ist ein lustiges Geschichtle. Diese Frau ist übrigens ein ganzer Naturapostel gewesen, die in Stuttgart in aller Himmelsfrühe am Bopserbrünnele (A) ihr Wasser getrunken hat. Von Esslingen aus ist sie noch alle Morgen nach Zell gegangene, dort hätte auch ein Brünnle gegeben mit Heilkraft (A). Dieses erzählen die alte Weiber heute noch dort. Am Ortsaugang Richtung Obereßlingen, der "Holbrunne" (A), der muss ein gutes Wässerle für den Magen gehabt haben. Jedenfalls ist deshalb die Frau auch 92 Jahre alt geworden. Damals ist sie auch arm gewesen, aber sie hat im Alter eine schöne Erbschaft gemacht und der Marie und ihren Leuten oft sehr geholfen.- Im Ulmer Archiv findet man die Namen: von Rieger, von Rantzauch und auch einen Moriz von Miller, der bei der Infanterie Generalleutnant gewesen ist. Ob die wohl alle dem Brunnow nach Eßlingen gefolgt sind? - Noch waren dort die drei Schwestern Luise, Franziska und Sophie von Bär, bei diesen der Gustav Werner von Reutlingen alle Weile in der "Bärenburg" seine Stunden gehalten hat. Die Sophie war blöd, die Franziska aber ein fromme Pietistin und die gescheite Luis, die war ja die Vorsteherin vom Katharinestift in Stuttgart, die welche abgesetzt worden ist wegen dem Reiseprediger Werner, den sie in die Schule mit genommen hat, dass er dort auch hat seine Stunde halte könne, was verboten war. -

Die interessantest Gestalt von Obereßlingen soll aber die Tante Bertha Pfaff gewesen sein. Deren ihre Geschichtle muss man hören. Die Marie hat es rückblickend so schön geschrieben:

"Tante Bertha

Die Allerweltstante, (nicht wie ich, die Studentenmama und jetzt die Allerweltsnonna geworden) [Nonna: it. Großmutter] war die Hilfe aller Notleidenden, der Trost aller Klagenden, ein Feuerbrand gegen alle Tyrannen, eine flatternde Fahne der Revolution. Sie machte sich zur Agentin von allen Häuptern der Bewegung in Württemberg, sie verstand es geschickt die demokratischen Wahlzettel in den Bezirken anzubringen. In ihrem Kopf baute sie die erhabensten Verfassungen von Freiheit und Wählerglück auf.

Daneben vernachlässigte sie aber ihren kleinen Kramladen nicht. Jedem Bauern, der sich eine Zigarre holte, legte sie seine Bürgerpflicht freisinnig zu wählen und den "Beobachter" zu lesen, ans Herz. Jedem Notleidenden teilte sie etwas mit. Sie selbst lebte aufs Sparsamste und gönnte sich absolut nichts. Sie hatte die Gewohnheit jede Steck-, Näh-, und Haarnadel aufzuheben, und wenn ein Häuflein beisammen war, zu sortieren und zu polieren und wieder zu verkaufen. Desgleichen machte sie es mit jedem Fadenstümpchen, das anderen am Kleid hängen blieb, oder auf dem Boden lag. Damit nähte sie ihren Bedarf. Wenn man sie so aufklauben sah, hätte man sie für die geizigste Person halten können, und doch war sie das Gegenteil. Lud man sie als Gast ein, so aß sie fast nichts und musste immer wieder etwas zur Seite zu legen, nahm nie Zucker und wählte immer das Schlechteste und Kleinste von dem was ihr angeboten wurde. Ihre sonderbarste Eigenschaft aber war, dass sie bei jeder Beerdigung, bei ganz Unbekannten in tiefe Trauer gehüllt, hintendrein ging und Blumen ins Grab warf. Auch die politischen Feinde betrauerte sie so. Bei ihr hieß es: "Sei er heilig oder böse, bejammert wird der Unglücksmann." Sie war nicht ganz ohne Mittel und ihren Kramladen hielt sie nur, um eine Gelegenheit zu haben zu "wühlen", als des Gaudiums halber. Hatte sie wichtige politische Geschäfte in Stuttgart, so übergab sie ihn einer ihrer Nichten. War in irgend einer befreundeten Familie eine Krankheit, so erschien sie als Krankenwärterin, gabs einen Umzug, so musste sie helfen, wie sie denn auch mit uns nach Kirchheim zog und bei der Übersiedlung nach Tübingen wieder erschien.

Dabei fand sie immer noch Zeit zum Lesen; sie beschäftigte sich auch viel mit Geschichte. Einst traf ich sie die hellen Tränen über ihren Strickstrumpf vergießend: "Was gibt es denn, arme Tante Bertha, was hast Du?" frug ich sie.- Nein, es ist zu scheußlich, könnt ich doch diesem elenden Pack an den Kragen. - "Wem denn, Tante Bertha?"- "Ach, diesem miserablen Nachbarn, der einen so edlen Menschen wie Sokrates unschuldig zum Tode verurteilte, ich kanns nicht hinunter bringen."- Alle Trostgründe sollten nicht anschlagen, bis ich ihr die Märtyrer unserer Revolution, die Gemordeten von Rastatt durch preußische Soldaten vorhielt, dann warf sie ihre Wut auf diese, und da tat ich mit. Ceterum censeo brussiam esse delendam. (Übrigens bin ich der Meinung, dass Preußen vernichtet werden muss.) Ach, wenn dieses Pfauische Diktum wahr geworden wäre. Es wurde das Gegenteil. Sie wurde alt, sehr alt, die gute Bertha und ruht jetzt längst auf dem kleinen Friedhof von Obereßlingen, der auch meines Vaters und meiner Schwester Gebeine beherbergt."

Der Grabstein von der Familie Rommel sieht man heute noch in Obereßlingen, die andere Gräber sind leider nicht mehr da. -

Alle diese Familie haben freundschaftlich zusammen gehalten. Auch die Josephine Peterler hat man nicht wie eine Dienstmagd, sondern eben als Freundin und Vertraute angesehen und respektiert. Sie war ja jetzt auch die Ersatzmutter im Brunnowsche Haus.

Unterboihingen

"Den deutschen Frauen danket!
Sie haben uns der Götterbilder freundlichen Geist bewahrt.
Und täglich sühnt der holde klare Friede das böse Gewirre wieder."

Fr. Hölderlin

Wie ein roter Feuerball ist die Sonne hinter dem Park vom Boihinger (A) Schlössle hinabgestiegen. Die Gäule im Park haben noch die letzten guten Kräutle gesucht. Am Fenster oben im Schloss haben zwei junge Mädchen das Naturschauspiel betrachtet und darüber im Geist philosophiert. "Jetzt muss ich aber springen", hat auf einmal die Kleine mit diesen knitze Äugle gerufen. Sie hat ihrer Namensschwester Marie noch ein Küssle auf den Backe gedruckt, hat ihre Bücher geschnappt, unter den Arm gerückt und ist über die Wiese hinunter gesprungen dem Neckar zu. Sie hat ja ihrem Vater versprochen gehabt, nicht mehr allein bei Nacht die drei Stunden durch den Wald nach Obereßlingen zu laufen. Oft ist ja ihr Freundin "Aspasia" (des war die Charlotte Pfaff) mit ihr gelaufen, aber die hat heute Klavierstunde gehabt und war nicht mit in Boihingen. Mit ihr zusammen hat sie viel gelesen; über dem Hölderlin sein Hyperion sind sie zur griechische Klassik gekommen. Der Charlotte ihr Vater war ein berühmter Gelehrter in Eßlingen, auch ein Freund vom Alexander. Der hat auch das berühmte Buch:" Geschichte der freien Reichsstadt Esslingen" herausgegeben (A).

Es war doch heute wieder ein wunderschöner und lustiger Mittag! Das Windmühleglas hat seine Runde gemacht und sie haben dabei den Heine deklamiert: "Schlaflose Nacht, du bist allein die Zeit der ungestörten Einsamkeit! Denn seine Herde treibt der laute Tag in unsern grünenden Gedankenhag, die schönsten Blüten werden abgefressen, zertreten oft im Keime und vergessen..."usw. Alle haben in der Zeit den Dichter vergöttert. - Heute waren auch der Marie ihr Geliebter, ein Freund vom Hecker dort und der junge Baron Alfred Thum von Neuburg. Sogar der Graf Alexander ist von seinem Serach herüber geritten gekommen, aber der war nicht mehr wie früher. Er hat wieder so arg über Kopfweh geklagt, hat nicht mit gelacht wie früher, er hat meistens bloß so vor sich hin gestiert und seine Hinken, das hat diesen Mädchen auch nicht gefallen. Die Marie hat sich sogar Sorgen gemacht und gedacht: Der machts gewiss nicht mehr lange. Sie hat gerade sein Gedichtbändle "Gegen den Strom" gelesen und sich geärgert über dem Lenauch seine Kritik. Den Grafen Alexander hat die Frl. Brunnow schon arg mögen und er sie auch. - Jetzt hat sie aber wieder an den schönen Mittag gedacht und wie sie alle so begeistert vom Hecker und von deren Freischärlervorhaben geschwärmt haben! Sie war noch voller Begeisterung. Die Marie Brunnow, eigentlich hat sie ja "von Brunnow" geheißen, aber sie wollt nicht mehr adlig sein, denn sie war jetzt mit Leib und Seele eine Republikanerin. Sie hat geschwärmt für die Männer wie den Hecker, den Herwegh, den Freiliggrath und trotz allem auch für den Lenau und noch viele andere Kämpfer. - Das Schlossfräulein, die junge Baronin Marie Thum von Neuburg hat ihrer Freundin noch eine Weile nachgeguckt und überlegt, wie man der das wohl beibringe könnt, dass die sich anständig anzieht. Das ist nicht "standesgemäß", wie die rumläuft mit dem roten ausgerissen Rock und dem unanständigen Blüsle, wo man den Busen sieht! Meistens hat sie sogar Bauernkleider an. - dass dieser die Herren trotzdem alle flattieren? Wahrscheinlich wegen ihrer Begeisterungsfähigkeit, ihrem lebhafte Temperament und ihrem überdurchschnittlichen Wissen, das hat wohl alle an dem Fräulein so gefalle. Auch ihr Bruder, der Alfred hat ja der Marie Brunnow gehörig den Hof gemacht. Heute hat er sie sogar auf einem von seinen wilden Gäulen im Hof herumreiten lassen, aber sie ist im hohe Bogen runter geflogen. Des muss weh getan haben, aber sie hat bloß ganz kurz ihr Gesicht verzogen und noch gleich wieder gelacht. Trotz ihrer schlechten Garderobe hätt auch die alt Baronin Thum von Neuburg die Marie von Brunnow nicht ungern als Schwiegertochter gesehen.

Jetzt ist sie schon am Neckar unten, zieht ihre Schuhe aus, hebt den Rock hoch und läuft tapfer durchs Wasser, Köngen zu. Es war ja erst März und das Wasser kalt, aber das hat die Marie so wenig gestört wie früher den Uhland in Tübingen. Der hat ja sogar im Winter als alter Herr noch im Neckar gebadet. An Köngen ist sie vorbei gelaufen durch den Wald nach Denkendorf. Die Abende waren ja jetzt schon wieder länger, dass sie den Fußweg mit dem viele Wurzelzeug noch ungefähr gesehen hat. Vor diesen Tagdieben, die sich in diesen Wälder herum getrieben haben, hat sie keine Angst gehabt. Sie hat ja immer im Sack als Waffe eine Schnupftabaksdose mit sich trage, aber die hat sie nie gebraucht. Der kürzeste Weg von Eßlingen nach Boihingen waren drei Stunden bloß durch den dichten Wald, aber weil es so dunkel war, hat sie heute lieber den Umweg über Denkendorf genommen. In den Häuser hat dort schon Licht gebrannt. Die Marie hat müssen hinauf schauen zu diesen Klostermaurern, wo die arme Zöglinge jetzt wohl beim Abendgebet in der Kirche sind. Von ihrem verehrten Hölderlin hat die Marie gewusst, wie arg manche Seminaristen unter der strenge Zucht dort gelitten haben. So schön wie das Kloster auch von dort unten aussieht, die armen Buben haben ihre in der Seel leid getan. - Die Straßen sind ja am Abend sonst leer, aber heute ist ihr ein ganzer Haufen von jungen Mädchen den Klosterbuckel herunter entgegen gekommen, die haben gelacht und geschwätzt. Sie kämen von der Kirche, hätten gerade noch Girlande hoch gebunden, nachdem sie die ganze Woche dort haben Großputz machen müssen. Es waren Konfirmandinnen. Jetzt haben sie überlegt, was sie wohl zur Konfirmation geschenkt kriegen täten und was für ein gutes Essen es wohl an dem Tag gebe könnt? Die armen Bauernmädle, die ja das vornehme Leben bloß vom Erzählen her gekannt haben und sicher auch nicht lang in der Schule waren, Hauptsache sie haben lesen und schreiben könne, mehr war damals ja auch nicht nötig, haben sicher im Konfirmandenunterricht den ganze Katechismus vom Luther auswendig lerne müssen und dazu noch einen Haufen Lieder. Voll Schrecke ist der Marie jetzt wieder ihr Konfirmation vor fünf Jahren in Stuttgart vor Auge gestanden, was sie dort für Seelenqualen ausgestanden hat. Sie hat gedacht damals, dass sie einen Meineid begangen und dort damit die Gottheit beleidigt habe. An dem Tag hat sie vor dem Altar geschworen, dass, wenn sie einmal Kinder bekommen täte, sie die niemals in eine solche Lage bringen würde. Sie hat vor der Konfirmation den "Messias" vom Klopstock gerade gelesen gehabt und hat sich vor allem in den schönen gefallenen Engel verliebt, aber wenig Sympathie für den Messias und seine Gebärende fassen können. Sie hat den Schwur gehalten bei Kinder und Kindeskindern, aber die Zeit ist auch eine andere geworden. Man hat die Kinder nicht mehr gezwungen und es kein Martyrium mehr gebraucht, um ehrlich gegen sich und gegen die Welt zu sein. - In dieser Zeit in Eßlingen hat die Marie sogar die Konfession gewechselt. Sie ist der neu gegründeten "Deutschkatholischen Nationalkirche" (A) beigetreten. Viele Demokraten wie der Struve, der Fisckler und der Blum haben sich zu der Kirch jetzt bekannt, die sich gegen die Benachteiligung von den Frauen, gegen das Zölibat, gegen die lateinisch Messe, gegen die Ohrenbeichte und gegen den Heiligenkult ausgesprochen hat. Der Vater hat Abstand genommen, dass sie die Konfession gewechselt hat. Ihre beide Eltern waren ja nicht kirchlich, aber sie haben die Bibel und auch "Das Leben Jesu" vom Strauß neben ihrem Bett liege gehabt. Die Mutter habe kein Atom von einem Christentum gehabt, statt Religion habe sie als Kind Astronomievorlesungen bekommen, weil der Lehrer Kantjaner gewesen ist, aber die Marie meint eine Christin war ihr Mutter trotzdem und sie habe auch an die Unsterblichkeit geglaubt. Die Mutter und ihr Tochter haben ja vor der Mutter ihrem Tot tiefe religiöse Gespräche geführt.

Von Denkendorf ist es noch einmal kurz durch den Wald gegangen, es war inzwischen schon Nacht, die Fledermäuse sind durch die Bäume geschwirrt und man hat da Käutzle rufen hören. Jetzt war es der Marie sogar ein bisschen unheimlich und sie ist froh gewesen, wie sie oben wieder übers freie Feld, im Mondschein und bei einem klaren Sternenhimmel hat laufen können. Über ihr ist der "Deneb im Schwan" und darüber der "große Wagen" gestanden, viermal die Hinterräder von dem verlängert, hat sie gewusst, das ist der Polarstern. Das schöne Lied vom Matthias Claudius ist ihre dort eingefallen: "Seht ihr den Mund dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn." Warum bloß weiß man so wenig von dem große Weltall, hat die Marie überlegt? Sie muss noch viel lesen und studieren auch in dieser Richtung. Ihr Vater hat ja wenig Bücher gehabt, aber von ihren Lehrern und vom Rektor Pfaff hat sie immer viel Lesestoff bekommen können. Sie hat auch nicht so viel Schlaf gebraucht wie andre Mädchen und hat mit ihre guten Augen auch im Mondschein oder mit einer Kerze lesen können. - Spät ist sie heute heimgekommen. "Wo bist Du noch so lange gewesen? Der Carl Rommel hat nach Dir gefragt und Dein Vater und ich, wir haben uns schon solche Sorgen gemacht," war der Josephine ihr Begrüßung? - "Oh Fina, lieber Vater, ihr hättet heute mit in Oberboihingen sein sollen! Wir haben Schillers und Heines Verse deklamiert, der Alfred war auch da. Er hat vom Johannes Scherr, den von Hohen Rechberg ein Denkschrift mitgebracht und uns daraus vorgelesen. Oh, auch Württemberg wird sich ändern. Vater, im neuen Reich würde es dann sogar dir bei den Soldaten wieder gefallen. Du hast dich doch schon immer für den kleine Mann eingesetzt! Bloß mit deinen Vorgesetzten war es für dich schwierig. Nicht wahr, wegen diesen bloß bist du doch schon mit 57 Jahren in Pension gegangen? Du warst kein so preußischer Gamaschenkopf und hast immer deine Soldätle geschont!" - (Ein Unteroffizier vom Brunnow seinem Regiment ist in Tübingen Universitätspedell geworden, der hat das später bestätigt.) Wenn seine Marie sich so für die Demokratie eingesetzt hat, da hat der Brunnow immer gestrahlt, denn, obwohl er ja in der Berliner Kadettenanstalt erzogen worden ist und er es in seiner Laufbahn bis zum Oberst gebracht hat, war er doch nie gern beim Militär. Er habe immer wieder gesagt, dass nie einer von seinen Buben dem König seinrn Rock tragen dürfte.

Der Maskenball in Eßlingen

"Ach, vielleicht verpraßte tausend Munde
Laura, die Elysiumssekunde,
All begraben in dem schmalen Raum;
Weggewirbelt von der Todeswonne,
Landen wir an einer andern Sonne,
Laura! und es war ein Traum."

Fr. Schiller

In Unterboihingen und in Esslingen, wo die Marie so viel Verehrer gehabt hat, hat sie keine Liebschaft empfunden, nicht einmal mit dem Adolf Bacmeister, der alle Abende mit ihr bei schönem Wetter auf dem Neckar gerudert ist. Ihr Vater hat nichts gesagt, der hat sie gehen lassen. Bloß, wie sie einmal ein Fotobildle für ihr Freundin hat verstecken müssen und die Josephine das gefunden hat und das Soldatenbild dem Vater gezeigt, hat der sein Mädchen sich vorgeknöpft und ihr gesagt, sie dürfe nie mit einem Offizier anbandeln. Sie hat ihren Vater noch erklärt, dass sie das Bild ja bloß für die Marie Thum versteckt habe. Oh, da war der Vater aber erleichtert. Er selber hat als Offizier ein lediges Kind gemacht. Das hat die Marie damals noch nicht gewusst. -

Adolf Bacmeister
Aus dem roten Album von Bacmeister
Aus dem roten Album von Bacmeister

Bis tief in die Nacht hinein hat die Marie oft gelesen. Der neue Roman vom Kurz: "Schillers Heimatjahre" (A) und auch sein "Tristan und Isolde" (A) hat ja die Marie unheimlich fasziniert. Sie hat es ihren Freundinnen erzählt und denen davon vorgeschwärmt. Wie dann die Charlotte Pfaff gehört hat, dass der Dichter gerade in Eßlingen wäre bei seinem Bruder Ernst, ist sie tapfer ins Städtle hinein und hat erfahre, dass gerade dieser Hermann Kurz auf den Maskenball gehen wollte, weil er dort sicher nette Mädchen treffe täte. Dieses hat die Charlotte gleich wieder der Marie erzählt und die hat eine saumäßige Freude gehabt. - In einer Kist auf dem Dachboden hat sie den Maltesermantel von ihrem Onkel Dillen gefunden und das schöne rote Gewand in ein Laurakostüm verwandelt. Sie hat sich ein Barettle mit einer Feder dazu gemacht und ein Sonettle gedichtet und gedacht: Wenn auch noch so viel Leute auf dem Maskenball sind, in dem Kostüm muss sie ja dem Dichter auffallen! Ganz aufgeregt ist sie an dem kalte Februartag im Jahr 1848 auf den Ball gegangen und hat auch gleich in der Mitte vom Saal die groß Gestalt mit diesen blauen Augen gesehen, ist an ihm vorbei geflitzt, hat ihm ihr Sonettle in die Hand gedrückt und ist wieder verschwunden. Sie war ja eigentlich mit einem braven Nachbarsbub auf dem Ball, aber den hat sie einfach stehen lassen. Voll Spannung hat sie beobachtet, wie der Kurz das Sonettle gelesen hat und sich im Saal umgeguckt, wer wohl die Laura wär? An der Feder und dem roten Kleid hat der sie natürlich gleich gekannt, ist hinüber zu ihr, hat ihr Hand genommen und sie den ganze Abend nicht mehr los gelassen. Er hat seine "Laura" seine politische Freunde vorgestellt, und der spätere Abgeordnete Dr. Liebknecht hat auch gleich gemerkt, dass das Mädchen ganz für die Revolution schwärmt. Dann haben sie ein Hoch ausgerufen, dass der ganze Saal herum geguckt hat. Es hat ja gewuselt von Leuten auf dem Ball. Beim Tanzen ist der Hermann mit seiner Laura gleich stecken geblieben, sodass die zwei sich ein ruhiges Eckle gesucht haben, wo sie haben schwätzen und lachen können. Der Marie ihr offizieller Begleiter ist beleidigt heim und die zwei Verliebten sind im seligen Rausch bis tief in den Morgen zusammen gewesen. Da war nicht der Dyonisos, sondern bloß der kleine Schelm schuldig! Des Liebespärchen hat sich gleich für den nächste Tag verabredet. Aber an dem Morgen ist schon die Nachricht gekommen, dass in Paris die Revolution ausgebrochen wäre und der Hermann ist tapfer hinauf auf Stuttgart, weil er ja mit dem Weisser die Redaktion von der Oppositionszeitung dem "Beobachter" (A) gehabt hat. Jeder hat jetzt gemerkt, dass auch in Deutschland bald das verrottet Metternichtsche System, wo viele verflucht haben, fallen müsste. Die Badener unterm Hecker haben sich zuerst dagegen erhoben und noch ist es auch gleich an allen Ecken und Enden in ganz Deutschland los gegangen! In Berlin ist Blut geflossen und den König haben sie gezwungen mit der schwarzrotgoldene Fahne auf seinen Balkon zu stehen und die Konstitution zu versprechen: "dass ich es halten werde, gelobe und schwöre ich", habe er gesagt und die Berliner haben noch gleich den Witz daraus gemacht: "dass ich das halten werde, gelobe ich schwerlich". Die Marie ist auch ganz närrisch gewesen, dass es jetzt endlich los geht, und nach Stuttgart hinter her, aber weniger mit Liebesgefühl als mit Begeisterung für die Sache, trotzdem hat sie gehofft ihren Dichter zu sehen, wenn er aus dem Standeshaus kommt. Se hat ihn auch getroffen, aber sie haben sich bloß über Politik unterhalten. Der Hermann hat anscheinend den schöne Tag schon ganz vergesse gehabt und sei Laura war ihm nicht mehr wichtig, bloß die Revolution, aber die Marie war ja noch fanatischer. Im rote Kleid ist sie durch Eßlingen und hat Blättle dafür verteilt und demonstriert.

Nach dem Maskenball sind die Wege von der Marie und dem Dichter wieder endgültig auseinander gegangen. Der Hermann hat für einen Hungerlohn für den politische Teil vom "Beobachter" geschafft und keine Zeit zum Lieben und Dichten mehr gehabt. Leider ist dadurch auch seine gute Freundschaft mit dem Eduard Mörike zerbrochen, weil der halt gar nichts von der Politik hat wissen wollen. Damals sind überhaupt wegen der Politik viele Freundschaften zweitrangig gewesen. Die Marie war auch beim Hermann seinem Presseprozess, und hat ihm, wie er verurteilt geworden ist, ein Blumensträussle überreicht, das hat aber mit Liebe gar nichts zu tun gehabt. Das war eine rein politische Sache. Sie war halt, wie er, eben begeistert für die Revolution. Er hat sie sogar eingeladen, sie soll ihn in seiner Haft auf dem Asperg besuchen, aber das hat sie noch doch nicht getan. Ein bisschen verliebt muss die Marie aber doch noch gewesen sein, sonst hätte sie nicht in Eßlingen immer wieder den Kinder vom Hermann Kurz seinem Bruder Ernst aufgelauert, um vielleicht von diesen das Wörtle Onkel Hermann zu höre.

Revolution

Wie die Grundrechte in der Frankfurter Nationalversammlung am 28. 12. 1848 verabschiedet worden sind, hat die Marie sogar in ihrer Gemeinde bei den Deutschkatholiken in Eßlingen ein politisch Gedicht (A) gemacht und vorgetragen, was sogar in der Zeitung gedruckt geworden ist:

Gesprochen bei der Produktion zum Besten der freien christlichen Gemeindein Eßlingen im Dezember 1848.

"Die Zeit der Kämpfe ist herangebrochen,
Es ringt der neue Geist zum neuen Licht.
Schon manche Fessel hat er kühn zerbrochen,
Den Kranz der Freiheit er der Erde flicht.

Drum laßt uns froh die Geistersonne grüßen,
Die mit der Segen bringend neue Glut;
Die Knospe Freiheit soll zur Blüth erschließen,
Auf der als Thau glänzt das vergossene Blut.

Zeit war es, daß das Dunkel sich gelichtet,
Im Sturmeslauf die Völkertuba tönt.
Und daß der Willkür Götzen stehe gerichtet,
Die Menschenwürde, Menschenrecht verhöhnt.

Wohl ist nicht ganz gesunken noch der Hyder,
Wohl da und dort erwächst ein Haupt ihr noch:
Der Zeitgeist naht als Herkules, und nieder
Vor diesem Göttersohne sinkt sie doch!

Doch sag, was nützen dir der Freiheit Güter,
Was frommt es dir, daß sank der Fürsten Macht?
Es drohen neue Fesseln dir ja wieder,
Des Wahns, des Aberglaubens finstre Nacht.

So lang der Ausfluß jener Weltenseele -
Der Menschengeist nicht selber denkt, - und glaubt,
Daß wenn Vernunft er sich zum Leitstern wähle,
Der Hölle Blitze zucken auf sein Haupt.

So lang er sich an Glaubensformeln schließet,
Das starre Dogma auf den Thron sich hebt,
Dem ewgen Lichtstern seine Augen schließet,
Hat er den Sieg der Freiheit noch nicht erstrebt.

Dem Adler gleich soll er mit Flammenschwingen,
Zur Wahrheitssonne schweben kühn und frei.
Der Isis Schleier suchen zu durchdringen,
Und stürzen kühn der Priester Tyrannei.

Ja, dann erst hat er jenen Kranz gefunden,
Der sich um Huß, der sich um Hutten wand,
Der Galilei es edle Stirn umwunden,
Der Gott und Menschheit aneinander band.

Die Erde lag von Dunkelheit umflossen,
Im Sklavendienste feiler Hierarchie,
Vom Himmel ward ein Lichtstrahl ausgegossen:
"Beigt der Tiare nimmermehr das Knie."

In Luther war ein Morgenroth gewonnen,
Ein Morgenroth durch Märtyrerblut geweiht,
Doch hat er nur das große Werk begonnen,
Vollenden soll es nun die neue Zeit.

Dem neuen Wein gebühren neue Schläuche,
Der neue Geist erfordert neues Licht.
Drum fort nun die veralteten Gebräuche,
Wo die Vernunft in Flammenworten spricht.

Es gilt den Kern zu lösen von den Schaalen
Vom todten Worte zu befreien den Geist,
Dann wird er sonnen sich an jenen Strahlen
Der Weltenseele, die das All durchkreist!

Marie Brunnow

Das Jahr 1848 hat es überhaupt in sich gehabt. Sogar der ganz biedere Bruder vom Hermann Kurz, der Jurist Ernst Kurz hat in Eßlingen die schwarzrotgoldene Fahne rumgetragen. Abertausend hat die neu Zeit erfasst, in Italien unterm Garibaldi gerade so wie in Frankreich, in Ungarn unter Lajos Kossuth, in Sachsen hats Kämpfe gegeben, wo unter den Radikalste der Richard Wagner war. Bald haben die preußische Truppen unterm "Kartätschenprinz" die Aufstände überall niedergeschlagen und die edelsten und die bedeutendsten Männer einfach erschossen oder barbarisch eingesperrt, wie den Hecker, den Mögling, den Corvin und viele andere. Der Marie hat das weh getan und ihre Wut gegen die Preußen hätte können nicht größer sein. Bei Tag und Nacht hat sie überlegt, ob sie den Prinz von Preußen nicht erschieße könnt? Wenn ihr Lehrer Barth, der gerade von England gekommen ist, sie nicht beruhigt hätte und ihr beigebracht hätt, dass sie an den gar nicht hin käme, wer weiß, was dem Mädchen in ihrer Wut noch eingefallen wär? Die Marie war eine ganz Wilde. Des sieht man in dem rote Album zu Reutlengen, wo der Bacmeister (A) gemalt hat. Dort ist sie so wild wie der Pfaule in seinem "Eulenspiegel". Und der war gewiss deftig!

Der Liederkranz vom Eßlinger Volksverein, unter Leitung vom Rektor Pfaff ist mit Fahne eines Tages vors Brunnows ihrem Haus in Eßlingen gestanden und hat der Marie ein Ständle gebracht. Sie hat zu diesen noch ein Rede gehalten, dass man sich jetzt opfern müsste für die heilig Sache. Ihr Vater ist hinter dem Baum gestanden und hat geheult, so hat es den alten Mann gerührt, obgleich er ja kein Republikaner gewesen ist. Ihm war es egal ob es eine Republik würde oder eine Monarchie bleibt, er hat sich als Edelmann gefühlt.

Ernst Kurz
Lola Montez
Lola Montez

Es ist noch auch der Marie ihrem Vater immer schlechter gegangen, dass die Oberrevolutionäre gottlob andere Sorgen gehabt haben. Aber wolle man doch die Marie selber höre, was sie so schöne in ihr rückblickendes Tagebuch von 1871 noch alles über die Revolution geschrieben hat: ..." Nun, da der Sturm der Revolution ausbrach wurde alle Philosophie zurückgedrängt und auch jenes Weltweh löste sich auf in jubelnde Hoffnung, dass für die Menschheit die Aura der Glückseligkeit angebrochen sei: Zuckererbsen für Jedermann. Es war ein Traum, aber ein wonnevoller Traum und ich möchte dieses Aufjauchzen der Seele, diesen Wunsch sich im Opfertod für die ringende Menschheit herzugeben, nicht in meinen Erinnerungen missen. Wer jene Zeit nicht erlebt, der kann es auch nicht fassen. Und dass gerade die bedeutendsten, die genialsten Männer der Nation, sich in den Sturm der Zeit stürzten, steigerte noch das Erhabene der Bewegung. Natürlich durchdrang der freie Geist nicht nur die politische und religiöse Seite, er wohnte in allen: Zöpfe fielen ab, oder wurden von der Schere der Zeit abgeschnitten. Schranken des Verkehrs zwischen beiden Geschlechtern stürzten ein, und die eingefleischtesten Bürokraten sagten: Jetzt ist keine Reaktion mehr möglich... Damals war nicht vorauszusehen, welcher Rückschritt wieder kommen würde, wie nach 1870 die Gefangenen behandelt würden, die mit viel mehr Reserve die Schäden ihrer Regierungen aufzudecken bemüht waren. Und denk ich nun an den heute sich abspielenden Prozess "Lola", so muss ich mir sagen, die Reaktionäre von dazumal waren Engel der Milde und Gemütlichkeit, verglichen mit diesen französischen Bestien. Für sie möchte ich eine Hölle schaffen in der sie tausend Jahre braten sollten, dann wäre ich immer noch barmherziger wie Dante..."

Revolution, Frankfurt und Asperg

Die Marie geht auf Reisen

Nachdem der Marie ihr Vater gestorben und in Obereßlingen, neben der Marie ihrem Schwesterle Ottilie vergrabe war, hat die Marie gleich das uneheliche Kind von ihrem Vater zu sich genommen. Was dort die Leute so gedacht haben war ihr egal. Die Josephine hat mit Wonne das kleine Ottole helfen versorgen. Sie, die Geistesaristokratin hat dann ihre Lern- und Zeichenstunden wieder aufgenommen, hat Nachbarskinder unterrichtet und diesen Mädchen beigebracht, dass man nicht bloß kochen und nähen können müsse, sondern wie die Buben alles lerne sollten. Aber das ruhige Leben auf einem Dorf hat ihr trotzdem keine Befriedigung mehr gegeben, sie hat jetzt doch auch einmal verreisen wollen. Ihre politische Freunde, welche in der Schweiz geflohen waren und auch ihre Freund in Colmar haben sie gedrängt. Dort ist sie aber doch vorher noch einmal zu ihrem Dichter Hermann Kurz, irgendwas hat sie zu ihm gezogen und der hat sie auch an den Zug gebracht, hat aber wieder kein Sterbenswörtle verlauten lassen, dass er sie mögen täte! Das war dann doch eine arge Enttäuschung für die Marie. Aber sie hat gedacht, wenn es halt nicht sein soll, dann würde sie schon einen anderen Mann finden und hat ihn auch vergessen wollen. Der Hermann hat seine Redaktionsarbeit betrieben und bald eine Ottilie Faber kennen gelernt und sich mit der verlobt. Das Verhältnis hat aber bloß zwei Jahre gehalten, wie schon mehr Liebesaffären, die der Dichter schon gehabt hat, wie ja auch zur Emma Kerner. Dem Hermann ist erst nach über zwei Jahren, nachdem er die Ottilie Faber verloren gehabt hat, wieder seine Laura vom Kostümball eingefallen.

Aber auch um die Marie haben sich schon viele Männer beworben gehabt, vor allem der Carle Rommel ist lang hinter ihr her gewesen, ein sauberes Mannsbild mit einem ritterlichen Wesen, aber was war der schon, bloß ein Kaufmann! Das hat ihr nicht gepasst. Mit dem Rommel seiner Schwester Marie war das Frl. Brunnow gern und viel zusammen. Auch ein anderer Proletarier war hinter dem Frl. Brunnow her, die ihren Adelstitel weg gestrichen hat, aber deswegen hätte die Marie doch nie einen Mann genommen, dem sie geistig haushoch überlegen war. Dass der Freischärler, der Bacmeister, mit dem sie sich so gut verstanden hat, sie gern geheiratet hätte, das hat sie gar nicht gemerkt und der hat sich nicht getraut dem Fräulein einen Antrag zu stellen. Er hat Gedichtle gemacht und ein Liebestagebuch geschrieben, das die Marie aber erst viele Jahre später zum Lesen gekriegt hat.

Das kleine Ottole ist von der Josephine so gut versorgt worden, dass die Marie jetzt ohne schlechtes Gewissen hat verreisen können. Was man als Mädchen ja gar nicht tut, die Marie ist ohne Beschützer losgefahren mit der Eisenbahn, oben auf dem Dach, in der vierten Klasse, wo sie über die schöne Elsässer Berge und Burgen gestaunt hat. Nach Colmar ist es gegangen, wo ihr Freundin, die Lolo von Bär, die mit dem Dr. Deubel verheiratet gewesen ist, gewohnt hat. Das waren wilde Tage mit diesen französischen Freunden. Zwei Monate ist sie dort geblieben, aber dann haben ihre Freunde aus Zürich gemahnt, sie soll doch endlich zu ihnen kommen. Natürlich hat die Marie früher mit Begeisterung auch den "Tell" vom Schiller gelesen und hat auch wegen dem in die Schweiz wollen. Aber vor allem ist sie dort hin, weil viele von ihren politischen Freunden im Exil waren und zu diesen ist sie ja auch gefahren: der Scherr, der Seckendorf, in den sie früher auch einmal verliebt gewesen ist, und natürlich zum Pfaule, der ihr gleich beim erste Essen immer auf die Füße getreten ist. Sie hat sich erlaubt zu sagen: "Aber Herr Pfau, was habe ich denn gesagt, das sie das geniert, wieso treten Sie mir dauernd auf die Füße?" Alle haben gelacht, dann hat die Marie erst begriffe, was der wollen hat. Noch viele andere Flüchtlinge hat sie im "Cafe litéraire" und im Seefeldgarten kennen gelernt und ist mit ihnen Tag und Nacht auf dem See rumgefahren, wo sie wieder politisiert haben. Die Nächte sind kurz gewesen, aber die Marie hat wollen alles auskosten und wollte auch einmal richtig in den Bergen herumsteigen. So sind noch der Johannes Scherr, sei liebes gescheites Schweizer Fraule und noch ein paar preußische Flüchtlinge mit ihr nach Andermatt hinauf gefahren und von dort sind sie auf den Maultieren über den Furka- und über den Grimselpass zum Rhonegletscher hinunter gewandert. Acht Tage sind sie kreuz und quer marschiert, ohne Gepäck. Bloß ein kleines Täschle hat die Marie umgehängt gehabt, wo ein Hemd und ein zweites paar Strümpfe drin waren, dass wenn die eine Strümpfe vom Schnee nass waren, man die am Schirm zum Trocknen hat aufhängen können. Durchs Berner Oberland sind sie weiter nach Bern zu gelaufen, wo sie noch ein paar Tägle geblieben sind, um noch mit dem Zügle wieder auf Zürich zu fahre. Es ist noch aber auch bald Zeit gewesen, dass die Marie wieder nach Eßlingen heim gefahren ist. Die Flüchtling haben natürlich alle gewollt, dass die Marie ihnen von zu Hause aus immer wieder schreibt, aber das hat sie nicht wollen und auch nicht können, weil sie kein Geld dazu gehabt hat.

Zürich Zürich um 1830

Hochzeit

am 20. 11. 1851

"Der Himmel lacht und heitre Lüfte spielen,
Der Frühling kehrt zurück in seiner goldnen Pracht;
Mit lautem Jubelsang wird hier im Kühlen
Der schönen Zeit ein volles Glas gebracht.
Die Treu' verklärt die fröhlichen Gesichter,
Die Freude thront hier in ihrem Königshaus,
Die Lieb' entflammt die hellen Frühlingslichter
Und spannt den blauen Bogen drüber aus..."

Hermann Kurz

Der Winter ist vergangen. Oft ist dort der Marie ihr alter Zeichenlehrer gekommen und hat von der Marie porträtiert werde wollen, was sie auch können hat. Sie hat wie immer viel gelesen, auch mit der Josephine zusammen, Bücher und auch den "Beobachter". Ohne Schwärmerei hat sie dabei an den Redakteur gedacht. Eines Tags hat sie ein Billettle vom Rektor Pfaff gekriegt mit der Aufforderung, sie soll in einen Biergarten kommen, er und seine Tochter wären auch dort. Dort ist sie ahnungslos hin, und wer war dort auch da? Der Hermann Kurz! War das eine Überraschung. Der hat gelacht und die anderen im Saal auch und die Marie war platt. Spät ist es an dem Abend geworden, als der Hermann sie heim gebracht hat. An der Haustür hat er ihr einfach ein Küssle auf de Backe gedrückt und sie gefragt, ob sie ihn nicht heiraten wolle. Sie hat gezögert und gesagt, dass sie nach so langer Zeit sich das erst gut überlege wolle. Sie wollte ihm schon eine Freundin sein, aber heirate ihn, der sie hat sitze lassen, nein. Der Hermann ist noch aber jedes Wochenende zu ihr gekommen. Sie haben zusammen gelesen: Shakespeare und Decamerone und haben sich es schön gemacht.

Die Wochenenden haben diesen zwei immer besser gefallen und der Sommer ist dabei vorüber gegangen. An einem schönen Herbsttag ist der Hermann ganz traurig geworden. Die Marie hat nicht heraus gebracht, was das Hermännle so bedrückt, bis er mit der Sprache heraus geplatzt ist. Er hat ihr gesagt, dass er als Dichter sicher nie reich werde täte und alle Mädchen hätten doch gewisse Ansprüche. Auch könnt er vielleicht noch einmal in es Gefängnis komme, könnt vielleicht sogar auf dem Schafott sterben müssen. Wie er das gesagt hat, hat er der Marie ihr Herz erobert gehabt. Sie ist ihm um den Hals gefallen und hat gesagt, wenn es so wäre, noch gerade erst recht, wäre er der Ihre! Sie hat noch sogar gleich heiraten wollen, aber er hat gesagt, dass das in dem kleinstädtischen Stuttgart nicht gehen täte. Sonst würde er als missliebige Persönlichkeit gleich ausgerufen werden. Es hat ja damals noch keine Zivilehe gegeben und die Grundrechte von 1848 waren nicht mehr gültig. Sie haben noch miteinander lang überlegt. In eine Kirche haben sie nicht wollen, weil ja die Marie aus der Amtskirche ausgetreten war. In Straßburg hätten sie sich das Bürgerrecht kaufen können, aber das hätte viel Geld gekostet. Dann ist die Marie zum alten Obereßlingenr Pfarrer, von dem sie gewusst hat, dass der ein Mensch ist und hat ihm ihr Leid geklagt. Der hat sie auch gut verstanden und gesagt, dass er das natürlich gern mache täte. Man müsste das halt bei Nacht machen und die Kirenchetüre zusperren. Er täte kein Predigt halte.

Die Hochzeit war vier Monat nach dem Hermann seiner Haftzeit auf dem Asperg, am 20. November 1851. Dort sind noch die Marie, der Hermann und als Trauzeuge ein paar politische Freunde am Abend in das klein Kirchle, der Pfarrer hat die Tür zugesperrt und hat die gesetzmäßige Frage an das Pärle gestellt und sie ins Registerbuch eingetragen, ohne viel Geschwätz. Das war ganz schnell vorbei. Dann sind sie mit dem Pfarrer in die ausgeräumte Wohnung. Die ganz linke Kammer ist noch gekommen. Man ist auf dem Boden gesessen, um ein Bierfässle herum, hat Bretzeln gegessen mit kaltem Braten und dazu Bier getrunken und war vergnügt. Der Liederkranz ist gekommen und hat ein Ständle gebracht. Sie haben das Lied vom Hermann gesungen: "Der Himmel lacht und heitre Lüfte spielen" und draußen sind Schneeflocke herumgewirbelt. Mit dem letzten Zug sind die Freunde mit dem Bräutigam heim nach Stuttgart gefahren, zwei Tage später ist die Braut mit der Josephine und dem kleinen Ottole nachgekommen.

Hermann und Marie Kurz

Stuttgart

Nov.1851 - Frühjahr 1859

Die Mutter vom kleinen Ottole hat sich bald verheiratet und ist mit dem Kind nach Kanada ausgewandert. Das war für die Marie und noch mehr für die Fina ein großer Schmerz. Nach der Hochzeit war der Hermann immer noch Redakteur und seine Marie viel allein. Sie haben in der Junggesellenwohnung vom Hermann zuerst gewohnt und waren recht glücklich. Wie es der arme Fina zu Mute war, das hat niemand gemerkt. Die hat saumäßig Heimweh nach Eßlingen und ihre Freunde dort gehabt, aber sie hat ja wollen ihre Herrin nicht verlassen und hat damit gerechnet, dass dort bald Nachwuchs komme müsste.

Bald hat aber die Familie eine größere Wohnung mit einem Garten in der Sophienstraße 5 gefunden, aber noch hat der Hermann Typhus, was damals Nervenfieber geheißen hat, bekommen und ist arg lang schwach gewesen, obgleich ihn die Marie bestens gepflegt hat. Ihre politische Freunde haben sie oft besucht.

Endlich am 16. Januar 1853 ist der heiß ersehnte Nachkomme Edgar Konrad auf die Welt gekommen, ein zartes bleiches Bubele, der auch noch gleich die Brechruhr bekommen hat, aber das hat der gute Dr. Stockmaier, gegade wie auch hinterher die Halsbräune und sogar die Hirnentzündung hat heilen können. Das ist ein prima Doktor gewesen. Die Hebamme hat der Marie gesagt, dass man das Kind unbedingt taufen lasse müsse, aber der Hermann ist narret geworden und hat gesagt, dass er den Pfaffen, der sich unterstehen werde das mit Gewalt zu mache die Treppe runter werfe täte! Wie der Edgar 1 1/2 Jahr alt gewesen ist, hat die Taufe dann der Pfr. Rudolf Kausler, ein Freund vom Hermann vollzogen. Gottlob hat die Hirnentzündung dem Edgar nicht den Verstand genommen, sondern im Gegenteil, das Bubele ist sogar frühreif gewesen und hat die Namen vom Hecker und Kossuth schon gekannt, wie er noch in den Windeln gelegen ist. Bloß bis er hat laufen können, das hat lang gedauert. Die Marie ist auch gleich wieder schwanger gegangen. Kurz vor der 2. Geburt hat sie ein Gerichtsprozess bekommen, wegen ihrem politische Gedicht in einer sächsischen Zeitung (A). Die Württemberger sind damals schon nicht mehr so streng gewesen und haben deshalb auch vorher schon überlegt, wie man das anstellt, dass die hochschwangere Frau frei gesprochen wird, denn dass die Marie ihr Gedicht nicht verleugnen kann, des haben sie gewusst. Die Anklage vor dem Schöffengericht hat geheißen "wegen Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung". Ein Freund vom Hermann, der August Becher als Verteidiger, hat die Verhandlung dann auch so geschickt gebogen, dass die Marie freigesprochen worden ist.

Edgar

Kurz darauf, im Geburtsjahr vom Edgar hat die Marie ein Mädchen geboren. Die war kräftig und hat schreien können! Nach dem Hermann seiner Meisterübersetzung "Tristan und Isolde" haben Kurzens ihr den Namen Isolde gegeben. Getauft hat die Maria Klara Isolde dann der deutsch-katholische Prediger Friedrich Albrecht, weil die Marie ja offiziell jetzt zu der Gemeinde gehört hat. Konfessionslose hat es damals noch nicht gegeben.

Tübingen, Paulinenstrasse 19: Geburtshaus von Isolde Kurz

Geburtshaus von Isolde Kurz

Bei der nächsten Schwangerschaft ist die Familie drei Monate lang zur Erholung in Bad Liebenzell beim Pfarrer Buttersack (A) gewesen, weil der Doktor gesagt hat, der Edgar braucht eine kräftige Schwarzwaldluft, dass er nicht immer so elend ist. Des war für alle eine schöne Zeit und der Vater hat im Schwarzwald seinen "Weihnachtsfund" (A) fertig schreiben können. Der Edgar hat sich prächtig erholt und auch den anderen von der Familie ist es gut gegangen in dem schöne Täle und diesen kräftigen Wäldern mit Tannen, Farn und Mösle, wo sie die Tage verbracht haben. In Liebenzell hat es damals ein Oberes und ein Unteres Bad gegeben. Im Park waren Pfaue und schöne Springbrunnen, und die Kinder haben im Flecken auf dem Platz, wo so viele Töpferscherben gelegen sind, herrlich spiele können. Es hat ja damals noch keine Eisenbahn gegeben, auch der Badebetrieb ist nicht gut gelaufen. Die Leut sind arg arm gewesen und die Bäder verfallen. Früher waren viele Berühmtheiten zum Kuren dort, aber nachdem die Regente lieber in Bad Teinach und Wildbad gekurt haben, sind die Leute mit Geld halt auch nicht mehr gekommen, obgleich das Heilwässerle ja bekanntermaßen gut war, vor allem auch für die Fruchtbarkeit. Das schöne große Pfarrhaus liegt am Fuß vom Riese Erkinger seiner Burg. Der Pfarrer Buttersack hat überall im Flecken geholfeb und war sehr beliebt. Unterwegs auf der Hin- und Rückfahrt haben sie bei Onkel und Tante Mohr in Ehningen genächtigt. Die alt Tante Wilhelmine haben alle mögen, die war eine Tochter vom Buchdrucker Schramm von Tübingen. Die Marie hat gestaunt, wie belesen die Frau war. Wie sie wieder daheim in Stuttgart war, ist am 4. August im 55er Jahr ein kräftiges Bubele auf die Welt gekommen. Der hat seinen Namen nach dem Onkel Alfred vom Boihinger Schlössle bekommen, das hat gepasst, weil er auch dem sei wildes Temperament geerbt hat. getauft hat den Alfred Hermann wieder der Onkel Rudolf Kausler. -

Oft umgezogen ist die Familie in Stuttgart. A pensionierter Offizier, der immer über ihnen auf dem Klavier herumk geklimpert hat, ist dem Hermann so auf den Geist gegangen, dass sie wegen der "Klavierbestie", wie der Hermann gesagt hat, es nicht mehr ausgehalten haben. Dann sind sie in die Militärstraße gezogen, (die Isolde schreibt: Es war ein Wirtshaus) Aber dort sind sie vom Regen in die Traufe gekommen, wegen der Bauerei dort. Endlich haben sie vom Cotta ein Wohnung in seinem schöne Königsbad (A), neben ihren Freunden Weißers bekommen, wo es den herrlichen Garten gegeben hat. Da war natürlich wunderbar und ruhig. Auch der Danteübersetzer Notter hat da gewohnt. Mit der Familie Ludwig Weißer hat man bald die beste Nachbarschaft und Freundschaft gehabt. Eine neue Ausgabe von "Schillers Heimatjahre" ist in der Zeit rausgekommen. Der Hermann hat den jungen Dichter Paul Heyse kennen gelernt, und der hat ihnen den Dichter Johann Georg Fischer mitgebracht. Hier im Königsbad hat sich acht Tag lang bei Kurzens der Ludwig Pfauch verstecke können, weil ihn da niemand gesucht hat.

Paul Heyse

Am Ostermontag im 58er Jahr ist dann der Erwin Dietbold geboren, und weil das Geschäft für die Fina jetzt aber doch zu viel geworden ist, hat die Frau Weißer der Nachbarsfamilie ihr Christine zur Hilfe abgetreten. Der Hermann ist in der Zeit mal wieder arg krank geworden. Er hat etliche Tage lang nichts gegessen und hat niemand zu sich gelassen, bis noch schließlich wieder der gute Dr. Stockmaier ihn kuriert hat. Durchs Schlüsselloch hat der gesagt, er müsse unbedingt wegen Geldgeschäften mit ihm reden. Dann hat er endlich aufgeschlossen. Der Doktor ist dann bis Wangen mit ihm spazieren gerannt. Dort sind sie eingekehrt und erst in der Nacht wieder heim gekommen. Das hat den Hermann so müde gemacht, dass er tief geschlafen hat, und er ist tatsächlich am nächste Morgen gesund aufgewacht. Er hat dann wieder können an "den beiden Tubus" weiterschreiben und den Text machen zum Prof. Weißer seinem Kunstatlas. (D' Isolde schreibt: "Die beiden Tubus hat er erst in Obereßlingen vollendet")

D' Redaktionstätigkeit

April 1848 - Nov. 1854

Im Nachhinein hat ja der Paul Heyse von deren Zeit von den sieben mageren Jahren gesprochen. 800 Gulden Jahresgehalt ist ja auch nicht viel gewesen. Nichts Genaues weiß man von der ersten Zeit als Redakteur nicht. Am 26. März 1848 ist im "Beobachter" das Vaterlandslied erschienen. Der Johannes Scherr schreibt das, dort war nämlich zu Göppingen die Volksversammlung, wo sie die Revolution ausgerufen haben. In der Bahnhofsstraße dort hat der Kurz mit dem roten Pfaule von Heilbronn ein Diskussion gehabt, die man dem Hermann gar nicht zugetraut hätte. Der Ludwig Pfauch hat gemeint, es wäre doch dass Gescheiteste, wenn man ohne weiteres die Republik proklamieren täte. Dort habe aber der Kurz fuchsteufelswild geschrien, der Pfauch wäre wohl eine wilde Gans: "Ihr Überstürzler wollt wohl alles zugrunde richten!" Der Pfaule war ganz platt über den sonst so sanftlebigen Reutlinger und hat gesagt: "Jetzt hört aber doch alles auf, wenn auch noch der Blaue den Staatsmann raushänge will." Der Gottlieb Fink, der Ostjäk, der hinter ihnen gelaufen ist, tröstet ihn: "Jo weißt Du, Pfaule, seit etliche Tage grassiere halt die Staatsmänner. Aber die blaue Staatsmännlichlichkeit kommt mir grün vor, sogar arg grün." Dann haben alle lachen müssen. (In Joh. Scherr: "Vom Zürichberg" 1881 Leipzig) Der Gärtnerbub, der Ludwig Pfauch, war manchmal schon arg grob, das sieht man in seinem satirischen Blättle: "Der Eulenspiegel", er hat ja auch dafür später ins Gefängnis müssen, aber das war für den sogar schön, dass er gar nicht mehr freiwillig raus wollen hat. 1848 hat der Adolf Weisser einen zweite Redakteur gebraucht, weil er auch noch viel Geschäft mit dem Volksverein gehabt hat und darum hat er den Kurz geholt. Der "Beobachter" ist jetzt auch viel größer herausgekommen. Der Gustav Schwab hat zu seinem Buben gesagt, dass im Beobachter, an dem jetzt auch der gute, aber fanatische Hermann Kurz mit seinen badischen Ideen mit schafft, stehen täte, dass die Fürsten jetzt flehend vor dem Volk liegen täten und man soll um Gottes Willen jetzt kein unzeitiges Mitleid haben!- Im 48er Jahr ist es oft wild her gegangen und darum war der Hermann Kurz mehr wie ausgefüllt mit deren Redaktionsarbeit. Zum Dichten ist ihm dort nicht mehr gewesen . Er hat ja auch seine "Laura" wegen der Revolution wieder vergessen, obwohl die Marie eine echte Edelkommunistin, also eine ganz Rote gewesen ist. Dadurch ist noch später bei ihrer Hochzeit der Ausdruck "Violette Republik" (A) hergekommen. Der Kurz war ja im Stift schon das "blaue Genie". -

Der Weisser und der Kurz haben im "Beobachter" sogar ein "Feuilleton" eingerichtet. In der erste Ausgabe am 20. April 1850 hat der Weisser ausgiebig über den Christian Friedrich David Schubart geschrieben. Der Kurz hat, wie kein anderer den Beobachter zu einem ästhetischen Blättle gemacht, ohne von seiner Farbe ablassen zu müssen, dies sieht man noch an diesen großen Bänden von den gesammelte Nummern im Archiv in Marbach. Seine Devise war immer: Fürs Volk und für die Kinder darf man bloß das Allerbeste schreiben. Man soll als Schriftsteller nicht hinab steigen, sondern die Leser zu sich herauf ziehen! Er hat in allen literarische Schätzen gegraben und in seinem Feuilleton eingebaut: Philosophie, Archäologie, Geschichte und Naturkunde, weil ihm alles gleich wichtig gewesen ist im Kampf für die Freiheit. Der Weisser und der Kurz haben sich prima verstanden, aber leider hat ja der Weisser schon bald in die Schweiz fliehen müssen und war bloß auf dem Papier noch der Chefredakteur. Der Hermann Kurz hat auch zwei politische Prozesse bekommen und hat 8 Woche auf den Asperg müssen, aber es war nicht mehr so schlimm wie beim Schubart. Er hat sogar einen Diener gehabt und hat die ganz Redaktionsarbeit von dort oben aus weitermachen können!

Die Marie schreibt rückwirkend in ihr Tagebuch, warum der Hermann nach 7jähriger Führung die Redaktion niedergelegt hat. Er habe einfach das Bedürfnis gehabt jetzt seinen "Sonnenwirt" (A), von dem bloß einige Kapitel geschrieben waren und auch im "Morgenblatt" erschienen sind, fertigzuschreiben. Außerdem hat es in der Demokratische Partei Händel gegeben. Eine Gruppe mit seinen Freunden Seeger und Fetzer sind in den gerade gegründete Nationalverein eingetreten, die sich die Preußen haben anschließen wollen. Für den Hermann waren schon die Auseinandersetzungen mit den Fürsten schlimm und jetzt auch noch Streitereien in seiner Partei, das war ihm doch zu viel! Dort hat er von der Redaktionsarbeit genug gehabt, obgleich der Hopf, der Schnitzer, der Becher und der Hausmann zu ihm gehalten haben. Die haben ihn auch bei seinem "Trias" unterstützt. Das war ein Artikel, den der Kurz geschrieben hat, wo er vorschlägt, dass man einen Bund der Kleinstaate mit einem gesonderten Parlament schaffe sollt, der ein Schutz- und Trutzbündnis mit Österreich und Preußen verlangen sollte.

Der Mögling hat den Kurz gebeten, die Redaktion doch weiter zu machen, aber nach großen Kämpfen hat der Hermann doch erreicht, dass wenigstens bis er den "Sonnenwirt" fertig geschrieben habe, der Schnitzer die Redaktion übernehme sollte. In neun Monaten hat der Hermann Tag und Nacht an dem Sonnenwirt geschrieben, weil ihn die Druckerei wie ein armes Wild gehetzt hat. Und trotzdem hat er können das letzte Kapitel nicht mehr schreiben, weil sein Edgar ja mit der Gehirnentzündung todkrank gelegen ist. Alle dichterischen Gedanken sind fort gewesen und erst wieder gekommen, wie es dem Bubele besser gegangen ist. Vielleicht ist deshalb das letzte Kapitel dann auch so schön geworden, dass sogar der Verleger Meidinger, der Phönix unter den Buchhändlern ganz ergriffen geworden ist, wie er das gelesen hat und dem Dichter das doppelte Honorar gezahlt hat. Die Marie schreibt in einem Brief an ihr Freundin Marie Caspart 1854: " Hermann ist gegenwärtig noch Hals über Kopf in Redaktionsübergabe-widerwärtigkeiten verwickelt. Die Sache ist ihm so entleidet, dass er sogar seine Unterschrift zurückziehen will...Hermann muss sich so viel erzürnen, dass er den ganzen Tag als brüllender Löwe herumwandelt. Du kannst nicht glauben, wie glücklich ich über den Berufswechsel bin, denn nun kehrt er in sein eigentliches Element zurück und das ist Gewinn für ihn und für mich. Als Redakteur lebt er bloß für seine Freunde und für die Kreuzer, als Poet lebt er zuerst für mich, denn ich bin es, die zuerst sein Schaffen zu sehen bekommt. Er soll nun für Meidinger eine Novelle schreiben. Du könntest ihm wohl einen Stoff angeben. Vielleicht bringt er Dich selbst in einen solchen, denn wir sprachen neulich davon, dass Du unter unseren Bekannten allen die einzige romantische, poetische Erscheinung bist. Für heute ist es genug geschmiert... Ich küsse Dich in Gedanken. Von ganzem Herzen und mit teilnehmender Liebe Deine Marie

Grüße Deine Mutter und Onkel"

"Liebes Kind...Ich unterschreibe alles was Marie Dir von meiner Gesinnung sagt. Grüße Mutter und Onkel Rudolph herzlich

Dein geplagter Onkel Hermann"

Marie Caspart

Man hat nach der Redaktionstätigkeit ja noch vom Gesparten leben können, das aber bald verbraucht gewesen ist. Brunnows haben zwar in Untertürkheim noch ein paar Äckerle gehabt. Aber wie die Bauern, die sowieso kein Jahr ihren Zins haben zahlen können so gejammert haben, hat der Hermann auch gesagt, dass man diesen die Äckerle schenken sollte. Den Schultes von Untertürkheim hat das so beeindruckt, dass der deswegen zur liberalen Partei übergetreten ist.

Eßlingen II

Frühjahr 1859 - Juli 1862

Das Königsbad ist noch leider verkauft geworden und man hat wieder eine Wohnung suchen müssen, was mit vier Kinder nicht so einfach war. Vorrübergehend hat der Freund Hopf gemeint, können sie ja in seinem Häusle im Dach in Obereßlingen wohnen, was er sich gerade dort gekauft hat. Die meisten Möbel haben sie bei Weißers und Bechers untergestellt und die Marie und die Fina haben sich gefreut wieder in ihrer Heimat Eßlingen zu sei, auch wenn es arg eng gewesen ist. Mit dem Hopf hat der Hermann sich wunderbar verstanden und die alten Freunde waren auch noch da: die gute Tante Bertha, Rommels, das Frl. von Bär und Millers, welche sie mit so viel Liebe überschüttet haben. Auch die Frau von Rieger mit ihrem "Groschenbaron" ist von Stuttgart wieder auf Eßlingen gezogen. Dort hat es schöne Gärten gegeben und die Kinder haben spielen können. Griechische Altäre haben sie gebaut und die Nachbarskinder haben neugierig rein geschaut und daheim erzählt von diesen "Heidenkindern". Die Mutter hat ja den Kindern so von den Griechen vorgeschwärmt und hat können so spannend erzählen, dass das nicht schwer war. - In der Kirche ist die Familie ja auch nicht gegangen, und so Etwas schwätzt sich herum im Flecken. Am Abend hat man im Sommer in dem dort ganz seichten Neckar gebadet. Wie sie auf Eßlingen gezogen sind war der Erwin ja erst zwei, der Alfred vier, der Edgar sieben und die Isolde sechseinhalb Jahr alt. Die Marie ist, obgleich man es nicht mehr wollen hat, in Eßlingen ja wieder schwanger geworden. Innerlich hat sie das Kind abgelehnt, weil halt vier Kinder schon genug gekostet haben, aber die Schwangerschaft und die Geburt sind gut verlaufen. Am 18. Mai 1860, als gerade die große Begeisterung für den italienische Freiheitskämpfer Garibaldi, der seine siegreiche Trikolore in Palermo und in Neapel auf gepflanzt gehabt hat, weil er die Burbonen und die östreichischen Tyrannen aus Italien verjagt gehabt hat, weswegen die rot' Marie viele begeisterte Gedichte für den "Beobachter" geschrieben hat, hat sie ihren Buben gekriegt und der hat natürlich den Namen von dem neue Helden Garibaldi bekommen müssen. Getauft hat man den Buben überhaupt nicht, denn die Kammer hat ja das Prinzip der Gleichberechtigung aller Dissidenten, Juden und Ungläubigen ausgesprochen gehabt. Und nicht einmal in dem pietistische Nest Kirchheim, wo sie noch bald hingezogen sind, habe ein Mensch das beanstandet!

Die provisorisch enge Wohnung beim Hopf in Eßlingen haben sie dreieinhalb Jahr gehabt. Aber leider hat der sein Haus in Eßlingen verkaufe müssen. Dann ist der Vater Hermann Kurz verzweifelt herum gelaufen und hat Wohnung gesucht. Sie hätte halt nichts kosten sollen. Nach langem Suche, auch weiter weg, hat der Hermann etwas gefunden aber in einer engen Gasse in Kirchheim. Die Marie schreibt rückblickend: "... Wir hatten nicht lauter selige Tage in Obereßlingen gehabt, die Not war uns oft zu nahe getreten...Dazu kamen bei Hermann die schlimmen Nervenzustände, die ihn unfähig zu jeder Produktion machten... Da brachte das Jahr 1859 das Schillerfest zu Schillers 100jährigem Geburtstag, durch die Schillerstiftung Hermann nebst anderen Poeten ein jährliches Gehalt von 400 Gulden ... Dieses Geld, so wenig es für die zahlreiche Familie war, rettete uns wenigstens vor der ärgsten Not..." -

Kirchheim

Juli 1862 - Dez. 1863

Die traurigste Zeit, nicht bloß für die Marie, ist die Zeit in Kirchheim/Teck gewesen. Die Kinder haben hier in die Schule können, die war zwar von den Anforderungen an die Schüler bescheiden, aber wenigstens nicht so kostspielig wie der Privatunterricht, den die ehrgeizige Mutter gemeint hat, dass ihre Buben auch noch haben müssen. Natürlich hat sie selber auch noch viele Stunden am Tag ihren Kindern Unterricht gegeben, vor allem ihrem Mädchen Isolde. Von der schreibt sie im Tagebuch, dass die ja auch so eine Abneigung vor der Nadel habe, dass sie nie eine Masche stricken oder einen Stich nähen lernen täte. (Wie die Isolde das Tagebuch später gelesen hat, hat sie aber als Anmerkung entschieden dagegen protestiert. Dieses habe gar nicht gestimmt!)

In Eßlingen schon hat die Josephine oft kein Geld mehr gehabt zum Einkaufen, aber da hat sie in der Stadt die billigen Lädle aufsuchen können und auch viel von allen diesen lieben Bekannten geschenkt bekommen. In Kirchheim ist es noch viel schlimmer gekommen. Hier hat es damals bloß ein kleines Lädle gegeben und den Metzger und den Bäcker, aber alles ist teurer als in Eßlingen gewesen. Die Marie und Josephine haben oft Hunger gehabt. Sie haben den Kinder, die wo immer Hunger gehabt haben, das bisschen Brot gelassen. Am Wasch- und Putztag und in diesen Woche, wo die Marie sich hat Besuch kommen lassen, weil sie gemeint hat, dass sie das nicht mehr in dieser "Einöd" aushalte täte ohne ein geistreiches Geschwätz, noch hat die Fina sich elender wegen dem leeren Mage gefühlt.

Schon in Eßlingen hat das doch der Josephine gar nicht gefallen, dass die Kindle in so verrissenen Hosen herum gelaufen sind, und dass sogar der Dichter so ungepflegt war. Die Fina hat sich geschämt, wenn sie so den Balde zum Metzger mit genommen hat, aber er hat trotzdem immer von der netten Metzgersfrau sei Rädle Wurst bekommen. Dass die Kinder sauber gewesen sind, darauf hat sie schon geschaut, aber das Hosen flicken, das hat sie nicht auch noch übernehmen können. Und die Marie hat das nicht einmal für nötig gefunden. Die ist selber so schlampig herumgelaufen. - Ja und die Wohnung da oben, die war so trostlos und leer und ungemütlich! Sie haben doch in Eßlingen schon so viel Zeug verkaufe müssen. Die Marie hat zwar immer gesagt, das wäre nicht schlimm, besser ohne Möbel als ohne Bildung, aber dem Mann hat es auch nicht gefallen und er hat seine Frau gehänselt deswegen und gesagt, das käme von der Marie ihrer russische Abstammung, dass sie nichts Gemütliches braucht. Der Josephine haben die leeren Zimmer schon gar nicht mehr gefallen, die Kinder sind noch mehr ungehalten gewesen. - Man hätte ja können viel mehr Geld für die schöne Brunnowsche Sachen bekommen, aber die Marie hat auch nicht handeln können, so wenig wie ihr Mann, und Geschenke annehmen, das muss man auch lernen im Leben! - Die Josephine hat auch öfter gemerkt, dass ihre Leute beschissen worden sind, dort hat sie ihr Wut oft nicht mehr zurück halten können und gehörig mit der Marie geschimpft, aber die hat bloß gelacht.

Im Nachbarhaus hat auch wieder so ein "Klavierbestie" gewohnt und das hat den Hermann und seine Marie noch verrückter gemacht. Die Kinder sind auch der Marie immer über die Füße getreten, weil sie ja nicht einmal einen Garten gehabt haben, und auf die Straße hat die Mutter sie so ungern gelassen. Vor dem Haus haben sich zwei Gässle getroffen und die Kinder sind nass und dreckig gleich wieder herauf gekommen oder sie haben geheult, weil sie von den andren Kinder gehänselt und geschlagen worden sind. Kurzum, es ist bloß noch ein Jammer gewesen. Das Haus ist auf der Winterseite gestanden und so hat man im Herbst schon gefroren. Und Kirchheim war, wie jede Kleinstadt, ein dreckiges Nest. Endlich haben sie Richtung Mettingen beim Schullehrer Hauber eine schönere Wohnung mit einem Garten gefunden. Die Tante Bertha ist gekommen und hat wieder beim Umzug geholfen. Bloß 88 Gulden Miete hat die "reizend gelegene Wohnung," von der alle ganz begeistert waren, gekostet. -

Wie gern wäre doch die Josephine auch einmal ein paar Tägle heim gefahren, aber Kirchheim hat ja damals noch keinen Bahnhof gehabt und Geld hat sie auch keines gehabt. Ihr monatliches Gehalt hat sie immer wieder in den Haushalt untergebuttert. Die Marie hat es wolle immer gleich wieder zurückzahlen, aber die Fina hat ja gesehen, dass nichts dort ist. Das Strafgeld, welches Kurzens mehrmals in Kirchheim haben zahlen müssen, weil sie einfach ihre Kinder nicht haben impfen lassen, das hätte man auch sparen können. (In Tübingen sind die Kinder noch gleich geimpft geworden, weil Etwas herumgegangen ist und der Doktor dort gesagt hat das Impfen wäre gar nicht schädlich.)

Die Umgebung von dem Kirchheim, die ist ja wunderschön, die Teck und das Lenninger Täle! Der Hermann hat befohlen, dass die Josephine auch einmal mit auf die Teck müsste, man hätte dort so einen schönen Rundblick und könnte sogar zum Mörike hinter winken. (Früher haben sich der Kurz und der Mörike oft geschrieben, aber ohne Schuld von beiden ist der Briefwechsel eingeschlafen und jetzt war der Kurz so froh, dass er mit dem junge Heyse wieder so einen guten Briefkontakt gehabt hat.) Auch die Kaiserberge hat man von dieser Höhe gesehen: den Staufen, den Rechberg und den Stuifen. Und auf der andere Seite sieht man einen Berg hinterm anderen bis zum Hohenzollern! Einmal ist die Josephine tatsächlich mit hinauf und war begeistert. Aber beim Rundersteigen haben der Fina ihre Füße nicht mehr können und sie hat den Hunger noch mehr gespürt. Acht hungrige Mägen alle Tag stopfen, möglichst ohne Geld, wie soll auch das gehen? Der Dichter hat oft Sprüche von seiner Reutlinger Kenngottdote erzählt und wie die ihn zum Spare angehalten hat, weil er als Kind auch so verschwenderisch gewesen sein soll, wie seine zwei großen Buben, der Edgar und der Alfred (A).

Zwei Novellen hat der Hermann in der schlimmen Kirchheimer Zeit geschrieben: "Sankt Urbans Krug", wo man sieht, dass sein Humor, trotz allem Unglück, aller Not und seinem Nervenleiden noch lebt und das verhängnisvolle Märchen, das grad wie "Sankt Urbans Flasche" in einem Münchner Blättle erschienen ist, aber von dem hat man später kein Exemplar mehr gefunden und auch der Paul Heyse beim Herausgeben von den gesammelten Werken hat keines ausfindig machen können (A).

Die Sorgen sind in Kirchheim immer noch größer geworden. Die Leute haben auch geschwätzt, dass der Hermann mehr schaffen könnte, wenn er jetzt Geld von der Schillerstiftung kriege täte, aber die haben ja nicht gewusst, dass der Hermann wegen seine Depression alle Jahr zwei bis drei Monate nicht hat schaffen können! Drum war er dann, wenn er hat endlich wieder schaffen könne, auch gleich wieder vollkommen fertig, weil er gemeint hat, jetzt müsse er die Krankheitswochen wieder nachschaffen! Schon seit fünf Jahren ist das so gegangen. Deshalb auch ist seine Marie in Kirchheim so resigniert gewesen. Sie hat oft gewünscht, dass doch der Blitz bei ihnen einschlagen sollte, dass die ganze Familie geschwind sterben könnte. An es Auswandern hat man auch oft gedacht. Es sind ja damals viele Leute nach Amerika. Aber den Gedanke hat die Marie dann doch immer wieder verdrängt, weil man ja das Geld für die Überfahrt nie zusammen gebracht hätte.

Der Freund vom Hermann, der Rudolf Kausler hat sich die Pfarrei in Wendlingen, die vakant war, angesehen, um vielleicht mit seiner Nichte, der Marie ihrer Herzensfreundin Marie Caspert dorthin zu ziehen. Das ist aber nichts geworden. Auch die Tante Mohr aus Mühlheim am Bach hat mit ihrem Pfarrersmann überlegt, ob sie nicht in die Nähe von Kirchheim sich versetzen lassen wollten, was sich aber auch wieder zerschlagen hat. So haben Kurzens halt immer wieder träumt von einer Übersiedlung nach München, wo es mehr geistige Anregung gegeben hätte. Der Heyse hat ja auch immer wieder so verführerisch geschrieben.

Die Münchenreise im Mai 1863

Während dem Umzug in die Mettingerstraße ist der Hermann dann endlich vier Wochen in München gewesen beim Paul Heyse, der ihn so dringend eingeladen hat. Der Kurz hat ihm von seinem Antrag vom Verleger Kröner in Stuttgart erzählt, der ihm die Herausgabe von einem Volkskalender angetragen hat, wo der Heyse mithelfen wollte. Der Neureuther, der Illustrator vom Goethe, hätte die Bilder dazu machen sollen, was aber wegen dem nicht zustande gekommen ist. Jetzt haben die Freunde in München beschlossen, dass sie einen deutschen Novellenschatz miteinander herausgeben wollen, der Riehl und der Neureuther haben auch mitgemacht. Die Freunde, Heyse, Herz und der Maler Fries sind hinterm Kurz her gewesen, er soll doch mit seiner Familie nach München ziehen, aber erstens haben die Miete in München hundert Gulden mehr gekostet wie in Kirchheim und zweitens hat der Hermann gemerkt, dass ihm das Münchner Klima gar nicht gut tue. Der Heyse ist mit ihm an den Starnberger See hinter gefahren, auch haben sie Waldromantik genossen und sind alle Abend bis über Mitternacht beim Bier im Bock gesessen, sodass weder der Kurz noch der Heyse wegen Schlaflosigkeit wie sonst haben jammern können, aber der Föhn in München hat dem Kurz überhaupt nicht gut getan. Das hat er gemerkt. Seine Kirchheimer Albberge haben ihm gefehlt. Wenn man die gute Kirchheimer Luft und das anregend Leben von München hätte mische können, den Sommer an der Teck und den Winter an der Isar verbringe, das wäre auch für Kurzens Kinder und ihre Bildung gut gewesen. Aber das ist ja nicht gegangen. So hat jetzt auch die Marie gemerkt, dass ihr Traum von einem Umzug nach München ausgeträumt war. Der Heyse hat zwar weiter gedrängt, denn die Freundschaft haben beide gebraucht. Auch hat man wegen der Kinder in Kirchheim weiter Aufregungen gehabt, "der Edgar ist kopfüber in einen sumpfige Graben im Garten gefallen, wo man ihn bewusstlos heraus gezogen hat und der dicke Butzel ist in die Lauter gefallen und hat müssen von einem Schäferburschen heraus gezogen werden." Aber von einem Umzug nach München hat niemand mehr gesprochen. Die Marie ist mit ihrem Hermann viel auf der Alb gewandert, damit dem seine Nerven sich wieder beruhigt haben.

Die Marie hat ihrer Freundin in einem Brief von der Münchenreise ausführlich geschrieben. Am Schluß schreibt sie noch: "Er hat sein Ebenbild nicht in der Pinakothek finden können, den Bachuszechmeister nämlich..."

Ein Pöstle in Sicht

"Nicht immer ist der Zwiespalt sichtbar, der zwischen dem inneren Leben und der äußeren Berufstreue eines Mannes klaffen kann, und es mag wohl auch vorkommen, dass Sauer und Süß aus einem Brunnen quillt."

Hermann Kurz

Schon in Stuttgart ist von seinen Bekannten an den Kurz die Aufforderung gekommen, er soll sich doch als königlicher Bibliothekar dort bewerben. Er müsste ja dort gar nichts tun. Es wäre bloß der Form halber, und dass er das Gehalt bekommt. Aber dort haben die Freunde nicht mit dem Kurz seinem Stolz gerechnet. Er war empört über den Vorschlag. Jetzt im Spätsommer 1863, wo es ihm und seiner Familie in Kirchheim ganz dreckig gegangen ist und sie Hunger gelitten haben und die demokratisch Partei ihren Freund Kurz gedrängt hat, sich doch um die freigewordene Stelle als Unterbibliothekar in Tübingen zu bewerben, dort war es was anderes, denn der demokratische Minister Golther und auch dem Hermann seine Parteigenossen, u. a. auch der Prof. Adelbert Keller, der in der Bibliothekskommission war, haben die Sache unterstützt. So hat der Hermann mit der Marie überlegt, dass eine Versetzung in die Universitätsstadt auch für die Familie gut wär, weil ihre Kinder dort andere Möglichkeiten hätten etwas Rechtes zu lernen, wie in Kirchheim. Beim Bewerbungsschreiben hat müssen der 50jährige Hermann seine Fähigkeiten als Bibliothekar hervor zu heben, was ihn schon gedrückt hat, denn dort hat er nicht gewusst, was er schreiben soll. Er hat sich aber trotzdem kurz und sachlich beim König selber um die Stelle in Tübingen beworben. Dann ist er nah Tübingen gefahren, hat sich die Sache angeguckt und sich mit dem Oberbibliothekar Roth unterhalten. Nach dem Gespräch hat er aber wenig Hoffnung gehabt, obgleich der Karle Klüpfel, dem Gustav Schwab sein Schwiegersohn, der bis jetzt Unterbibliothekar gewesen und gerade zum Bibliothekar befördert geworden ist ihm Mut gemacht hat. - Es waren dreizehn Bewerber da, unter diesen war auch der Marie ihr ehemaliger Jugendfreund Adolf Bacmeister, den die Bibliothek lieber genommen hätte, weil der als arger Schaffer bekannt war, doch hat der Bacmeister seine Bewerbung wieder zurück gezogen, wie er gehört hat, dass sich auch der Hermann Kurz um die Stell beworben hätte, dem es ja mit seiner Familie so schlecht gehen täte. Doch es waren ja immer noch zu viele Bewerber dort, vor allem den 26-jährige Dietrich Kerler hätte der Oberbibliothekar Roth am liebsten gehabt, weil der die schönste Handschrift gehabt habe. Den Holder aus Rastatt oder auch den Prof. Frauer aus Schaffhausen, der auch nicht mehr der Jüngste war, die hätte der Dr. Roth auch mehr bevorzugt, denn der Prof. Frauer habe schon in seiner Bewerbung geschrieben, dass er auf Zulagen verzichten könnte und ihm das niedrige Gehalt langen täte, denn seine Familie habe ja ein Auskommen (A).

Wochenlang hat der Kurz keine Antwort bekommen, denn die Verhandlungen sind zwischen der Bibliothek, dem Senat und dem Ministerium hin und her gegangen. Dann waren die Herren alle in der Vakanz und der Kurz hat erfahre, dass man auf die Stelle bloß einen junge Herren setzen wollte. Der Oktober und fast der ganze November sind vergangen und Kurzens haben gewusst, dass sie ja immer Pech gehabt haben und diesmal bestimmt auch wieder bloß eine Absage bekommen täten. Aber der Minister Golther hat sich schließlich doch durchgesetzt gegen den Oberbibliothekar und den Senat. So ist endlich, am 28. November ein königliches Schreiben an den Schriftsteller Hermann Kurz in Kirchheim u. T. gekommen. Der Hermann hat es gar nicht gleich aufmachen wollen: "Jetzt kommt die Absage," hat er gesagt und den Kopf auf den Tisch gelegt. Seine Marie hat versucht ihn zu trösten, auch sie hat gemeint, es kann ja bloß eine Absage sein, aber ihre Neugierde hat es nicht erwarten können. Sie hat den Hermann geschüttelt und zu ihm gesagt: "Mach doch das Schreibe wenigstens auf, dann wissen mir genau was darin steht." Also hat der Hermann schließlich das Sigel gebrochen, den Brief aufgemacht und beide haben gelesen. Aber was ist in dem Schreibe gestanden?

Einstellungsbescheid das königlichen Oberbibliothekariats der Universität Tübingen:

"Vermöge höchster Entschließung vom 24. des Monats haben seine Königliche Majestät auf die erledigte Stelle eines zweiten Unterbibliothekars an der Universitätsbibliothek mit dem etatmäßigen Gehalt von 900 fl (Gulden) den Schriftsteller Hermann Kurz in Kirchheim u.T. gnädigst ernannt. Hiervon werden Euer Wohlgeboren mit dem Anfügen in Kenntnis gesetzt, dass sie in das Ihnen übertragene Amt unverzüglich einzutreten haben..."

Der Hermann hat seinen Mund nicht mehr zu gebracht und war wie gelähmt. Aber das Temperament von seiner Pythia, wie der Kurz dem Heyse gegenüber seine Marie genannt hat, ist mit der wieder einmal durchgegangen. Sie hat ihren Mann in den Arm genommen und gedrückt wie schon lange nicht mehr! Dann ist sie durchs ganze Haus, hat der Fina und den Kinder zugejubelt: "Hurra, was saget ihr auch, mir gehen nach Tübingen und sogar bald. Der Vater ist jetzt Universitätsbibliothekar. Jetzt gehören wir zu den noblen Leuten!" - Es war nicht viel Zeit zum Jubeln. Der Hermann hat ja schon am 2. Dezember seine Stelle in Tübingen antreten müssen. Bloß einen neuen Hut hat er sich noch gekauft. Seine Marie ist aufgeregt gewesen und hat Tag und Nacht Hosen für die Buben genäht aus dem Hermann seinen alten Hosen und auch Kleidle für die Isolde. Das Sofa hat sie neu überzogen und auch die sechs Polsterstühle. Die Fina war ganz erstaunt, was die Marie alles auf einmal fertig gebracht hat. Nebenher hat sie ja noch jede Menge Briefe geschrieben und allen Bekannten die Mitteilung gemacht. Weil die Marie doch auch nicht mit diesen alten Lumpen in Tübingen hat mehr herumlaufen können, ist die Marie Hopf von Eßlingen herauf gekommen und hat der ihre Kleider in Ordnung gebracht. Tag und Nacht haben sie genäht. Die Fina hat alle Möbel geschrubbt und ihr Kochgeschirr blank geputzt. Den Möbelwagen hat man in Nürtingen bestellt. Gottlob ist bald auch wieder die gut Tante Bertha von Eßlingen über den Umzug gekommen und hat geholfen. Eine ganze Kutsche voll Obereßlinger ist mit der herauf gekommen, um sich von Kurzens zu verabschieden. Auf einmal sind die Kirchheimer auch alle nett gewesen zu der Familie. Die Kinder haben Schelte kriegt von ihre Eltern, wenn sie wieder Steine nach diesen Heidenkindern haben werfen wollen. In der Schule hat der Lehrer den Kindern erzählt, was die Kurzschen Buben jetzt in der Universitätsstadt alles machen können. Die brauchen keine Studentenbude suchen, wenn sie studieren wollen und müssen auch nicht ins Stift.

Schon am 2. Dezember hat der Hermann seine neue Stell oben auf dem Schloss antgetreten. Von den Kollege ist er freundlich empfange worden, bloß der Oberbibliothekar Roth war zurückhaltend. Vor allem das Rechnungswesen und den Schriftverkehr hat der Hermann machen müssen, aber ob das ein Schriftsteller gewissenhaft machen täte, da war der Oberbibliothekar nicht so sicher. Doch still und bescheiden wie er war, habe der Kurz sei Arbeit gemacht, denn übergewissenhaft ist er ja immer gewesen, das weiß man auch von seinen Recherchen, die er für seine geschichtlichen Schriften betrieben hat.

Beim Geschichtsprofessor Bernhard Kugler, dem Paul Heyse seinem Schwager ist der Hermann gleich am erste Tag gewesen und der hat ihm beim Einleben geholfen und habe ihn sogar gleich mit in seine Kegelgesellschaft hinter der Schlossküferei mitgenommen. Der Hermann ist dort dabei wieder richtig jung geworden. Fröhlich ist er durchs Städtle gelaufen und hat freundlich nach allen Seiten gegrüßt und in der ersten Woche 60 Antrittsbesuche gemacht. Er hat ja gewusst, dass sei Marie so was gar nicht mag und wollt fertig sei, bevor die ganz Bagage nachkommt. Natürlich hat er eine Wohnung suchen müssen, denn noch vor Weihnachten haben ja die Seinen kommen wollen. In einem ganz neuen Haus, neben dem "Gasthof zur Eisenbahn" in der Karlstraße, hat er bald eine Mansardenwohnung gefunden, allerdings so teuer wie eine Wohnung in München, nämlich 188 Gulden, also hundert Gulden mehr als in Kirchheim, aber es war schön da oben und sie hat eine herrliche weite Sicht ins Grüne gehabt.

Tübingen

Auf der blumenreichen Aue, in dem klaren Morgentaue
Geh'n die Lämmlein silberhell,
Fischlein spielen, schnelle Fischlein lustig spielen
Hin und her auf kühler Well'.

Käm mein Lieb als Lamm gegangen, zög ich es hinter mir
gefangen, wohl an einem roten Band.
Wollt es fischen, mit der gold'nen Angel fischen,
Schwämm es ein schneller Fisch ans Land.

Auf dem Berge tu' ich stehen und ins Tal hernieder sehen
Nach dem schönen Angesicht.
Lämmlein seh ich, Well' auf Welle drunten seh' ich,
aber meine Liebste nicht.

Berg und Tal in heißen Flammen, finden sich doch nie
zusammen, denn sie stehen gar zu weit.
Doch zwei Herzen, doch zwei heißverliebte Herzen
Sind beisammen allezeit.

Hermann Kurz
(Melodie mit Klavierbegleitung von Friedrich Silcher)

hermann Kurz Friedrich Silcher

Ob das wohl allen Leuten so geht? In der Erinnerung waren für die Marie die 14 Jahre in Tübingen eine wunderschöne Zeit. Über ihre Sorge von damals hat sie im Alter selber lachen müssen. Natürlich der Balde, ja welcher immer so schwer krank geworden ist und sie hat nicht fort können, das war arg, aber sonst waren die Kindle doch bloß lieb, schreibt sie 30 Jahr später in ihren Tagebücher rückblickend.

Die schöne große Wanderunge, wo man von Tübingen aus hat mache könne, hat sie in schönster Erinnerung. Weit ist man damals gelaufen, im Gegensatz zu heute. Es hat ja schon die Bahn gegeben, aber das Fahrgeld bis Reutlingen hinüber, da hat man können sparen, wenn man bis Kirchenfurt gelaufen ist, was man oft getan hat. Mit und ohne Besuch ist man über den Berg nach Bebehausen, ins Waldhörnle oder zum Bläsibad, nach Schwärzloch hinauf oder ins Weilheimer Kneiple, auf die Wurmlinger und Belsener Kapelle oder über Rottenburg nach Bad Niedernau, wo ja damals für die Studenten immer Etwas los war. Ja, bis nach Bad Imnau und Haigerloch ist man gelaufen. Der Hermann hat sich oben zwischen seinen Büchern im Schloss wohl gefühlt. Er ist in seiner Universitätsbibliothek von neun Uhr morgens bis mittags um vier Uhr gestanden. In der Mittagspause hat ihm seine Marie in einem Körble eine Fleischbrühe und Gerstenschleim gebracht. Für sie war das ein heiliges Stündle, wenn sie allein bei ihrem Dichtermann hat sein dürfen. Er hat ihr die neueste Bücher gezeigt und sie hat es dürfen mitnehmen und vor den Professoren lesen. Aber er hat immer gesagt, dass sie arg aufpassen müsse, dass kein Fleck hin kommt oder es nicht verloren geht. Er hat sein geniales Weible schon gut gekannt!

Bläsibad

Wenn der Hermann seine Arbeit rechtzeitig fertig gehabt hat, hat er in seinem Pult unter den Rechnungen irgend ein Manuskript hervor geholt und hat können seinem eigentliche Beruf nachgehen. Mittags um viere beim Heimweg hat er gern einen Umweg gemacht, dass er nicht hat so viel schwätzen müsse. Man hat sich ja bald gekannt in dem Städtle mit diesen achttausend Einwohnern. Oft war auf der Neckarbrücke etwas los, entweder ist man wegen diesen vielen Fuhrwerken nicht vorbeigekommen, oder sind die Studenten übers Geländer gehängt und haben hinunter geschrien: "Jockele sperr, Jockele sperr." Dann hat man gewusst, es sind wieder Flößer vom Schwarzwald herunter gekommen, die man veräppelt hat.

Geld war immer noch knapp, obwohl der Hermann ja einen Verdienst gehabt hat. Die Josephine und die Marie haben oft bloß einen leeren Kaffee getrunken, das haben die Kinder noch gar nicht so mitbekommen. Bloß der Oberlausbube, der gutmütige Alfred, der hat es bald gemerkt und am Abend oft seine halbe Wurst der Fina zugesteckt, weil die ja vom Schaffen gewiss einen anderen Hunger bekommen haben muss, wie seine Mutter beim Schulmeistern.

Wie sie im Dezember 1863 nach Tübingen gekommen sind, waren die fünf Kinder zwischen drei und zehn Jahren alt. Beim Einzug war in der neuen Wohnung die Speisekammer so voll, wie es die Josephine seit der Marie ihre Kindertagen nicht mehr gesehen haben: Würste sind an Schnüren gehängt, Äpfel, Schnitze, Zwetschgen hat es gegeben, Reis, Zucker, Mehl, Kaffee, Butterballen, Milchkrüge, alles was man denken kann! Sogar ein neues Sofa wäre in der Stube gestanden! - Und wer war der gute Geist? Es war eine Jugendfreundin von der Marie ihrer Mutter, die Kriegsministerin Miller, die ihrem verwitwete Schwiegersohn, dem Professor Roemer den Haushalt geführt hat. Der war ausgerechnet der Sohn vom radikalen Märzminister Roemer, der in der "Württembergischen Zeitung" so gegen die Redaktion vom "Beobachter", also gegen den Hermann gehetzt gehabt hat und der den Hermann sogar einmal zu einem Duell mit dem Degen öffentlich aufgefordert hat. Der Hermann war ja kein Corpsstudent und hätte deshalb gesagt, er mach so was bloß mit dem Revolver auf fünf Fuß Entfernung, aber das hätte der Raufbold Roemer noch doch nicht mehr wollen.

Die schöne volle Speisekammer hat aber schnell die Schwindsucht bekommen, denn im Lauf der nächsten Jahre hat die Fina für acht größere Personen immer mehr zum Essen gebraucht. Für die Marie Kurz haben die Sorgen schon zum Leben gehört, wenn se keine gehabt hat, dann hat sie sich welche gesucht. Der Kurz hat dem Heyse manchmal in seinen Briefen humorvoll vorgejammert und hat seine Frau dort immer als Pythia bezeichnet (A). Ob sie das gewusst hat? Wohl kaum, sonst hätte sie gewiss in einem Brief an ihre Freundin einmal Etwas vermerkt, aber do steht des Wort Pythia nirgends. Die Pythia war ja die weissagende Priesterin des Orakels zu Delphi. Gepasst hat der Ausdruck schon zur Marie. Wie oft ist sie auf dem Hockerle gesessen, hat ihre Hände in den Schoß gelegt und mit ihren großen dunklen Augen unheilschwanger vor sich hin gestarrt. Sie war ein tiefes Wasser und niemand hat geahnt, was sie schon wieder im Voraus sieht. Sie hat wohl einen siebten Sinn gehabt! Im selben Moment aber, wo se so taub da gehockt ist, hat sie auch können wieder quietschvergnügt blitzschnell hochspringen und war himmelhochjauchzend, um dann gleich wieder, wie ein Luftballon zusammen zu schnurren. Der Paul Heyse, in den sie ja neben ihrem Mann mehrere Johr saumäßig verknallt war, (sie schwärmt wie ein Backfisch in ihren Briefen an ihr Freundin für ihn) bezeichnet sie deswegen als Luftballon. Ein großer Schriftwechsel zwischen dem Kurz und dem Heyse liegt in München. Erst aus dem Hermann seine Brief merkt man eigentlich, was der doch für einen sonnigen Humor gehabt hat! Der Briefwechsel von ihm mit dem Mörike kann man ja in einem Buch lesen (A), aber die an den Heyse leider noch nicht, die lieget in München. Abschriften von etlichen Briefen hat das Kurz-Bäsle, die Heidi Stelzer-Kurtz, für es Reutlinger Stadtarchiv gemacht. In diesen Briefen schreibt ein anderes Mal der Hermann seinem jungen Dichterfreund: "...Wenn ich nur auch wüsste, welcher Macht ich die arme Pythia übergeben soll. Die gute, unkluge Seele sorgt sich aus purem Gewohnheitslaster immer noch zu tot: denn gerade wo es vernünftigerweise nichts mehr zu sorgen gibt, da beginnt sie erst recht mit Todesverachtung zu sorgen". Wenn sie so gejammert hat, war die Isolde die einzige von der Familie, welche sie wieder habe umstimmen können, meint die, die Josephine mit ihrer Bassstimme, die hätte der Marie ihr Gejammer ja noch unterstützt. Die zwei laufende Tagebücher, von denen vier Jahre in der Tübinger Zeit vom Juni 1866 bis zum Mai 1870 enthalte immer wieder neue Sorgen von der Marie, vor allem um ihre Kinder oder au um die große Politik mit einer furchtbare Angst, dass ihre Buben sicher auch einmal unter die Pickelhaube müssten. Aber die Marie macht sich auch Sorgen um kranke Leute im Städtle, wenn z. B. wieder einmal ein Kind unter ein Fuhrwerk gekommen ist, oder wie der Apotheker John gestorben ist und wer sich als Nachfolger interessiert hat (A); ja, sogar für die Juden im Ausland setzt sie sich ein (A). Aber ihre Hauptsorge gilt immer zuerst ihrem Dichtermann und dem kranken Garibaldi. Zwischendurch philosophiert sie auch oder schwärmt von Bücher, wo sie gerade gelesen hat und ist begeistert von denen viele internationalen Studenten, wo bei ihr aus und ein gegangen sind. Ja, junge Leute hat sie um sich gebraucht, die haben ihren Schwung immer wieder beflügelt.

Hermann Kurz Ernst Kurz, modelliert von Erwin, Kinder Spendenaufruf für die Juden in Russland

Ihre Verwandte, die Familie Silcher hat sie wohl auch besucht, aber keinen näheren Kontakt gepflegt. Der Onkel Friedrich ist ja schon 1860, also drei Jahre vor Kurzens ihrer Tübinger Zeit 71jährig gestorben gewesen, jetzt war der Scherzer Universitätsmusikdirektor, die Louise Silcher, geb. Enslin war alt, ihre Kinder Carl, Luise und Julie haben noch gelebt und waren ungefähr in der Marie ihrem Alter, aber die waren verheiratet und haben nicht mehr in Tübingen gewohnt. Der Carl ist Pfarrer geworden, die Julie war mit einem Pfarrer Gustav Günzler verheiratet und die musikalisch Luis ist die Frau von einem Amtmann Adolf Hecker geworden. Silchers haben ja gegenüber vom Museum in der Wilhelmstraße ihr Haus gehabt. Der Hermann hat seinen Onkel vielleicht schon in Maulbronn enttäuscht. Wegen dem hat er dort Kontrabass gelernt, weil der Silcher in seinem Tübinger Orchester keinen gehabt hat. Aber der Lausbub von Hermann, wie der gemerkt hat, dass sein Musiklehrer das absolute Gehör hat, habe der seinen Bass immer um einen halben Ton anders gestimmt, das ganze Orchester hätte sich danach richten müssen und der Lehrer wäre fuchsteufelswild geworden, weil es ja nicht gestimmt hat. Als Neffe vom Silcher seiner Frau ist der Hermann aber in seiner Stiftszeit trotzdem oft zu den Silchers gekommen und hat auch dem Onkel Fritz Quellen von ausländischen Melodien erschlossen, wo er den Text übersetzt hat. Er hat auch zu ausländischen Melodien einen Text unterlegt. Das hat ihm der Onkel Silcher hoch angerechnet, weil der gewusst hätte, wie schwer so etwas ist. Der Hermann war aber so bescheiden, dass er unter seinen Texten oft nicht einmal seinen Namen geschrieben hat. Der Kurz hat zum Kontrabass auch noch Flöten spielen gelehrt, denn er war schon musikalisch und hat die Musik gebraucht, im Gegensatz zu seiner unmusikalische Frau. Bloß, wie schon gesagt, das Klaviergeklimper um ihn herum, wenn er seinen Geist gebraucht hat, das hat ihn so narret mache können, dass er auf die "Klavierbestie" geflucht hat und die Familie im Echo mit. Seine Isolde hätte gewiss auch ein Instrument lernen können, aber das ist gar nie zur Diskussion gestanden, weil ja ihr Mutter als Kind die Klavierstunde geschmissen hat.

Zum Prof. Adelbert Keller und seiner Familie ist die Marie gerne gegangen. (Im 73er Jahr nach der Uhlandfeier, hat der bei den Studenten bloß der "zopfige Adelbert" geheißen, weil er verhindert hat, dass der 'b#Herwegh zu der Feier eingeladen worden ist. Der Keller hätte nämlich damals gesagt, dass der Herwegh ein zu unsittlicher Mensch wäre.) Immer öfter ist die Marie zur Witwe Uhland hinauf. Die hat damals gerade an dn Lebenserinnerungen über ihren Mann geschrieben: "Eine Gabe für Freunde" mit der Widmung für den Mörike (A). Sie schreibt dort auch von ihrem Mann, wie er im Neckar und auch im Bodensee bei 11 Grad und noch weniger gebadet hätte. Es sind auch Briefauszüge in dem Buch drin, wo der Ludwig seiner Frau genau schreibt, welche Obstsorte sie pflanzen solle und wo sie diese am besten kauft, nämlich die Lederäpfel und die Bödigheimer vom Einsiedel und nicht vom warmen Unterland, usw. Es haben ja dürfen auch bloß niedere Obstsorten sein, weil der Uhland so arg kurzsichtig gewesen ist.

A stadtbekannte Persönlichkeit, die aber ein arges Klatschweib gewesen sein soll, die Ottilie Wildermuth hat bloß der Hermann besucht. Die Marie meint ja in einem Brief, dass sie mit dieser gewiss gleich Händel bekommen täte. Sie waren als Hausfrauen und auch politisch und religiös ja so grundverschieden wie man nur sein kann.

Am Allerliebsten ist die Marie aber zum alten Justizrat Karl Mayer, dem Busenfreund vom Uhland gegangen, der vis á vis von der Ottilie in der Gartenstraße gewohnt hat und der so schön die Natur besungen hat (A) und sich, obgleich er ja von Waiblingen gekommen ist, furchtbar verkämpft hat, dass in dem alten Tübingen nichts Modernes gebaut wird. Vor der Begradigung vom Neckar verkämpft er sich in dem schöne Gedicht:

"Ihr Türme habt, ihr ernsten Mauern,
Jahrhunderte den Fluß erblickt.
Ich seh mit schmerzlichem Bedauern,
Zu welchem Werke man sich schickt.

Zerstörung droht. Es wird entrissen
Sein Herzensbild dem hellen Fluß;
Ihr sollt, entformte Steine, missen
Hinfort den schönen Wellenkuß!

Ehrwürd'ge Laute, schweigt, ihr Glocken!
Verhalle, Ruf der grauen Stadt!
Sie schlägt ihr alt Gepräg in Brocken,
Macht sich zum Flecken, eitel, platt..."

Karl Mayer

Vor allem mit der jüngsten Tochter, mit der Emilie hat es die Marie gut können. Nachdem der Karl Mayer im Februar 1870, 84jährig gestorben ist, war die Marie die erste, welche dem im schwarz umwundenen Lorbeerkranz gebracht hat. Viel ausführlicher wie die Ottilie Wildermuth schreibt die Marie Kurz von dem schrecklichen Unfall vom Enkel Louis, der gerade vor einem Leichenzug vom Balkon in der Gartenstraße herunter gefallen ist und sich neun Wirbel gebrochen hat! Das war damals ein Stadtgespräch. Die Marie meint, bloß ein Professor Bruns hätte das fertiggebracht und die Wirbel wieder eingerichtet, ohne Röntgenapparat, den es ja damals noch gar nicht gegeben hat. Aber erst nach vielen Wochen, wo der Bub furchtbare Schmerze gehabt hat, haben die Doktors wieder Hoffnung auf eine Genesung machen können!

Dieses Tübingen war ja damals gar nicht schön und vor allem furchtbar dreckig, wie es viele Dichter schon beschriebe haben. Wenn der Hermann morgens von seinem vornehme Haus in der Neckarvorstadt zum Schloss hinauf gelaufen ist, hat er nicht bloß durch den vielen Mist laufen müssen, sondern aufpassen, dass er keine Ladung von einem Nachtgeschirr auf den Kopf bekommen hat. Auch der Krieg zwischen der oberen und der unteren Stadt muss damals gefürchtet gewesen sein. Kein Universitätsangehöriger könnte ungefährdet durch die untere Stadt laufen, meint die Marie. Einmal ist die Familie von einem Spaziergang gekommen und durch die "Gogerei" gelaufen, do hätte doch so ein Bürschle dem Butzel, der am Edgar seiner Hand war, eines auf de Kopf geschlagen. Der Edgar ist mit seinem Stecken hinter dem Lausbub her und hat dem wieder eine gegeben. Aber jetzt wäret von überall Leute zusammengelaufen und hätten ein Geschrei und eine Schimpferei vollführt, dass die Marie schleunigst gemacht hat, dass sie mit ihre Kinder aus dem unteren Stadtviertel noch lebendig herausgekommen ist. Sie hätte am ganzen Leib gezittert, schreibt sie.

Auch wenn nicht viel Geld da war, die viele Wirtschäftle haben alle ihren Umsatz gemacht, denn die Herren und auch Frauen, wie die Marie sind sie abends oft dort lange gesessen und haben diskutiert und politisiert. Ins "Sommertheater", im Henneschen Garten, die Isolde schreibt von der "Tübinger Schmiere," des war im Wirtsgarten bei der Marquardtei, da hat die Josephine mit einem Kind auch hin dürfen, wenn sie gerade einen Klassiker gespielt haben. Es soll unter seinem Direktor Carl Urban nicht schlecht gewesen sein. Ins Konzert sind Kurzens nie, die Isolde hat so Etwas erst im Alter genossen. Aber es waren dort auch große politische Volksversammlungen mit sehr viel Teilnehmer, dort ist die Marie und sogar ihr Hermann mit alle Kinder hin. Auch Vorträge in der Uni, wenn sie noch so langweilig waren, diese hat man mitgenommen, wegen denen ist die Marie sogar bis Reutlengen gefahren und hat dann bei ihrer Freundin Marie genächtigt. Es muss eine dicke Freundschaft gewesen sein zwischen Finckhs und Kurzens. Von dem Hermann seiner Heimatstadt Reutlingen, kann man in dem seine Bücher lesen.(A.) Das lohnt sich heute noch! Die Kinder von Kurzens haben manche Ferientage dort verbringe dürfen. Die Marie Knapp geb. Finckh, die Leiterin von der Frauenarbeitsschule, war auch ein gescheites Haus. Ihr Mann ist ja leider so arg bald schon gestorben. Vielleicht ist auch deswegen die Freundschaft mit Kurzens so eng geworden? Der Vater Finckh war Doktor in Reutlingen. -

Zu einigen bedeutenden Professoren haben Kurzens einen guten Kontakt gehabt. Vor allem zu den alten Parteigenossen wie die Professoren Kelle, Hegelmaier, Schäffle, Fricker, Mandry, Holland, Strecker, Teuffel, Brinz (A) und wie schon geschrieben vor allem eben zum alten Justizrat dem Karl Mayer, später auch noch zu etlichen anderen Professorenfamilien, wie zu Liebermeisters und auch zu Säxingers, dem Gynäkolog im Altklinikum am Neckar, bei dem der Edgar später Assistenzarzt worden ist. Man hat natürlich auch mit etlichen Lehrern, vor allem mit einem Lehrer Zeyher, der den Erwin so mögen hat und mit einem Hausarzt, dem Doktor Gärtner (A) und denen ihren Familie Freundschaften geschlossen.(A.) Mit dem Hermann seinem Vorgesetzten, dem strengen Prof. Dr. Rudolph Roth und auch mit Leuten, welche eben zur anderen Partei gehört haben, haben Kurzens den Kontakt nicht übers Geschäftliche hinaus gepflegt. Mit seinen Kollegen in der Bibliothek (A) und mit deren Familie, vor allem mit dem Karle Klüpfel, dem Schwiegersoh' vom Guschtav Schwab, der dem Hermann am Anfang so viel geholfen hat, hat man schon guten Kontakt gehabt. Allerdings zum Klüpfel seiner so gescheiten Frau hat die Marie keinen so guten Draht bekommen. Die ist auch als brave Pfarrerstochter in Gomaringen ganz anders erzogen worden (A) wie die Marie von Brunnow, das einzige Kind von unchristlichen Eltern!

Aber ihr Freundinnen, die Marie Caspert und die Marie Klüpfel, die haben sich sehr mögen. Die Marie Caspert ist nicht bloß wegen Kurzens so gern und oft in Tübingen gewesen , sondern wegen diesen Klüpfels. Mit dem Geschichtsforscher, dem Prof. Kugler hat der Hermann von Anfang an den Verkehr gepflegt, schon, weil dem seine Tochter Margret mit seinem Dichterfreund Paul Heyse verheiratet gewesen ist. Beim Hermann heißt der ja meist bloß der Kegel-Kugler, weil der ihn mitgenommen hat in seine Kegelgesellschaft hinter der Schlossküferei. Eine ganz enge Freundschaft hat die Marie mit einem Prof. Strecker seiner Lina gehabt . Die Lina und die Marie waren ein Herz und eine Seele.

Im Haus in der Karlstrasse 13 haben unter ihnen zwei Professorenfamilien gewohnt. Im erste Stock der Prof. Sigwart und direkt unter ihnen Hegelmai(e)rs, mit denen Kurzens sehr gut gestanden sind. Kurzens Wohnung war ganz oben. Drei mal 20 Treppen hat die Josephine die Körbe hinauf tragen müssen. Es war eng dort oben und hat auch bloß kleine Fenster gehabt und schräge Wände. Aber eine Dachterrasse war da, wo man hat die Wäsche aufhängen können und die Fina ihren Peterling und Schnittlauch und oft noch ein paar Stockhäfen mit Blumen hat ziehen können.

Karlstrasse 13 (Epple-Haus)

Man hat von dort oben die Stiftskirche gesehen und vor allem die schönen Gärten zum Österberg hinauf. Neben ihnen war ja des "Gasthaus zur Eisenbahn", auch so ein wuchtiges Gebäude. Das hat ihnen viel Licht weggenommen, aber man hat doch auf die Steinlach und zu den Schießständen auf den große Exerzierplatz dahinter hinunter gucken können, wo die Kinder gespielt haben. Hinten ist die Steinlach vorbeigelaufen mit einem großen Kiesbett, das war schön für die Kinder, vor allem die Isolde hat dort viel gespielt und gebadet. Wenn die Steinlach Hochwasser gehabt hat im Frühjahr und die Kinder draußen waren, hat die Marie ernsthafte Gründe gehabt sich zu sorgen. Ganz entzückt war sie immer wieder von dem schönen weiten Blick ins Neckar- und ins Steinlachtal mit der Alb dahinter. Wie oft ist sie am Abend am Fenster gesessen, hat dem Balde etwas vorgelesen und an der spannendsten Stelle aufgehört und hat gerufen: "Kinder, Fina gucket auch, was heute wieder für ein schöner Sonnenuntergang ist!" Wie ein Feuerball ist die Sonne über dem Spitzberg untergegangen, der Himmel hat alle Register von Rot gezogen mit kleine graue Schleier da drinnen, die Bäume im Neckartal haben geleuchtet, es war eine Pracht, bis es langsam immer dunkler geworden ist. Der Abendstern ist erschienen und die Josephine hat die Laterne angezündet.

So schön wie es auch dort oben war und so gern wie sie in der Karlstaße gewohnt haben, der wüsche und geizige Hausbesitzer, der Zimmerer Letsche, der hat dem Hermann und der Marie die schöne Wohnung immer mehr verleidet. Schließlich sind die Kurzkinder keine so brave Lämmle gewesen und haben halt oft im Treppenhaus getobt. Die Wände haben auch Kratzer bekommen, und wenn der Edgar und der Alfred tot Viecher in die Wohnung hinauf getragen haben, um sie zu sezieren, oder schon wenn sie bloß mit ihren Dreckstiefeln die Treppe hinauf sind und der Letsche hat das gesehen, dann hat der getobt! Vor allem haben Kurzens auch die Miete nicht immer gleich am ersten zahlen können, weil halt einfach keine Geld da war und das war es vor allem, wieso der Letsche auf Kurzens so eine Wut gehabt hat. Immer wieder ist der vor der Glastür gestanden, hat in die Wohnung geschaut und die Unordnung gesehen, aber keine Gelder von diesen Leuten bekommen. Dann hat er geschrien, sie sollet sich zum Teufel scheren, er kündige ihnen die Wohnung, sie müsstet auf Georgi ausziehen, wohin wäre ihm egal! alle Tage ist die Marie im Städtle herum gelaufen, um eine passende billigere Wohnung für die große Familie zu finden, aber sie hat viele Monat einfach nichts gefunden. Wie sie vor Ostern wieder gesucht hat und nebenher noch auf dem Markt einkauft, ist sie mit einem Genschowski ins Gespräch gekommen und der hat gesagt, bei ihm auf einem Markt im Cafe Voigt im Dachstock wäre gerade eine Wohnung frei geworden, sie soll es doch gleich einmal angucken. Es war ganz oben, eng und sehr klein für acht Leute, aber der Genschowski und seine Frau sind so herzlich und nett gewesen, dass Kurzens die Wohnung genommen haben, auch im Hinblick, dass vom Markt aus es nicht mehr so weit zum Schloss hinauf war.

Marktplatz und Kronengasse, Café Voigt

So ist die Familie noch am 24. April 1867 in die Kronenstraße 11 umgezogen, die Haustür war nämlich hinten, das war schon der 1. Stock, im Erdgeschoß unten am Markt ist ja des Cafe Voigt gewesen, heute heißt es Cafe Pfuderer und die Hausbesitzerin ist heute die Helga Gauker. Der Umzugstag war der erste warme Frühlingstag, die Bäume waren gerade aufgeblüht. Sehnsüchtig hat die Marie von der Karlstraße oben noch einmal ins sonnige Neckartal hinauf geguckt mit diesen schönen vielen Bäumen! -

War das eine Schlepperei bis alle Sache oben in der Kronenstraße im Dach verstaut waren. Vor allem der starke Alfred hat wie a Lastenträger geschleppt und die Marie hat müssen nach dem Umzug zwei Tage ins Bett, weil sie nicht mehr können hat. Der Alfred hat zur Belohnung für seine Schlepperei ein paar Tage nach Reutlingen dürfen. Es war gut, dass noch Osterferien waren, erst am 2. Mai ist die Schule wieder los gegangen. Die Fina hat gestöhnt, weil es wieder so viele Treppen bis in den dritten Stock hinauf gewesen sind. Das Treppenhaus war eng und dunkel und auch die Zimmer waren kleiner. Dem Hermann hat man ganz oben im Dach, neben der Fina ihrem Kämmerle zwei größere Kämmerle eingerichtet. Einen Vorhang hat er ja nie gewollt, sein Stehpult, einen Sessel, ein kleines Tischle, ein Schemele, sein kleines Bücherregale und ein Kanonenöfele, des war alles, was dort mit Mühe und Not rein gegangen ist. Aber die Familie hat sich doch bald in der Wohnung dann sehr wohl und daheim gefühlt, auch wegen der Nettigkeit von den Hausleuten. Der Genschowski war Pole und sie war eine Schwäbin. Die Frau Genschowski und die Fina haben auch bald eine dicke Freundschaft geschlossen. Man hat mitten in der Stadt zwar keine Bäume gesehen, sondern bloß Häuser, und das sind Kurzens nicht gewöhnt gewesen. Aber vis á vis auf einem Rathaus ganz rechts, war ja damals das Storchennest. Das war etwas Lebendiges, welches die ganze Familie immer wieder gefreut hat! Rechts überm Platz hat der Hermann zu seinem "Gasthaus zum Lamm" hinüber gucken können, wo er als Student so gern eingekehrt ist und in seinem Buch: "Das Wirtshaus gegenüber" (A) so schön beschrieben hat. Wenn man ins Grüne hat wollen, dann ist man ja auch schnell zum Städtle draußen gewesen . So sind Kurzens gleich am ersten Sonntag nach dem Umzug, die ganze Familie nach Schwärzloch gelaufen. Das war auch damals schon a beliebtes Ausflugslokäle. Der Schwärzlocher Hof hat ja ganz früher das Kloster Blaubeuren besessen, später vom 16. Jh. bis 1828 hat es noch zum Tübinger Spital gehört, und seitdem ist in dem schönen Kapellengewölbe vom 13. Jahrhundert das beliebte Wirtschäftle mit dem schönen weiten Blick ins Ammertäle.

Doch leider ist der Hermann nach diesen vielen Aufregungen wieder einmal krank geworden und hat auch nicht mehr schlafen können. Er hat sich ja so über dem Letsche seine Schikane aufregen müssen, hat Bauchweh bekommen und war so gereizt. Er hat ja sogar gegen den noch eine Interimsklage verfasst. In seinen schlaflosen Nächten hat seinem Mädle Isolde mit der Mutter ihm abwechselnd aus: "Varnhagens Denkwürdigkeiten" vorgelesen bis sich dann aber doch bald in der neuen Wohnung seine Nerve wieder beruhigt haben, und sich des lang entbehrte Gefühl von einem traulichen Zusammenleben bei allen eingestellt hat.

Danach sind noch auch jede Menge Besuch gekommen. Studenten und Professoren sind bei Kurzens aus und ein gegangen. Von Esslingen ist der Franz Hopf mit seinen Leuten gekommen, von Stuttgart Oeschterles und der Dulk mit seiner Anna und noch einem Buben, der Dr. Stockmaier und seine Familie, die Dichter J. G. Fischer und dem Hermann sein Freund Vischer, dazu noch viele andere berühmte Leute wie der Auerbach, der Seeger, Becher und natürlich auch dem Hermann sein Freund, der Dichterpfarrer Rudolf Kausler mit seiner Nichte Marie Caspert, "dem Waldfegerle", die Charlotte Rantzau und die Marie Schäuffelen und viele andere. Allerdings die von Reutlingen, wie die Marie Knapp mit ihrem Mäxle, waren die häufigsten Gäste, weil die auch nicht weit gehabt haben. Die Kinder haben auch immer ihre viele Kamerädle mitgebracht, am meisten war dem Edgar sei Busenfreund Ernst Mohl da, den ja die Marie auch sehr mögen hat, obwohl der aus so einem fromme Pfarrhaus gekommen ist. Der Mohl war 17 Jahr alt, wo die Isolde mit 13 ihren ersten Tanzstundenball gehabt hat. Von dem hat sie ihr erstes Liebesgedicht bekommen. Oft sind auch der Pfarrersonkel Heinrich Mohr mit seinem einzigartigen lebhaften Heinerle von Mühlheim am Bach nach Tübingen gekommen und haben dort immer bei Kurzens eingekehrt. Mit dem hat die Marie allerdings bald arge politische Händel bekommen, weil der so für den Bismarck geschwärmt hat und die Marie doch immer gegen die "Bismärcker" war (A). Sein Bub wäre sehr gescheit gewesen , aber ein verzogener Lausbube! Die Mohre sind dann nicht mehr so oft gekommen, auch weil sie jetzt weiter weg nach Asch bei Blaubeuren gezogen sind und der Bube im Seminar in Maulbronn war. Der wäre übrigens kein Pfarrer geworden, aber er soll ein origineller Richter in Oberndorf gewesen sei.

Auch ein Redakteur von einer Augsburger Zeitung und ein Nikolaus Becker aus New York sind durch den "Taubenschlag" gegangen. Aus Wien hat der Feuilletonredakteur Ludwig Ekhard vom "Neuen Wiener Blatt" im Oktober 1869 den Hermann mit den schmeichelhaftesten Verheißungen angeworben und sogar die Marie und die Isolde noch für seine Frauenzeitung gewinnen wollen. Immer wieder war des Original, der spätere französische Minister Edouard Vaillant (A), a ganz besonderer Mann da. Von andere Zelebritäten sind der Freese, der Walesrode, der Freiligrath, der Moritz Hartmann und der Pfau öfter gekommen. Der letztere ist auch immer gern ins Bläsibad (A) zur Frau Weber hinaus. Mit all denen vielen Besuchen hat man Wanderungen mit der Familie gemacht . So schildert die Marie einen Heimweg von Schwärzloch, wo der 6jährig Balde gefallen ist, weil er zu viel getrunken gehabt hat. Die Kinder haben ja damals alle schon Bier getrunken. Und wo sind sie überall eingekehrt? Im Waldhörnle, im Weilheimer Kneiple, in Bebenhausen, in Hagelloch, in Wankheim und Immehausen, in Rottenburg oder über die Weilerburg hinaus bis nach Bad Niedernau. Sehr oft ist man natürlich über den Schloßberg zu der vom Uhland so schön besungene Wurmlinger Kapelle! ao hat der Edgar mit einem Freund sogar einmal eine Nacht verbringe wollen. Aber das hat denen die Mutter Marie doch ausgetrieben: Auch wenn man noch so sehr von der Naturwissenschaft geläutert wäre und gebildet, könne man sich nicht schützen gegen das Schauerliche dort und was, wenn einem der Tod auf einem einsame Friedhof entgen getreten täte, fragt sie die Buben? So ein Abenteuer, meint sie, muss den Tod bedeuten.

Manchmal ist man auch noch weiter auf die Alb, vor allem auf den Roßberg und auf den Lichtenstein. Meistens sind sie zuerst gen Reutlingen hinüber und von dort aus nicht bloß auf die Achalm, sondern auch auf viele andre Albberge. Im Gaisbühl sind sie auch oft spazieren gewesen. Auf einem Weg nach #n#Kirchentellingsfurt, wo man auf das Zügle von Reutlingen einmal hat warten müssen, hat die Marie mit den Kindern ein Distichon gemacht : "Braunes schäumendes Bier, wie rinnst du so glatt durch die Kehle. Während der schlechte Café durstig die Durstenden lässt. Kühlung sichelt der Wind, und der milde Wein gibt uns Schatten. Aber aus säuselndem Wald rufet der Kuckuck uns zu. Lachende Flur und schäumendes Bier verkürzt uns das Warten bis mit dampfendem Ross uns die Erwartenden nahen." - Von Kirchentellinsfurt stammen ja die Kurtzens ursprünglich her (A).

Unten im Haus im Cafe Voigt hat man oft bis über Mitternacht mit denen Besucher gekneipt. Einkaufen hat man auch vor der Haustür können. Es waren alle Lädle dort und bei den Marktfrauen hat man Kartoffeln und Gemüse bekommen. Die Lausbube haben natürlich auch alle Weile ihren Spaß gehabt und die Marktweiber vom Fenster aus beobachtet. Diese haben nämlich oft keine Unterwäsche unter ihren Trachten getragen, dort hat man auf dem Boden interessante Beobachtungen machen können, aber so was haben die Buben der Mutter wohlweislich nicht erzählt.

Nie hätten Kurzens gedacht, dass sie über zehn Jahre in der Wohnung bleiben täten, aber es ist a Heimat geworden! - Wie sie eingezogen sind, waren die Kinder zwischen 7 und 14 Jahr alt. Sie sind also die wichtigen Jahre am Markt in Tübingen daheim gewesen.

Die Marie jammert in ihren Tagebüchern von damals von diesen Auseinandersetzungen mit ihre Lausbuben, hat des aber später dick durchgestrichen, dass man bloß noch Brocken lesen kann. Sie schreibt natürlich dann auch wieder ganz stolz, wie gut die Kinder, vor allem der Edgar in der Schule waren, aber sie jammert auch, weil der Erwin sitzen geblieben ist, trotz seine Nachhilfestunden vom Lehrer Zeyher. Den hat man aber bald nach Rottenburg geschickt, wo ein gute Malschule war, denn fürs Zeichnen hätte er eine große Begabung gehabt.

Die Marie übte alle Tage viele Stunden mit ihrer Isolde zusammen Französisch, Englisch, Italienisch und Latein. Im Französische haben sie bald alle Tragödien vom Voltaire und später noch seine Roman gelesen. Die Isolde hat ja auch schon sehr jung gegen Geld italienische und französische Romane übersetzen dürfen für den "Beobachter" und für den "Ausländische Novellenschatz", den der Paul Heyse mit einem Kurz nach einem "Deutschen Novellenschatz" auch noch zusammen herausgeben haben (A). Durch die Bücher mit einem Heyse zusammen haben Kurzens zum ersten mal einen gewissen Wohlstand erlangt. Der Hermann schwärmt sogar schon, dass er jetzt seinen Kinder ein großes Vermögen vermachen könnte. Zuerst hat er des Geld immer seiner Marie gegeben, wie es dann noch mehr geworden ist und der Heyse gemerkt hat, dass die Familie nicht sparen kann, hat der das Geld in München deponiert und Kurzens haben schreiben müssen, wenn sie was gebraucht haben. Die Fina hat ja schon gewusst, wie man sparsam wirtschaftet, aber wenn die Kinder gebettelt haben, hat die Marie ihren Buben für ihr Nachtleben immer wieder was zugesteckt, obgleich es ihr ja nicht gefallen hat, wenn die nie heim gekommen sind.

Auf die Isolde sind die Tübinger Frauen nicht gut zu spreche gewesen, schon weil sie geritten ist und als einziges Mädle im Neckar gebadet hat.- Dass der Alfred keine Ausdauer beim Griechischen gehabt hat, das macht der Mutter viel Jammer und überhaupt, weil der halt so ein arger Flegel war. Aber mehr noch wie den klagt sie sich selber vor allem an, weil sie halt so ein Angsthase wäre, so wie es auch ihr Hermann in seinen Briefen an den Paul Heyse schreibt, wenn er über seine "Pytia" stöhnt (A). Gesundheitlich ist es aber dem Hermann doch in Tübingen bald schon viel besser gegangen, auch wo es Geld noch nicht gelangt hat. Die Marie schreibt ihrer Freundin, dass sie das doch der Bibliotheksstelle zu verdanken haben Der Hermann hat können neben seine Pflichtaufgaben noch viel schaffe! Im Sommer 1865, wo sogar seine Marie mit Märchenschreiben die Haushaltskasse noch hat aufbessern können, sie habe für jede Seite 33 Gulden verdient, dort hat ihr Hermann seine berühmte Abhandlung über den Simplicissimus vom Grimmelshausen geschrieben (A). Für die Forschungen haben sich auch der Karle Klüpfel und der Adelbert Keller interessiert. Man hätte es in einer Beilage bei der "Allgemeine Zeitung" 1865 veröffentlicht. Im Januar darauf hat der Hermann auf Veranlassung vom Germanisten Karl Bartsch dafür sogar den Ehrendoktor, zwar nicht von der Tübinger, sondern von der Rostocker Universität bekommen. Wie der Kurz in Tübingen angefangen hat, meint er, mit fünfzig Jahren brauch man ja kein Doktor mehr zu mache und jetzt ist er, ohne dass er das wollen hat, doch noch "Doctor philosophicae" worden! Er hat viel geforscht und geschafft oft bis tief in die Nacht. Es waren auch Shakespeareübersetzungen und aus dem Spanischen etliche Lustpiele vom Miguel de Cervantes, aber nicht dem seinen "Don Quichote". An Gedichten ist in dem Haus am Markt aber anscheinend bloß das eine Gedicht "Roswitha" entstanden.

Wenn der Hermann am Abend eine Pause eingelegt hat, dann ist er ganz leise die Treppe herunter gekommen und hat seine Kinder, die er ja nicht viel gesehen hat im Schlaf angeguckt und jedem ein Küssle gegeben. Vor allem am Bett von seinem einzigen Mädle Isolde ist er öfter länger verweilt und hat der ihr Schönheit betrachtet. Er hat sich gefreut, dass sein Mädle im Schreiben so talentiert war. Beim Butzel Balde habe er auch öfter länger am Bettle verweilt, habe aber gemeint, dem gehe es ja jetzt besser, so wie der aussieht. Seine Marie hat sich nicht getraut, ihm zu sagen, was sie vom Doktor gewusst hat, dass der Bube nie mehr ganz gesund werden könnte. Die Isolde hat auch immer viel Zeit bei dem am Bett verbracht und auch ihre Brüder, vor allem in späteren Jahren, wie der Edgar und Alfred Medizinstudenten waren. Doch am meisten haben natürlich die Marie und die Fina für den Buben getan. In die Schule hat der Balde ja jedes Jahr bloß immer im Sommer ein paar Wochen gehen gekonnt, sonst hat ihn die Mutter unterrichtet. Im Jahr 1866, der Balde war gerad wieder sehr krank mit einer Gesichtslähmung und einem schiefen Mund, der Doktor Gärtner hat ein Schwitz- und a Jodkur verordnet, was nicht viel gebracht hat, aber irgendwann ist es dann doch wieder besser geworden; und auch die andren Kinder, wo dauernd krank waren, vor allem der Edgar wieder mit seinen furchtbaren Nervenkopfschmerzen, in diesem Jahr hat es ja auch wieder einmal politisch schlimm ausgesehen. Der Hermann hat sich von jeder Politik ganz zurückzogen und nichts mehr wisse wollen. Umso mehr hat sich aber seine Marie aufgeregt. Wie der "Heldenjüngling" Blind zum Tode verurteilt geworden ist, hat sie sogar für die Zeitung "Gradaus" ein politisches Gedicht verfasst, das später sogar auch in der deutschsprachige englische Zeitung "Hermann" (A) veröffentlicht geworden ist. Mit dem Bruder Carl Blind war die Marie dann lange im Briefwechsel. Ihr war, wie sie schreibt, die politisch Freiheit zum Evangelium geworden. Vor Wut hat sie dort wieder einmal gekocht. Dass es wieder so einen Rückfall in die Barbarei gebe, hat und das muss sie, die rot' Marie hören, wo sie jetzt vier Buben groß gezogen hat, die womöglich einmal alle unter die Pickelhaube müssten, dort steht ihr Herz still und sie will bloß noch sterben! "Ja, wenn es gegolten hätte für den letzten heiligen Krieg auszuziehen, gegen die Fürsten und gegen die innere und äußere Tyrannei; aber nein, es waren ja Kabinettskriege, Bruderkriege, wo der Mensch die Menschen kaltblütig morden auf ein Kommando!" Die Marie ist noch skeptischer geworden. "Aus so einer blutigen Saat, könne bloß ein neues Blutbad kommen," meint sie. Nicht einmal der Tiger und die Hyäne täten so was machen. Die Marie hat immer gemeint gehabt, die Kriege müsstet doch mit dem Fortschritt aufhören und könnte bloß noch für die höchste Idee der Menschheit als letzten Krieg geführt werden, aber jetzt hat sie gemerkt, dass sie sich getäuscht hat und ist total resigniert. Sie schreibt zwar, dass man auch in der Natur Kämpfe immer wieder sehe muss, aber in der moralische Welt, hat sie gedacht, dort dürfte es doch keine Kriege mehr geben! Mit ihrem Hermann hat sie über so was nicht mehr reden dürfen, aber immer wieder einmal ist sie deswegen zum Freund Hopf nach Pfalzgrafenweiler gefahren oder der ist sogar zu ihr gekommen und hat sie wieder getröstet. Der Franz Hopf war ja inzwischen Abgeordneter im Landtag.

Franz Hopf

Man kann sagen, die Marie mit ihrer demokratische Gesinnung und Einstellung ist eigentlich über hundert Jahre zu bald auf die Welt gekommen. Ein Mädle in der damalige Zeit war einfach nicht wie sie! Ihr Mann meint von sich, er wäre "Zwischen die Zeiten gefallen." (A) So wunderts einen nicht, dass die Familie mit alle ihren Besonderheiten einfach überall aufgefallen ist, auch in der Universitätsstadt. Den Hermann hat man ja noch respektiert, aber schon seine Marie, die auch oft mit verrissenen Strümpfen und alte Kleider rumgelaufen ist und von den Griechen geschwärmt hat, fünf Sprache können hat und Märchenbücher geschrieben hat, die haben die Leute nicht verstanden. Am meisten haben sie aber den Kopf geschüttelt über die Kinder, vor allem über dieses Mädle, die Isolde, die geritten ist und gebadet hat und so studiert war, die eben Sachen gemacht hat, was doch keine Mädle tun! Wie die auch dann bei der Stadt beantragt hat, dass man die "Badschüssel" wenigstens stundenweis für Frauen freigeben könnte, da hat aber eine bekannte Frau im Städtle laut protestiert, jetzt tät es aber langen! Was dieses Mädle sich noch alles erlauben täte! - Und wie wär es heute? -

Wie die Marie heut, im Jahr 2002 herunter gekuckt hat und gesehen, was aus ihrem Haus in der Karlstraße geworden ist, dort hat sie doch die allergrößte Freude gehabt . Ihr, vor 140 Jahr neues und vornehmes Haus in der Neckarvorstadt steht noch. Es gehört nicht mehr dem unfreundlichen Zimmerer Letsche, sondern es ist das Jugendhaus von der Stadt, was den Name nach dem arme Lausbuben Richhard Epple aus Breiteholz trägt, wo der Kurt Oesterle im Schwäbischen Tagblatt so gut beschriebe hat (A).

Von außen ist es zwar gehörig verschmiert, aber innen ist es sauber und es sind sehr nette junge Leute, wo dort aus- und eingehen. Im Souterrain ist ein Saal, wo die Junge ihre Veranstaltungen abhalten können, im ersten Stock sind wunderbare Werkräume, wo sie zimmern und basteln können, im zweiten Stock ist ein Frauencafé und oben, wo die Kurzens gewohnt haben, die ganze Wohnung gehört heute bloß den Kindern! Die Marie war glücklich, wie sie das gesehen hat und hat gedacht: Wie schön wäre das, wenn ich heute noch einmal vom Himmel herunter kommen könnt, um bloß ein paar Jährle in dem saubere Tübingen mit der besten Wohnqualität von Deutschland unter deren multinationale Einwohnerschaft zu sein, mit meinem Hermann und alle meine Kinder und Nachkommen zusammen! -

Ob sie wieder ein Pythia würde, ein Sorgenweible? Vielleicht ja, vielleicht noch mehr wie damals, wenn sie sehe müsst, wie die Tierle heute oft geplagt werden, und wie die Menschen die schöne Erde selber kaputt machen und überall auf der Welt so kropfunnötige Kriege sind. Die Marie wäre wahrscheinlich in der Politik, jedenfalls täte sie kämpfen mit ihrer Schwertgosch und wäre vielleicht in der sozialdemokratischen Partei, wie ihr Edgar und Alfred schon, aber noch eher wäre wohl die Frau, wo die Tierle noch mehr mögen hat wie die Menschen als ein ganz Linke in der grünen Partei, vielleicht sogar bei Greenpeace oder sonst einer Umweltorganisation? Es könnt auch eine Marie Kurz heute eine moderne berufstätige Frau, vielleicht mit einem Kind, vielleicht ohne Mann sein. Sicher wäre sie dankbar, dass sie nicht mehr jeden Pfennig mehr umdrehen müsste, dass sie Reisen machen könnte und die Welt sehen. Wenn sie dann an ihr Leben zurückdenkt, würde sie vielleicht sagen: "Mir geht es doch saumäßig gut heute. Ich könnt, aber ich muss mir nicht fast alles kaufen. Wir müssen nicht mehr frieren, man kann fast alle Krankheiten heilen, und wenn man einen Doktor und Arzneien braucht wird es irgendwie gezahlt. Man kann den ganzen Winter Vitamine in Form von Zitronen, Bananen und Orangen kaufen, und wenn es die nicht mehr gibt, dann geht ja die Erdbeerzeit los und der nächste Sommer fängt bald an.

Die Josephine im Jahr 2002

Der Petrus hat auch die Josephine, weil sie immer ein bisschen neugierig gewesen ist und gebettelt hat, einmal vom Himmel herunter gucken lassen. Sie hat gestaunt, wie hoch der Ulmer Münsterturm noch geworden ist und wie groß die Stadt heute ist. Aber die vielen Fabriken hinauswärts, diese haben ihr gar nicht gefallen. Ja, dort hinten, die Albberge, die waren noch gerade so wie früher. Kirchheim und vor allem ihr Obereßlingen, die Dörfle hat sie fast gar nicht mehr gekannt, am ehesten noch die Altstadt von Tübingen mit einem Neckar, der Stiftskirche, dem Schloss und dem Turm, wo der kranke Hölderlin gewohnt hat, das ist noch wie damals. "Aber schauet auch" sagt sie, wie sauber ist doch heute die ganze Stadt her geputzt! Die kleine dreckigen Häusle sind fast alle sauber verputzt und sogar in der Unterstadt gibt es keine Misthaufen mehr, dafür stehen überall Blumenkübel! - Und auch die Straßen sind sauber! Von diesen lauft ja gar keine Abwasser mehr zum Neckar hinunter. - Aber nein, halt, was liegen denn dort auf und neben den Wegen für Büchsen, Flaschen, Papier, Zigarettenkippen und sonst noch alles Unmögliche? Das ist ja mehr Gerümpel, wie es Kurzens jemals im Lebe haben rumfahren lassen! "Wieso schmeißen auch die Leute heute alles einfach weg und versudeln so ihre schöne Städtle selber? Macht denn die schwäbische Kehrwoche heute keiner mehr?" Das gefällt der Fina aber gleich gar nicht.

Was bewegen sich denn dort für viele Blechwagen ohne Gäule, ohne Kühe und ohne Geisen davor? Die Straßen stinken ja auch alle so fürchterlich von diesen komischen Karren, die man Autos nennt und Omnibusse. Die tät man brauchen, weil die Leute heute gar nicht mehr laufen wollen, hat sie dort erfahren.- Schneller geht es natürlich mit diesen Bussen, aber warum muss man denn alle Weile so pressieren, wo doch das Laufen so gesund ist, denkt die Fina. - "Jo so was," sagt sie, wie sie zum Neckartor guckt: "Wo ist denn auch dem Uhland sei schönes Haus?"

Jetzt weiß die Fina, dass auch Tübingen halt nicht mehr das ist. Vieles ist doch ganz anders geworden. - Jetzt denkt sie, wenn die Leute schon fahren wollen, warum haben sie dort nicht die Eisenbahn weiter hinauf durch die große Stadt gebaut? Die käme doch schneller vorwärts als die vielen Busse und Autos? Sogar die Leute auf diesen zwei Räder, wo so strampeln sind ja schneller. "Man muss halt doch was schaffen, wenn man vorwärts kommen will," sagt sie.

Also auch die Fina wollte noch einmal wieder auf die Welt kommen und der Petrus hat sie nach Illerkirchberg runter gelassen. Von ihrem Oberkirchberg ist sie tapfer wieder die hundert Stäffele herunter gestiegen, aber sie hat dann gleich, wie alle Leute heut, auch bis Ulm den Bus genommen. Dort hat die Josephine die höhere Schule besucht und hat hinterher tatsächlich an es Theater dürfe, zwar nicht in Ulm, sondern in es Tübinger Landestheater (LTT). Nach ein paar Jährle hat sie schon gute Rollen spielen können. Unterm Thomas Milz war sie in dem seiner "Violette Republik" (A). die Marie Kurz. Die Rolle ist ihr gelegen. Nach diesen Aufführungen haben oft ein paar Zuschauer mit de Schauspielern noch etwas getrunken. Dabei ist die Fina von einem vornehmen großen Herren angesprochen worden. Er hat sie gefragt, ob er die Dame für den nächsten Tag zum Essen beim "Chines" auf die Wanne einlade dürfte? Der Herr hat ein feines Benehmen gehabt und sogar geputzte Schuhe, daran hat sie gesehen, dass der wohl keine Deutscher ist. Aber so ein sauberes Mannsbild hat ihr gefallen. Die zwei haben sich dann öfters getroffen, er hat in Bebenhausen im Hirsch gewohnt und war ein echter Kavalier und grundanständig. Bald ist die Fina mit dem Mann nach Rio de Janeiro gefahren, denn ihr Walter war Deutschbrasilianer und hat gedacht, er sucht sich in Deutschland ein sauberes Mädle. Der Josephine hat des große Land unheimlich gefallen. Es hat drüben eine Verlobung gegeben. Ihr Bräutigam hat ein kleines Fabrikle in Copacabana gehabt ,welches gut gelaufen ist, denn er war ja wie sie, auch ein Schaffer. Hoch oben über Rio im Orgelgebirge hat der Walter sich ein Gütle gekauft, des heißt dort "chacara" und dort hinein hat er eine schöne große Villa gebaut. Die Fina ist bald ganz nach Brasilien gekommen und hat in dem Petropolis oben aus der Chacara einen wunderschöne tropische Garten gemacht! Der war das ganze Jahr bloß ein Blütenmeer. Leider ist ihr Mann aber immer bloß zu den Wochenenden heim gekommen. Sie hat können bloß ein Kind bekommen und war mit dem oft sehr allein. Aber dort haben sich die beiden doch noch zu helfen gewusst, dass die Fina ihre drei Wunschkinder gehabt hat. Miteinander haben der Walter und seine Fina zwei arme schwarzhäutige Waisenkinder aus Rio adoptiert. Der Fina ihr Vorbild war nämlich die Prinzessin Isebell, dem König Don Pedro sein Mädle, welche 1888 schon die Sklavenbefreiung in Brasilien eingeführt hat. Einmal in der Woche ist die Fina mit diesen zwei dunkelhäutigen Kinder und ihrer blonden Isolde im Auto mit ihrem Walter, oder sogar mit einem Omnibus die Serpentine durch die herrliche Bergwelt hinunter gefahren und die Kinder haben in einer Sambaschule in Rio das Tanzen gelernt. Die Isolde hat es aber bald wieder gesteckt, weil es zu schwer für sie war. Aber ihre zwei Schwesterle haben Karriere dabei gemacht. So sind sie sogar nach etlichen Jährle zur Brasil-Nacht nach Tübingen gekommen. Sie sind dann in der Stadt hängen geblieben, weil sie ja auch gut deutsch haben reden können. Sogar das deutsche Abitur haben beide gemacht und dann studiert. Die Josephine ist aber wieder zurück nach Petropolis. Sie ist sehr alt geworden, war noch fast zwanzig Jahre Witfrau, aber nicht alein. Sie hat unten in Rio bei vielen armen Leuten immer wieder Gutes getan. Ihr blondes Mädle die gescheite und fleißige Isolde hat einen Lehrer in Porto Alegre geheiratet, der auch deutschstämmig war. Die zwei haben ein Häufle Kinder bekommen, und die Großmutter Fina ist immer wieder zu ihren Enkele dorthin geflogen. Mit über neunzig ist sie gestorben und liegt in Petropolis neben ihrem Walter vergraben. Der Fina ihre zwei schwarze Mädle, wo in Tübingen Medizin und Psychologie studiert und dort auch noch als Ärztinnen geschafft haben, sind viel in der Welt herum gekommen. Die eine hat in Boston einen amerikanische Doktor geheiratet und ist später mit dem in den Nordosten von Brasilien gezogen, wo sie den Leuten, welche nicht wegen jedem Muckenschiss zum Doktor laufen können, geholfen haben. Sie haben dort viel Gutes gewirkt. Die andere Schwester hat einen echten Schwaben geheiratet und ist mit dem nach Illerkirchberg bei Ulm gezogen. Der Mann hat zwar nicht Peterler geheißen, aber er ist neben dem Schloss im alten Pfarrhaus als Verwaltungsfachmann in der Fuggerverwaltung gefragt gewesen. Und seine schwarze Frau hat im Justinus-Kerner-Weg dort eine Beratungsstelle für anonyme Alkoholiker betrieben. Sieben Prozent von diesen zweitausend Einwohnern dort sind heute Ausländer (A). So haben die zwei sich dort bei Ulm daheim gefühlt, denn sie waren ja schließlich in der Heimat von ihrer lieben Mutter.

Das verhängnisvolle 10. Jahr in Tübingen

"Ich werde so von hinnen eilen "Ich werde so von hinnen eilen
Mit tiefgeschlossenem Visier,
Und ein paar arme, stumpfe Zeilen
Die bleiben dann der Welt von mir.
Nach diesen werden sie mich wägen,
Verdammung sprechen oder Lob.
Nicht ahnend, ach mit welchen Schlägen
Sich oft mein Herz im Busen hob,
Wie ich am schönsten Tag, in guter Stunde,
Verschmelzend Geist in Geist gewebt,
Mit einem kleinen Menschenbunde
Ein ganzes, volles Leben durchgelebt;
Wie wir das Herz, wie wir die Welt
Gemessen, Wie manch gewichtig Wort
In Lethes Wellen fiel,
Und wie wir dann, in seligem Vergessen
Manch kecken Scherz geübt, manch übermüthig
Spiel. Vor solchem Leben frisch und reich
Wie sind die Lettern tot und bleich!
Doch was ich mir in mir gewesen, das hat
Kein Freund gesehn, wird keine Seele lesen."

Hermann Kurz

Die Feierlichkeiten zur Einweihung von dem Uhland-Denkmal beim Tübinger Bahnhof haben am 14. Juli 1873 stattgefunden und viele Stunden gedauert. Es sind deswegen etliche Leutle ohnmächtig geworden, so auch der Hermann Kurz, denn es war einfach zu heiß. Der Hermann muss wohl einen Sonnenstich bekommen haben. Nach acht Tägle ist es ihm wohl wieder ein bisschen besser gegangen, aber erst ab September habe er wieder seine Arbeit aufnehmen können und das war wohl zu bald, denn nach vier Wochen ist er schon wieder auf der Nase gelegen. Der gute Doktor ist immer wieder da gewesen. Eines Nachts hat der Hermann sich sehr übergeben müssen und habe dazu noch fürchterliche Magenkrämpfe bekommen, die die ganz Nacht gedauert haben. Gegen Morgen hat er dazu noch arge Schmerzen auf der Brust bekommen und hat schier nicht mehr schnaufen können. Alle, auch der Doktor, haben gedacht, dass das wieder sein Rheuma ist. Der Doktor Gärtner hat deswegen dem Hermann ein Morphiumspritzle gegeben und gewartet bis der Puls wieder normal war. "Jetzt könne man beruhigt sei," habe er gesagt, "denn jetzt wäre alles vorbei." Der Doktor ist heim gegangen und die Kinder sind Richtung Lustnau spazieren gelaufen. Auf einmal habe die Marie einen furchtbaren Schrei gehört. Sie ist zu ihrem Mann gerannt und hat gesehen, wie der seine Augen fürchterlich verdreht hat. Weil sie, die Marie, schneller wie ihr Fina hat laufen können, hat sie der gerufen, dass sie schnell zu ihrem Mann gehen soll und ist selber zum Doktor gerannt, der ja nicht weit weg gewohnt hat.

Auf der Josephine ihren Schultern hat der Hermann dann den letzten Schnapper getan, dann wärr er ganz leicht und friedlich eingeschlafen. Wie die Kinder heim gekommen sind, haben die einen toten Vater gefunden! Es war Freitag, der 10. Oktober 1873 abends um Sechse. Für die Familie ist eine Welt zusammen gebrochen! Es war für sie alle eine Katastrophe! Die Marie war Witfrau und erst 47 Jahr alt! Noch nicht einmal zwanzig war die Isolde, wie ihr geliebter Vater so plötzlich an diesen Folgen von dem Hitzschlag gestorben ist! Bloß der Edgar ist schon einigermaßen auf eigenen Füßen gestanden. - Wie soll auch das Leben weitergehen? Ja, wie kann so was überhaupt passieren, gerade jetzt, wo der Vater in Lohn und Brot gestanden ist, wo er so schöne schriftstellerische Erfolge gehabt hat, wo man zum ersten Mal im Leben genug Geld gehabt hat, wo man sich in der Stadt Tübingen, trotz mancher Schwierigkeiten doch daheim gefühlt hat? Es war auch für alle Verwandte und Bekannte einfach unfassbar! Im Hirn wäre ein chronische Entzündung und das Herz wäre verfettet gewesen, hat man nach der Sektion gesagt.

Am Sonntag Mittag, am 12. Oktober ist der Hermann auf einem Tübinger Stadtfriedhof vergraben worden. Er hätte sich ja lieber verbrennen lassen, aber soweit ist man damals in Tübingen noch nicht gewesen. Pfarrer hat keiner bei der Beerdigung schwätzen dürfen, aber der Dichter Johann Georg Fischer hat eine schöne Rede gehalten und das ganze Städtle, so auch alle Professoren von beiden theologischen Fakultäten haben dem Dichter die letzte Ehre erwiesen. Auch das Glockengeläut, welches der Hermann von Kind auf so mögen hat, weil seine Vorfahren ja Glockengießer in Reutlingen waren, habe nicht gefehlt (A).

Edgar

Heimatklänge

Ach, daß
ich heraufbeschwören
Im Gespräch beim Glase Chianti
Mußte die vergangnen Zeiten.
Schöne Tage froh und heiter,
Durchgelebt im Neckarstädtchen
Mit den bucklig krummen Gassen,
Mit den hohen, grauen Häusern.
Nun befällt auf einmal mich
Das so lange fern gebliebne
Heimweh nach der Schwabenheimat,
Und bedeutend steht im Geiste
Jeder alte Winkel vor mir,
Wo wir unbeirrt von Sorgen
Einst so toll uns umgetrieben.
Ach was macht ihr kleinen Kneipen,
Wo bei vielen sauren Weinen
- Doch darum nicht minder fröhlich -
Unser Gaudeamus klang?
Und du grüner Hain am Neckar,
Wo so manchen Sommerabend
Unter Linden und Platanen
Manche kleine Abenteuer
- Oft wohl nicht ganz in der Ordnung,
Doch darum nicht minder fröhlich -
Uns ergötzt - favete linguis!
Ja, das alles steht mir deutlich
Wie von gestern vor den Augen,
Und auf alles war der Schimmer
Jugendfrühlings ausgegossen...
Wenn ichs denke fasst mich Sehnsucht
Nach dem Schauplatz jener Tage!
Ragen seh ich Schloß und Türme,
Und im Tale glänzt der Neckar
Silbern aus den grünen Wiesen,
Von dem Bergabhang herüber
Winkt ein dunkler Wald, das Burgholz,
Drüben liegt die alte Reichsstadt
An dem Fuß des schönen Berges,
Meine Vaterstadt; die Straßen
Sind mir alle im Gedächtnis,
Und das graue Tor, wie oftmals
Zog ich ein durch seine Wölbung
Hoch zu Roß mit lustgen Freunden,...
...Wie so freudig da am Morgen
Uns ein herrlich Festgeläute
Vollen Chors, die Glocken klangen,
Und aus allen klang die große
Glocke, die mein Urahn goß.- ....

Edgar Kurz

Ihren Ältesten, den Edgar, hat die Marie als Kind schon als zweiten Humboldt durch die Welt ziehen sehen, so ein Käpsele wie der war! Er hat in der Schule immer wieder eine Klasse überspringen können. Auch der Edgar hat die dichterische Ader von seinem Vater geerbt. Mit siebzehn Jahren war der schon Student, hat aber bald die Philosophie an den Nagel gehängt und sich als Mediziner einschreiben lassen. Weil er so guten Note gehabt hat, sind ihm die teuren Gebühren erlassen worden. Das war für den Geldbeutel vom Vater gut, aber auch für die Sorgen von den Eltern, dass dieses zarte Bubele, der trotz seinem kranken Knie in zweiter Instanz doch noch für wehrfähig erklärt worden ist, als Mediziner die Einberufung vielleicht doch erspart wird. Den Edgar in einem Krieg als Sanitäter zu sehen, das hätte sein Vater zwar noch verkraftet, aber der Mutter als absolute Pazifistin wäre auch das noch zu viel gewesen. Sie hat ja keinen von ihren Buben unter der Pickelhaube sehen wollen. Dafür hat sie ein Leben lang gekämpft!

Der Edgar ist ein guter Chirurg und Gynäkologe geworden, der auch wissenschaftlich Großes geleistet hat. Nach dem Examen hat er zuerst a viertel Jahr nach Prag ins Gebärhaus müssen, aber als ganz junger Spund war er in Tübingen Assistenzarzt beim Prof. Säxinger in seiner gynäkologischen Klinik am Neckar, wo er auch gewohnt hat. Sogar noch ein zweites Jahr ist ihm die Stelle überlasse worden, aber der Senat hat doch zuerst gegen ihn gestimmt, wegen dem Edgar seiner sozialistischen Ansichten. Da hat sich dem Edgar sein Chef aber bei diesen Professoren für den Kurz eingesetzt und zu diesen gesagt: "Haben Sie je gehört, dass der Doktor Kurz den Hebammen Sozialismus predigt oder seine Zuhörer so was lesen?" Die Professoren hätten dann doch lachen müssen und der Säxinger hätte gesagt: "Also, was kümmert Sie sich noch um dem Doktor Kurz seine Privatsache."

Dem Edgar seine Mutter hat dann für ihren Liebling nach verschiedenen Seiten die Fühler ausgestreckt, um für ihren Buben eine Stell als Doktor in einer größeren Stadt zu kriegen, Zum Beispiel in Lindau, sonst müsse nämlich ihr armer Edgar in die "Wildnis", nämlich nach Kirchberg an der Jagst als Doktor ziehen, "wo aller Verkehr mit gebildeten Leuten aufhört" und des wäre doch furchtbar gewesen !

Des mit Lindau ist nichts geworden, denn die Medizinerpöstle waren überall besetzt. So ist der Edgar, nachdem er sich in Venedig vergeblich umgesehen gehabt hat, in Florenz Fremdenarzt geworden.

Edgars Haus in Floren Edgars Grabmal

Isolde

Bedrängnis

Sagt mir wer ich bin und wo mein Haus?
Sagt, von welcher Küste fuhr ich aus?
Wie mit eins in meinem schwachen Kahn
Fand ich mich auf diesem Ozean?

Tausend Segler kreuzen meinen Kiel,
Jeden kümmert nur das eine Ziel.
Wild auf Beute steuert der Korsar,
Um mich droht und unter mir Gefahr.

Schimmern stolz die Segel auf der Flut,
Denk ich wohl: die Fläche trägt mich gut.
Doch im Dunkel, das den Blick verhängt,
Was beginnen, wenn mich Furcht bedrängt?

Große See, die du zum Spiel mich hast,
Kleiner Nachen, der nur eines faßt.
Weiter Bogen, der sich drüber spannt,
Ewige Lichter, wo, wo find ich Land?

Isolde Kurz

Nicht die vier Buben von Kurzens, nein das einzige Mädle, die Isolde, die Zweitgeborene, ist als beste deutsche Schriftstellerin vom 19. Jahrhundert die berühmteste von der Familie geworden! Das hat sie ihrem Vater, aber auch ihrer Mutter zu verdanken. In ihrem Buch "Aus meinem Jugendland" (A.) hat die Isolde über ihre Kinder- und Jugendzeit ausführlichst berichtet. In dem Buch kommt aber das schöne Tübingen gar nicht gut weg. Warum, das verstehen wir eigentlich nicht. Denn im Grunde hat es das Mädle doch schön dort gehabt , denn die Tübinger Studentle haben ihr ja gehörig de Hof gemacht! Schon in jungen Jahren hat das Mädle nicht bloß griechische oder französische Übersetzungen und Gedichte gemacht , nein, sie hat auch ausgiebigst bei vielen Studentenfestle in Tübingen, in Bad Niedernau und sogar in Bad Imnau getanzt und sich köstlich amüsiert, wenn diese Herren sich um sie geschlagen haben.

Isolde und Marie Kurz

Die Isolde hat sich unter lauter Brüdern als einziges Mädle von klein auf verkämpfen müssen, denn ihre Brüder sind nicht gerade zart mit ihr umgegangen. - Ihre Mutter hat nicht geduldet, dass ihr Mädle einen Kochlöffel oder eine Strickzeug in die Hand nimmt, bloß ihrem Vater sein Stehpult, den hat sie alle Tage abstauben dürfen und sei Lampe in Ordnung bringen. Die Mutter und auch die Fina haben das nicht dürfen, bloß die Isolde, und dann hat sie das auch gewissenhaft gemacht . Genäht hat sie manchmal heimlich etwas, wenn ihr Mutter nicht dort war. Ihr Vater, der ja so rücksichtsvoll gewesen ist, hat zur Fina hat sagen können: "Hättet Sie die große Güte bitte und täten mir Holz und Kohlen bringen, dass ich ein Feuerle in meinem Kämmerle machen könnt?" Oder habe er gesagt: "Josephine hättet Sie die Freundlichkeit und täten mir bitte eine Nadel und einen Fade geben, dass ich meinen Knopf am Rock annähen könnte." Wenn dort die Josephine nicht hat gleich weg könne, dann ist die Isolde gesprungen, und sie hat dürfen dem Vater auch einen Knopf annähen. Aber von der Mutter aus hat dieses Mädle gar keine solche Weiberarbeit machen dürfen, "da habe der Mutter ihr Demokratismus eine Lücke gehabt ," schreibt die Isolde. Die Mutter selber habe aber alle Arbeiten gemacht und immer wieder gesagt, dass Arbeit nicht schändet, bloß bei ihrem Mädle hat das nichts gegolten und darum hat die auch so viel Zeit zum Lernen, aber auch viel Freizeit gehabt . Mit dreizehn Jahren hat die Isolde schon ein Drama "Aristodemes" zu schreiben versucht. Die Mutter war ganz begeistert und hat die Begabung von dem Mädle unterstützt. Auch der Vater war stolz auf seine Einzige. Bloß die Isolde hat ihn auf seinen einsamen Wanderrungen begleiten dürfen. Mit vierzehn Jahren hat sie mit der Mutter französische, englische und auch italienische Roman gelesen und auch übersetzt. Latein und Griechisch habe sie mit der Mutter auch bald gelernt und bald darauf, bei Studenten auch noch Russisch und Sanskrit. Als Fünfzehnjährige hat sie vom alten Karl Mayer sechzig Gulden für eine Übersetzung bekommen, da war sie aber richtig stolz! Doch in der Liebe wäre sie mit neunzehn noch eine "kieselherzige Torondot" gewesen, klagt ihr Mutter, trotz diesen vielen Verehrern. Mit einundzwanzig Jahren hat die Isolde für eine Übersetzung von einem italienische Roman schon so viel Geld verdient, dass sie davon das schön Grabmal vom Prof. Karl Kopp "Die trauernde Muße" für ihrem Vater sein Grab hat zahlen können.(A.) Da schreibt die Mutter stolz, das wäre das schönste Denkmal auf einem ganze Tübinger Stadtfriedhof! Es steht gleich neben der Kapelle. - Nach dem Tot vom Vater ist die Isolde bald zu ihrem Bruder nach München gezogen. Das war das einzig Richtige für das Mädle und seine Laufbahn! - Die Einnahmen vom Novellenschatz sind ja versiegt gewesen, so, dass die Marie wieder um Hilfe hat betteln müssen. Der Schwiegersohn vom guten Hopf, der Amtsarzt Doktor Schiler in Calw hat ihr Geld gegeben und Freunde in München haben den Erwin und die Isolde auch unterstützt.

"Die trauernde Muße", Grabmal für Hermann Kurz von Prof. Karl Kopp

Grabmahl von Hermann Kurz

In Tübingen hat man zum 400. Stiftungstag von der Universität am 10. August 1877 einen historischen Festzug gemacht . Da hat man die Marie gefragt, ob ihr Isolde nicht beim Festzug (A.) auf einem herzoglichen Wagen die Muse mache könnte? Man bräuchte halt dort Jemanden, welcher standfest wäre, denn auf diesen holprigen Tübinger Gassen wäre das nicht einfach. Jetzt auf einmal waren in Tübingen der Isolde ihre Reitkünste dafür gefragt! - Allerdings eine ganz ordinäre Festdame hätte die Isolde nie gemacht, aber in einem griechischen Gewand mit wallendem Haar drei Gäule am Zaum lenken und führen, das war was für sie. - So ist das Mädle, nachdem sie in München gerade Fuß gefasst gehabt hat, doch noch einmal nach Tübingen gekommen. Sie hat sich ja dort auch schon entschlossen gehabt mit ihrer Mutter und dem Garibaldi zum Edgar nach Florenz zu ziehen.

Alfred

Der Alfred, der als Kind mit dem Edgar oft so gestritten und auch zeitenweise seine Mutter sehr geplagt hat, so ein Lausbub, wie der gewesen ist, hat doch ohne viel zu lernen das Abitur leicht geschafft und ist auch Mediziner geworden. Er war im Grunde seines Herzens ja so ein guter Kerle!

Ganz so viel, wie sein Bruder Edgar, hat der sich als Student nicht rumgetrieben, aber trinkfest war er auch! Die Tübinger Wirtschäftle haben unter ihren nächtlichen Stammkunden die Kurzebube lang gehabt! Der Alfred hat in Tübingen und dann noch in München studiert. Er hat sich als Fremdenarzt und Internist in Venedig niedergelassen. Anscheinend hat er es gut mit seine Patienten können und sich nicht bloß, wie sei Edgar, für interessante wisseschaftliche Fälle eingesetzt.

Erwin

Der Erwin, viel ruhiger wie seine zwei großen Brüder, und künstlerisch begabt, hat sich ja in der Schule nicht so leicht getan. Weil er so gut gezeichnet hat, ist er ja nach Rottenburg in die Malschule gekommen. Er war auch musikalisch, so dass der Familienfreund Edouard Vaillant seinem Liebling Erwin von einer Fahrt nach Straßburg ein kostbares Geigle mitgebracht hat. Die Mutter Marie hat beim Hermann seine Freund in München für den Erwin dann einen Studienplatz und einen Logiplatz gesucht und schließlich auch gefunden. Der Erwin hätte dann sollen zum Militär, es gibt sogar ein Fotobildle von dem unter der Pickelhaube, aber vorher hat ihn seine Mutter schnell zu Verwandten über den Bodensee in die Schweiz nach Rorschach befördert, wo ihn ein Onkel in seinem Fabrikle eingeschrieben hätte. So hat der Erwin das Schweizer Bürgerrecht bekommen und ist vom Kommis verschont geblieben.

In München hat er seine Ausbildung zum Kunstmaler begonnen und sich dort auch wohl gefühlt. Aber wie er später nach Florenz gekommen ist, hat er dort die Bildhauerlehre angefangen. Der Prof. Hildebrand habe gesagt, er habe eine große Begabung, und er hat es ja auch weit gebracht, denn der Erwin ist in München Professor und Leiter von der Kunstakademie geworden. Er hat viele Denkmäler im München und anderswo gemacht, später mit seinem einzigen Buben Otto Orlando zusammen auch noch viel geschaffen, was man heute noch sehe kann. Der Bube ist ja leider ganz jung schon gestorben. Die Gräber von diesen zwei große Künstlern in München-Großhesselohe sind nicht mehr da.

Bismarkbüste von Erwin in der Walhalla

Garibaldi

Der vierte und jüngste Bruder von der Isolde war ein Sorgenkind von der Familie. In der feuchten Wohnung unten an der Steinlach, hat dieses Bubele mit fünf Jahren einen schweren Gelenkrheumatismus bekommen, der im Städtle dort als Infektion gerade herum gegangen ist. Beim Garibaldi ist des Gelenkrheuma chronisch geworden und hat auch dem sein Herzle und dem seinem Nierle noch krank gemacht. Immer wieder sind schwere Krankheitsschübe gekommen! Er war öfters in Pfalzgrafeweiler bei Hopfs und dem seine Kinder. Der Doktor Schiler dort war ja so ein guter Doktor. Viel hat man trotzdem noch für die Tübinger Doktors und Apotheker zahlen müssen, obwohl auch der guten Dr. Gärtner dort ihn ja oft noch umsonst behandelt hat. Aber alle Arzneien haben bloß bedingt geholfen. - Zum Unterrichte hat beim Garibaldi sogar der Vater herhalten müssen, aber der war noch weniger ein guter Pädagoge wie seine Frau. So hat man des noch mit Studenten probiert. Der Balde hat dort auch bei diesen immer wieder gestreikt und wollte halt nicht alles lernen, was seine Mutter gemeint hat, was nötig wäre. Biologie, des hat ihn am meisten gefesselt. Er hat etliche Kanarienvögel gehabt. Mit diesen hat er vom Bett aus Konversation treiben können, wenn niemand dort war.

Auch schriftstellerisch hat er sich betätigt, das ist eben doch auch ihm im Blut gelegen. Am Besten hat es ihm aber gefallen, wenn seine Mutter, oder auch die Isolde ihm schöne Bücher vorgelesen haben, was die oft getan haben, vor allem wenn er so arge Schmerzen gehabt hat, auch nachts. Wie viele Nächte die Mutter voll Sorge an dem Bett gesessen ist, oder auch bloß am Fußend vom Bett hängend, schlafend verbracht hat, des hätte der Vater nicht einmal geahnt. Der hat überhaupt nicht mitkriegt, wie krank sei Jüngster war. Man hat ja dem Vater seine Nerven schonen müssen und ihn in Ruhe lassen für seine Schriftstellerei. - Vor allem auch wegen dem Garibaldi seinem Leiden und wegen einer erhofften Linderung für ihn ist die Familie 1877 nach Florenz gezogen.

Florenz

"Frohe Botschaft, Blumengruß vom Lenze
Sendet mir das sonnige Firenze.

Grüße viel aus südlich warmen Zonen
Richten aus mir diese Anemonen.

Sieh sie an doch, Fromme: Wie die blauen
Tröstlich her in dieses Wintergrauen!

Schau sie an doch Bleiche: Wie sie leuchten
Mit den Strahlenhäuptern, mit den feuchten!

Ob die Botschaft richtig wird verstanden?
Auf, hinaus von diesen Winterlanden!

Auf! Hinweg von diesem Schneegetriebe
In das Land der Sonne und der Liebe!

Ob wir beide trotz der Jahre Wunden
Wieder neu und wieder voll gesunden?"

Christian Wagner (A)

Über 70 Jahr war die Fina alt, wie sie mit der Marie und ihre Leuten ausgewandert ist. Das war nicht so einfach. Die paar Brocken italienisch, welche sie als junges Mädle mit dem Mariele in Eßlingen einmal gelernt gehabt hat, waren längst vergessen. Sie hat sich bloß noch mit ihrer Familie jetzt unterhalten können. Ihre netten Hausleute von Tübingen, die Genschowskis hat sie sehr vermisst. In so einer großen Stadt, im fremden Land, weit weg von daheim, des hat Tränen gekostet! Was war das schon für eine weite Reise! - Drei Tage ist man dort nicht aus den Kleidern gekommen. Und Gott allein weiß, ob man seine Heimat noch einmal wieder sieht! Aber was tut man nicht alles aus Liebe! - Die Marie hat es ja wirklich auch nicht einfach gehabt. Ja, der Edgar, der hat sich schon ausgekannt, und die Isolde ist vor lauter Staunen über die schöne Stadt, wo der Dante, der die "Göttliche Komödie" geschrieben hat daheim war, ganz weg gewesen. Sie hat gleich die vielen Geschichtle von diesen Medici studiert und auch alle italienische Novellen, wo sie hat auftreiben können, gesammelt. Das hat ihr neuen Stoff gegeben zum Schreiben.

Die Marie hat bloß so gestaunt über alle die gewaltigen Paläste und die Kunstwerke, wenn sie mit dem Edgar durch die große Stadt gerannt ist und Wohnung gesucht hat. Kurzens haben zuerst bloß zwei Zimmer gehabt und haben in den Wirtschäftle essen müssen. Dort ist aber allen von dem Esse gehörig schlecht geworden. Die Fina hat gedacht, sie müsse sterben. Ein Glück, dass der Edgar Doktor gewesen ist, dann wäre es ihr bald besser geworden. In dem Eckhaus, in der großen teuren Wohnung, 950 Gulden im Jahr hat man 1877 dafür Miete zahle müsse, am Viale Principesse Margherita haben viele Familie gewohnt und die Fina hat dort viele Fenster zum Putzen gehabt. Das italienisch Mädle, welches ihr geholfen hat, die hat sie auch nicht verstanden. - Die Marie meint, es wäre eine pompöse Wohnung. Einen schönen Blick hat man gehabt auf die alt "Fortezza di San Giovanni"; von der Küche aus habe man sogar bis Fiosele hinauf schauen können, aber die zehn Zimmer waren ja eigentlich bloß fünf, denn in Italien zählt man auch die Küche, den Gang und die Kammern dazu. So war es nicht zu groß. Der Edgar hat ein Zimmer gehabt und ein Schlafkabinett mit einem kleine "Paletto", wo er seine Patienten empfangen hat, die Isolde hat ein kleines Zimmerle gehabt, der Garibaldi noch ein kleineres, die Marie hat auf einem Gang geschlafen, ein halbes Zimmerle hat die Fina gebraucht und dann hat es ja bloß noch die große Küche gegeben. Das Hühnerleiterle hinauf im Dach wäre noch ein kleines Kämmerle gewesen , wo bis zur große Hitze der Erwin geschlafen hat.

Was die Marie vom Einkaufen gebracht hat, des war schon interessant, aber bis sie gewusst haben, sie und die Fina, wie man die Sachen kocht, des habe gedauert.

Das schnelle italienisch, welches die Nachbarsleute geschwätzt haben, des haben zwar die Marie und die Isolde bald verstanden, aber einkaufe haben die auch nicht können. Sie haben viel zu viel Geld gebraucht. Alle Tage allein zwei Gulden für den Wein für die zwei Buben. Zwei Gulden und zwanzig Cent habe ein Kilo Fleisch gekostet. Es hat bei diesen jetzt alles vornehmer sein müssen, weil beim Edgar, dem Fremdenarzt so vornehme Kaufleute und Künstler als Patienten im Haus aus- und eingegangen sind.

Dass es dem kranken Balde in der italienische Sonne bald besser gegangen ist, das hat der Fina ihr Heimweh vergessen lassen. Sie ist mit dem Buben alle Tage auf die Höhe in der Umgebung spazieren gewesen. Besonders gefallen hat es dem Buben oben auf San Miniato al monte. Vielleicht hat er auch schon geahnt, dass er da einmal vergraben würde? Auch die Mutter Marie ist immer wieder gern die Treppele dort hinauf gestiegen. Auf San Miniato ist sie oft poetisch geworden:

O duftet Rosen und ihr Nachtigallen.
Laßt mir noch einmal euer Lied erschallen..."

Wie schön waren die Sonnenuntergänge dort oben und der Blick auf die Stadt mit dem große Dom und diesen viele Palästen. Die Marie schwärmt in ihren Briefen davon, und auch wie schön das ist, wenn noch der Vollmond im Osten aufgeht und die Appeninberge in alle Schattierungen von Lila erscheine lässt!

Der Florenzer Neckar, er heißt Arno, ist aber a mageres Wässerle gewesen. Es regnet ja auch nicht viel in dem Italien. Jetzt im September ist deswegen auch nichts mehr grün gewesen und sogar die Bäume waren staubig! Die Leute in dem Ländle allerdings, meint sie, diee wären so feurig, wie ihre Sonnenuntergänge und auch anmutig, aber sie hättet keine Fantasie, keine Märchen, keine Sage und nicht einmal eine lyrische Poesie; die Religion hätten sie abgestreift, aber auch von der Philosophie wolltet die Südländer nichts wissen. Doch ihre großen Männer die täten sie mehr verehren wie die Deutschen! Zu ihre Tierle aber wäre das Völkle mehr wie grausam. Wenn die Marie am Schlachttag zugucken hat müssen mitten in der Stadt, dann hätte sie heulen können.

In der Hauswirtschaft hat die Familie auch umlernen müssen. Früher, am Waschtag, bei der Fina in Deutschland immer nachts, war sie die Herrin, die ihren Waschweibern vorgemacht hat wie man ein Laugenbrühe anrührt und die Wäsche schrubbt. Da hat sie auch alles erfahre, was so in Tübingen gelaufen ist. Hier in Florenz hat sie erst einmal schauen müssen, wie die italienischen Waschfrauen schaffen. Was die alles geschwätzt haben, davon hat sie lange gar nichts verstanden und sie hätte so gerne auch Etwas erfahren.

In der Nähe von der Wohnung war eine schöne Anlage mit einem See. Schwäne, Blumen und interessante Bäume hat der Balde dort botanisch untersuchen können. Er hat auch mit der Fina fest italienisch gelernt. So hat sich die Familie und auch die Josephine in Florenz doch noch eingelebt.

Auch der Erwin ist nach einiger Zeit nach Florenz gekommen. Für seine Kunst war das die Stadt! Er hat ja eigentlich gleich wieder zurück nach München wollen und dort seine Malerei lernen, aber der Prof. Hildebrand hat zu ihm gesagt, er soll doch Bildhauer werden, weil er sich dort so geschickt angestellt hat. So ist auch er in Florenz geblieben. Das war für seine Mutter natürlich eine besondere Freud. Der Erwin ist dann oft zur Fina in die Küche gesessen und dann war es ihr wie daheim. Dort hat er sie auch gemalt, sonst hätte die Nachwelt kein einziges Bildle von der Josephine!

Bald ist der Erwin aber zu seinem Bildhauer Hildebrand gezogen, die Isolde ist sowieso gern und viel bei der Familie im alte Kloster "San Francesco" mit dem große Garten hinter der Porta Romana gewesen (A), und die Marie war mit der Fina daheim wieder allein. Sie haben Heimweh bekommen und die Marie war selig über jeden Brief aus dem Schwabenländle, vor allem von ihrer Freundin Marie Caspert, die sie auch bald eingeladen hat. Der erste Besuch aus der Heimat war der gute Doktor Stockmaier aus Stuttgart. Die Italiener waren alle freundlich und zuvorkommend. Nach den politischen Verhältnissen in Deutschland hat die Marie gewiss kein Heimweh gehabt. Sie meint, "der Heine habe das doch schon vorahnend richtig gesehen. Deutschland wäre jetzt ein Nationalzuchthaus!

Auch die neue deutsche Literatur taugt nichts mehr. Man höre bloß noch norddeutsches Gezwitscher, der Vogelsang im schwäbische Dichterwald wäre völlig verstummt" , meint sie. So versucht sie wohl auch sich selber zu trösten.

Das warme Klima hat der Familie wohl behagt. Was der Marie gefehlt hat, des war halt auch, dass in Italien niemand den Namen von ihrem Dichtermann gekannt hat. So hat sie auch mit niemand von ihm reden können, und dem Hermann sein Grab war halt auch nicht in Florenz, sondern unerreichbar weit weg in Tübingen.

Weil die Marie jetzt auch keinen Zugang zu guter Literatur gehabt het, hat sie sich immer wieder in die alten Briefe von ihrem Mann vertieft, am liebsten hat sie den Briefwechsel zwischen ihrem Hermann und seinem Dichterfreund Rudolf Kausler gelesen. So freut sie sich halt auf die Besuche, die vom Schwabenländle haben gekommen wollen, vor allem auf ihr Freundin. Der schreibt sie auch gleich, wie sie fahren soll, nämlich über München für siebzig Mark mit einem Schnellzug in der dritten Klasse. Man könnt die Nacht durchfahren, aber dann könnte man auf der Strecke nicht das schöne Amphitheater in Verona sehen. Italienisch bräuchte man unterwegs nicht können, denn auf der Strecke gäbe es überall deutsche Hotels.

Bald hat die Familie in Florenz Anschluss gefunden. Vor allem waren das deutsche Künstler und auch Russen, weniger Italiener. Auf dem selben Stock wie Kurzens haben zwei russische Fürstinnen gewohnt. Zur Ludmilla Assing haben sie auch bald guten Kontakt bekommen. Bei der habe man immer ein Sammelsurium von Nationalitäten und Nobilitäten getroffen, italienische Mazzinisten [Giuseppe Mazzini war italienischer Freiheitskämpfer], deutsche Durchreisende, indische Prinzen, aber auch fürchterliche alte Weiber, die zum Teil gesponnen haben! Über der Familie Kurz hat eine italienische verrückte Gräfin gewohnt. Der ihre "Walpurgistaumel" und ihre Geister haben der Isolde gleich Stoff geliefert für eine humorvolle Novelle. Unter ihnen hat ein Bildhauer gewohnt, ein alter Waffenbruder vom Freiheitskämpfer Garibaldi. Dem seine Frau war Malerin. Es hat schon viele interessante Leute gehabt in dem Florenz damals.

Auch wo es ihnen jetzt finanziell besser gegangen ist wie früher hat aber die Pythia immer wieder neue Sorgen gehabt. Vor allem ist auch die alte Josephine jetzt immer wieder krank geworden. Es hat angefangen, als die mit dreiundsiebzig Jahren die schwer Gesichtsrose bekommen hat mit diesen argen Schmerzen. Sie hat dabei auf einer Seit das Augenlicht verloren. Und seit der Gesichtsrose ist die Fina nie mehr ganz gesund geworden, hat aber trotzdem wieder fest mit geschafft.

Auch dem Balde ist es im Winter immer wieder schlecht gegangen. Im Sommer hat die Familie mit dem Balde und auch der Josephine ans Meer nach Ardenza oder nach San Terenzo können, aber nach jedem Weihnachten ist es beim Balde halt wieder schlechter geworden. Am 7. Februar 1882 hat dann das kranke Herzle von dem Buben, trotz der langen liebevollen Pflege, man hat noch wochenlang Tag und Nacht Eisbeutel auf das pochende Herzle gelegt gehabt, aufgehört zu schlagen. Neben der Leiche von dem zweiundzwanzigjährigen Garibaldi hat die Marie die kranke Josephine zusammengebrochen gefunden! Zum Trauern ist der Marie keine Zeit geblieben. Jetzt hat sie mit der Pflege von ihrer treuen Hilfe und Jugendgefährtin zu tun gehabt. An der ihrem Bett hat sie des Versle dichtet für ihren tote Liebling:

Lieb und willkommen ist mir die Nacht,
Nichts kann mir frommen, des Tages Pracht,
Mühen und Sorgen bringt er mir nur,
Hält mir verborgen des Lieblings Spur.
Sie nur ruft innen sein Bild hervor,
Läßt mich gewinnen was ich verlor...
Wie du am Bette bei mir gewacht
Kehr ich zur Stätte dir jede Nacht.
Bis ich dich leite ganz leise fort,
Dann ruhn wir beide im Friedensport...

Schreiben und Dichten war für die Marie jetzt immer mehr ihr Trost. Der Edgar hat bald einen Freund gefunden, den Doktor Carlo Vanzetti. Die zwei haben sich zusammen getan und eine Praxis aufgemacht im Palazzo Buondelmonti, gleich hinter der Ponte Trinita. Die Praxis, der Edgar war ja auch Chirurg, ist so gut gelaufen bis die zwei Cholerajahre die Fremden aus Florenz vertrieben haben. In Venedig, wo ja der Alfred als Fremdenarzt seine Praxis gehabt hat, wäre es aber noch schlimmer gewesen, weil es dort dazu noch Pocken gegeben hat. Die Marie überlegt, ob wohl der Komet Schuld an allen diesen Krankheiten hätte? Im Kosmos müsse schon die Ursache liegen. Aber im Jahr 1886 sind dann doch wieder die Touristen gekommen und haben die Doktoren gebraucht. - Bald hat sich der Edgar dann eine schöne große Villa bauen könne in der Rua Porte Nuove 12, an der Straße nach Bologna. Die Isolde hat auch ihr Geld dazu gegeben, was sie gerade geerbt gehabt hat, und sie hat ja jetzt auch immer mehr verdient mit ihrer Schreiberei.

Pzo Buondelmonti, Praxis von Edgar

Im März 1886 ist von Tübingen ein Brief gekommen, dass nicht Professoren, sondern Tübinger Bürger planen täte, eine Marmortafel ans Voigtsche Haus zu machen. Das hat die Marie sehr gefreut, weil sie in dem Florenz ja mit niemanden über ihren Hermann hat schwätzen können. Sie hat gemerkt, dass ihr Dichtermann doch in der Heimat nicht ganz vergesse ist und das hat ihr gut getan!

Auch aus Reutlingen hat sie vom Johannes Kurz eine Reutlinger Zeitung geschickt bekommen, wo darin steht, dass am 1. Mai Vorstellungen wegen dem Kurz-Denkmal stattfinden täten. Die Marie meint, sie möge aber nicht zu der Eröffnung fahren, weil sie sich so geärgert hat, wie es gelaufen ist mit dem Bezahlen.

Endlich hat der Edgar auch geheiratet, nachdem er schon genügend Freundinnen gehabt hat. Die Rosa Reichert war eine echte Schwäbin aus Vaihingen, die er beim Baden am Meer kennen gelernt hat. Die Isolde ist von einer Reise heimgekommen und hat die Frau vorgefunden. Die zwei allerdings, die Isolde und dem Edgar seine Rosa sind so verschieden wie Tag und Nacht gewesen und haben sich nicht schmecken können. Die Rosa war nicht studiert, aber sie war wohl ein gutes Hausfraule und hat es auch gern nobel gehabt. Die Mutter von der Rosa ist auch immer im eifrige Briefwechsel mit der Marie Caspert gestanden. (A.) Die voraussehende kluge Frl. Caspart rät aber in einem Brief dann der Mutter Reichert dringend ab, sie soll ja nicht meinen, sie müsse nach Florenz fahre.

Sie hat geschrieben, wenn dort zwei Mütter dem junge Pärle Vorschriften machen wollten, dann könnte es bloß böses Blut geben. Und so ist auch komme! Die Marie Reichert hat sich nämlich nicht bremsen lassen. In Florenz haben die zwei Mütter gleich solchen Händel bekommen, dass die Fetzen geflogen send. Alle zwei haben dann der Marie Caspert geschrieben (A) und jede hat ihren Rechtsstandpunkt erklärt. Für die jungen Leute war des auch mehr wie schwierig. Die Frau Reichert war eine perfekte Hausfrau und im Junggesellenhaushalt vom Edgar, wo dem seine Mutter mit ihren Kindern immer mit gelebt hat, und wo es bloß lauter alten billigen Gruscht gegeben hat und eben auch nicht so blitzsauber war und nicht so gemütlich, das hat der jungen Frau Rosa und ihrer Mutter gar nicht gefallen. Der Edgar hat wohl oder übel mitmachen müssen und das junge Pärle hat einen Waschkorb um den andren von dem alte Zeug fortgeschafft. Noble Stofftapeten und teure große Möbel haben sie noch gekauft; der Tisch hat Löwenfüße gehabt, wie das halt damals in Florenz Mode gewesen ist. Jetzt haben sich aber die Mutter Kurz und die Isolde überhaupt nicht mehr daheim gefühlt. - Endlich ist die Mutter Reichert wieder abgereist. Die Mutter Kurz hat sich nicht einmal mehr in die Stube getraut, sondern hat mit der Isolde in der Küche gegessen und sie haben gelitten. Die jung Ehe wäre aber auch nicht so glücklich gewesen. Zwischen dem Edgar und seiner Rosa wäre es erst besser geworden nach einem 1. Mai 1886, wo das Kind Maja da war. Nachts ist der Edgar heimlich immer wieder zu seiner Mutter ins Bett geschlüpft, weil er so ein Mamaschnuggele war und auch gesehen hat, wie seine Mutter gelitten hat. Der Edgar ist ja schon immer der Liebling von seiner Mutter gewesen.

Die Isolde hat bald ihr eigene Wohnung gehabt. Später, wo sie mit ihrer Schreiberei, die "Florentinische Novellen" (A) sind gut gelaufen und auch ihre Gedichte, noch mehr Geld verdient gehabt hat, habe sie sich die ganz schöne Wohnung am Arno in der Via dei Bardi 24 mieten können mit dem Blick zum Dom und zum Palazzo Vecchio. Die Isolde Kurz hat inzwischen als beste deutsche Dichterin gegolten! Sie hat viele Aufträge gehabt und hätte dazu Ruhe gebraucht. Aber ihr Mutter ist doch jeden Tag zu ihr gelaufen, weil sie es nicht ausgehalten hat vor Heimweh nach ihre Kinder. Der Edgar ist halt auch als Doktor den ganzen Tag fort gewesen. Glücklich war die Isolde aber nicht. Sie hat auch, wie ihr Vater, kein Kapital aus ihrem Talent ziehen können, auch wäre sie viel zu gewissenhaft gewesen und hätte oft zehn mal alles wieder umschreiben können. Die Mutter weiß zwar, dass sie ihr Mädle nicht stören darf, aber sie hat mögen nicht so viel allein sein. Wie dort die Isolde einmal wieder richtig narret geworden ist, weil ihre Mutter sie schon wieder gestört hat, schreibt die Mutter in ihr Tagebuch, dass ihr Mädle sie wohl gar nicht mögen täte. Wie die Isolde das später gelesen hat, notiert sie daneben: "Oh du wunderlichs Mütterlein! Dein Kind." Die Marie macht sich halt auch immer wieder Sorgen, um der Isolde ihre Zukunft, weil die halt nicht verheiratet war. Chancen hätte die ja gerad genug gehabt, aber die Isolde hat ja alle Männer immer bloß einen Korb gebe. Wenn sie als Schriftstellerin schlau gewesen wäre, dann hätte die bei der Berühmtheit ein ganz reiche Frau werden können und sich die schönste Paläste bauen können, aber sie war halt die Tochter von ihrem Vater. Aber der war ja noch viel bescheidener und erst heute hundertdreißig Jahre nach dem seinem Tod begreift die Fachwelt ganz langsam, dass der Hermann Kurz einer der begabtesten Schriftsteller im 19. Jahrhundert gewesen ist! (A)

Im Jahr 1880 haben Kurzens die Nachricht bekommen, dass der Bruder vom Hermann, der Ernst Kurz wegen einer Depression sich in Stuttgart-Wangen aufgehängt hat. Da macht sich die Marie natürlich auch wieder arge Sorge, auf wen von ihre Kinder sich die Depressionen von diesen Kurzens vererben könnte? Der Ernst Kurz ist der Marie nach einem Tot vom ihrem Hermann so beigestanden und alle Kinder haben den Onkel auch so mögen. Die ganz Kurz-Verwandtschaft hat eigentlich immer zusammen gehalten. Auch ums Luisle, die immer wieder krank war und die die Marie auch so sehr möge hat, macht sie sich immer wieder Sorgen. Einmal ist die Luis in Italien sehr krank geworden und die Helene Pommer hat sie nach Cannstatt abgeholt. Wie die Helene aber der Marie schreibt, dass sie das Luisle nicht mehr bei sich hätte pflegen können, sondern sie habe sie müssen in die Anstalt nach Winnenden bringen, dort war die Marie außer sich! Ja, das Kurzsche Nervenleiden hat sich leider immer wieder vererbt. Der Vetter Johannes Kurz habe es ja auch gehabt. Vom Hermann seinem Bruder Ernst ein Mädle, schreibt die Marie, hätt an Epilepsie gelitten, die wäre an einem schweren Anfall mit zwölf Jahren gestorben. Das Kind wird überhaupt nicht im Kurz - Stammbaum erwähnt. Ja, so Etwas hat man damals auch zu den Nervenleiden gezählt und tot geschwiegen! - Der Erwin, der am meisten seinem Vater nachgeschlagen habe, hat aber gottlob das Nervenleiden nicht geerbt. Der wäre bloß nie fröhlich gewesen. Die Isolde war auch immer wieder einmal depressiv, aber sie hat selber an sich geschafft und selten eine Behandlung gebraucht. Es war ihr von ihrem Vater her klar, dass man gegen Depressionen kämpfe muss, und dass Arbeit die beste Arznei dagegen ist. Ob der Edgar und der Alfred nicht auch die viele Schwierigkeiten im Lebe wegen Depressionen gehabt haben, wer weiß das? Beide sind ja gute Doktoren geworden und müssten schon von Berufs wegen gewusst haben wie man Schwermutsphasen am besten überwinden kann.

Venedig

Auch de Alfred hat es nach seinem Medizinstudium im September 1878 zu seinen Leuten nach Italien gezogen. Die Berufsaussichten für Mediziner waren in Deutschland damals nicht goldig. Er ist nach Venedig als Fremdenarzt und hat zuletzt im Palazzo Falier schräg gegenüber von der Academia und auch vom Richard Wagner am Canal grande gewohnt, den er ja vor seinem Tot dort behandelt hat, und mit dem er vorher sicher auch öfters am Abend gekneipt hat. Ein Freund vom Alfred, der Pfarrer Elze hat dem lesehungrigen Doktor Bücher leihen könne. Angeblich hätte der Alfred den ganze Faust auswendig können, hat seine Mutter behauptet. Er hat halt ein gutes Gedächtnis gehabt. Der Alfred war auch ein gewissenhafter Doktor, feinfühlig zu den Kranken und hat arme Leute genau so gut behandelt wie die Reichen. - Mit "seiner Frau" war der Alfred nicht verheiratet, die hat vor ihm schon einen andere Mann und einen Buben Guglielmo gehabt. In Italien haben damals schon wilde Ehe ganz gleich wie zahme gegolten, wenn der Vater die Kinder von der Witwe adoptiert hat. Zwei Kinder sind noch aus der Verbindung hervorgegangen, der Tristan und die Isolde genannt "Jole". Vis á vis habe der Richard Wagner seine Opern geschrieben. Auch dem Alfred seine "Ehe" mit der Maria Luisa Fontana soll nicht glücklich gewesen sein, weil die vornehme Venezianerin auf zu großem Fuß gelebt hätte und der Alfred seine Mutter in Florenz immer wieder um Geld hat anbetteln müssen. Vielleicht hat er aber auch zu viel Geld wegen seinem Alkoholbedarf gebraucht? Trotzdem sind die Kinder was geworden. Sein Mädle hat sogar in Padua Kunstgeschichte studiert und den Doktor gemacht und später einen Apotheker Tolomeo Falladore geheiratet. - Denen ihr Mädle hat auch wieder Maja geheißen. Dem Alfred sein Tristan ist zur See gefahren. Die Kinder, wie sie noch klein waren, sind oft in Florenz bei der "Nonna" gewesen, nicht bloß weil sie die Enkele so möge hat, sondern vor allem, dass sie hat schulmeisteren können, weil sie das ja ein Leben lang so gern getan hat und alle Enkel, außer dem Guglielmo, dem Adoptivsohn, auch gut gelernt haben. Auch dem Erwin sein einziges Bubele Otto Orlando hat zuerst die Nonna in Florenz unterrichtet. [nonna it. Großmutter]

Der Josephine ihr End.

"Das was du bist, mich Dir zu eigen gibt.
Die Thaten sinds, die dein Gemüth verzehrten,
Dein goldnes Herz, das meins so innig liebt.

Es ist die Welt so kalt und stumpf geworden,
Wolken schweben überm Erdenrund,
Kriegsfeiern reizen auf zu blutgem Morden,
Wo gibt sich noch ein Laut der Liebe kund?

Doch in tausend Blüthenknospen spriessen
Heb ich, Herz, an heil'ger Liebe reich.
Es will auf alle segnend sich ergiessen,
Die Erde machen einem Eden gleich.

O könnt mein Dank dir reichen Segen bringen,
Mit holden Zauberkräften schmücken dich.
Ich kann nur meine Arme um dich schlingen,
Mein Ohr dir flüstern: Herz ich liebe Dich."

Marie Kurz

Die gute Fina hat über drei Generationen der Familie treu gedient. Sie war keine gewöhnliches Mädle, sondern etwas Besonderes. Schon die Mutter von der Marie, die Wilhelmine von Brunnow geb. Oetinger hat die Fine als Freundin gehabt. Voll gewissenhaft hätte die immer sparsamst gewirtschaftet. Sie war also praktisch, sparsam und auch noch gescheit. Alle Kinder haben sie mögen und auch den nötigen Respekt vor ihr gehabt. Als der Marie ihr Mutter gestorben war, ist sie dem Freiherren von Brunnow in jeder Richtung beigestanden. Die Freunde von der Familie haben das Mädle auch alle geschätzt und respektiert. Die Josephine hat mit der Marie auch noch alles lerne wollen. Sie hat sich für alle Literatur interessiert, wo die Marie gelesen hat, auch wenn die sicher manchmal sehr hoch für sie war. Und wo die Marie sich im 48er Jahr für die Revolution eingesetzt hat, hätte die Fina sich mit in der Marie ihrer Idee hinein gelebt, hat mit denen gejubelt oder gejammert, je nachdem woher der politisch Wind geweht hat. Sogar Lateinisch hat die Fina mit ihrer Marie dekliniert.

Sie hätte aber auch ein robuste Gesundheit gehabt, so mager wie sie war. Alle die Vorteile von der Fina haben auch die Familie vom Graf Dillen in Dätzingen gesehen, denn wie der Graf gestorben war, ist die Josephine von dort als Verwalterin von dem Gut angefordert worden. ao hätte sie natürlich ein ganz anders nobles Gehalt bekommen! Aber nein, die treue Fina hat das Angebot nicht angenommen, denn sie wollte ihrer Herrschaft nicht im Stich lassen. Später, wenn bei Kurzens, wie so oft, Etwas war, hat sie der Marie nicht bloß Geld geliehen, sondern heimlich auch noch ihren ganzen Gehalt oft ins Haushaltsgeld untergebuttert. Sicher ist es der Fina nicht leicht gefallen, mit über siebzig Jahren ihrer Herrschaft noch in des fremde Land nach Italien zu folgen, aber auch das hat sie getan! Die Marie Kurz, welche ja gar keine Hausfrau war, hat erst wie die Fina krank war, gemerkt, was die für ein Perle ist. Einmal in Tübingen, als die Josephine einen bösen Arm mit einer Blutvergiftung gehabt hat, ist die Marie schier hinüber geschnappt, weil sie nicht mehr darüber hinaus gesehen hat. Es war auch wohl das einzige Mall, wo die Isolde einen Rupfeschurz angezogen, Kartoffeln geschält und Gemüse geputzt hat! Der Vater Hermann, wie der das gesehen habe, hat der ein ganz lustiges Gedicht gemacht über sein Mädle. (A.)

In der Marie ihre Tagebücher und Briefe gibt es gar keine negativen Bemerkungen über ihre Josephine und das will was heißen! Vermutlich hat der Fina nicht alles gefalle, was ihre Herrin getan hat, aber sie hat ihr Maul halten können, und hat auch gewusst, dass die Marie im Grund ihres Herzens eine gute Seele ist und sich ja auch ganz aufgeopfert hat. Als die Josephine fünfundsiebzig Jahr alt war, ist die Familie zur Sommerfrische nach San Terenzo. Es hat allen sehr gut gefallen und auch die Fina hat das Meer genieße können, bis sie dort eine schwere Bauchgrippe bekommen hat. Zu der Übelkeit und dem Fieber ist dann eine Gesichtsrose dazu gekommen, die sehr weh getan hat. Sie ist auf dem einem Aug blind geworden. Der Alfred, wie der das gehört hat, ist er aus Venedig gekommen und hat der Fina wenigstens ihre Schmerzen lindern können. Es ist aber nicht besser geworden. Der Edgar, der gerade in München war, ist sogar auch noch gekommen, denn auf dem seine Kunst hätte die Fina noch mehr gegeben. Aber auch der habe die Gesichtsrose nicht weggebracht. Das Weib war so elend. Der Edgar und auch der Alfred haben wieder in ihre Praxis müssen. Man hat also beschlossen, dass man am besten die kranke Fina zuerst mit einem Schiff und dann in einem Schlafwagen von der Eisenbahn nach Florenz bringt. Das war aber ein Fahrt für die Marie mit diesen zwei Patienten, denn der kranke Balde war ja auch dabei! Sie sind aber dann wenigstens daheim gewesen.

Weil die Schmerzen am Aug aber gar nicht aufgehört haben, hat der Freund vom Edgar, der Dr. Vanzetti dann den Augennerv verschnitten. Man hat Angst gehabt, dass die Entzündung sonst auch auf das gesunde Auge übergehen täte. Geholfen hätte die ganz Prozedur allerdings nichts. Der Fina ist es aber nach langer Krankheit schließlich wieder so leidlich gegangen, dass sie hätte stundenweise schaffen können. Aber elend war sie jetzt eigentlich immer. Eines Tages ist der Alfred einmal wieder von seinem Venedig rübergekommen, dort hat die Fine für ihren Liebling ein Göckele gebraten für den Heimweg. Wie der das unterwegs hat vespern wollen, ist ihm ein zwanzig Mark Goldstück in die Hände gefallen. Das war der Fina ihr Notgroschen, den sie in jungen Jahren sich in den Rocksaum genäht gehabt hat! Vor Rührung hätte dort sogar der Alfred geheult.

Es ist bei der Fina noch immer auf und ab gegangen, aber sie hat nicht gejammert. Im Jahr darauf hat sie ein Schlägle bekommen, so dass sie hat nicht mehr schwätzen können. Die Marie hat jetzt zwei Patienten gehabt, denn der Balde hat ja dort auch noch gelebt, und sie ist oft nachts nicht mehr aus den Kleidern gekommen. Wie ihr Bube mit nicht einmal zweiundzwanzig Jahren am 7. Februar 1882 gestorben ist, hat die Marie keine Zeit zum Trauern gehabt, denn jetzt hat sie gewusst, dass es ihre treue Seele auch nicht mehr lang macht. Doch noch über achtzehn Monate hat sie die pflegen müssen, was sie auch rührend getan hat. Nach einem zweiten Schlägle hat dann die gute Fina bloß noch ein paar Wochen vor sich hingedämmert. Eines Tags ist sie ganz wach geworden, hätte herum geguckt und gezeigt, dass sie jetzt dem Hermann sei Buch "Der Sonnenwirt" lesen wollte. Die Marie hat ihr das Buch hingehalten, die Fina habe es freudig genommen, allerdings verkehrt herum gehoben, hätte ein Weile auf das Buch geguckt und es dann verkusst. Darauf ist sie still und friedlich für immer eingeschlafen und der "Sonnenwirt" ist auf den Bode gerutscht.

Des war gerade am 20. November 1883, also einen der Marie und einem Hermann ihrem Hochzeitstag und der Josephine Peterler ihrem siebenundsiebzigsten Geburtstag.

Vergraben hat man die Josephine auf einem evangelische Friedhof "Agli Allori" bei Florenz, wo auch viele deutsche Künstler, wie der Arnold Böcklin, die Gisela Arnim-Grimm, der Karl Stauffer-Bern, der Karl Hillebrand, der Heinrich Homberger, der Theodor Heyse und die liberale Jüdin Ludmilla Assing, die Freundin vom Lasalles liegen. (A.) Es ist ein wunderschönes Plätzle dort draußen auf einem Weg nach Certosa, mit einem Blick in die Berg. Am Tag von der Beerdigung hat die Marie Kurz folgendes Versle für ihr Josephine gemacht:

"Ich stand an deinem Grabe
In tiefer Dankbarkeit,
Die einzige Liebesgabe,
Ich bot sie dir auch heut.

Oh, daß mein Laut noch dränge,
Hinunter an dein Ohr,
Daß sich ein Band noch schlänge,
Um mich zu dir empor!"

Eines Tags, nachdem die Marie von San Miniato runter gestiegen ist, wo sie das schöne Grab vom Garibaldi mit dem Buben seinem Bild und seine Vögel, was der Erwin gemacht gehabt hat, besucht gehabt hat, hätte sie gedacht, jetzt mach ich doch auch noch einen Besuch bei meiner treue Fina. Sie hat müssen ein paar Kilometer zur Stadt hinaus laufen bis sie zu dem schönen kleinen evangelischen Friedhof gekommen ist. Wie war sie dort sprachlos. Die Isolde hat heimlich einen schöne Marmorstein auf des Grab setzen lassen, wo darauf geschrieben war: "Unsere Josephine".

Die Marie hat geheult vor Freude. Ja, die treue Seele hat ihr überall gefehlt. Wenn es einen Himmel gibt, hat die Marie denkt, dann bekommen ihr Josephine bestimmt einen Ehrenplatz! Das hat die Marie getröstet.

Forte dei Marmi

Wir saßen unterm Zypressenbaum
Einsam, in heimlichen Rosen.
Die Finken zwitscherten wie im Traum,
Als blühten gerade die Rosen.

Leuchtkäfer schwärmten um uns her.
Ein neckischer Elfenreigen.
Die Sonne versank im blauen Meer,
Rings nächtlich tiefes Schweigen...

Und jauchzend begann die Nachtigall
Zaubermächtig zu schlagen.
Zuletzt verhallte der Jubelschall
Zu schmelzend süßem Klagen.

Marie Kurz

Der Edgar und der Dr. Vanzetti haben vor dem Marmorberg, wo der Michelangelo sich schon seinen Marmor geholt hat, einen schönen einsamen Sandstrand gefunden, wo sie sich ihre Sommerhäuser gebaut haben. Das war der Anfang von der Künstlerkolonie dort. Damals war ja bloß ein Steg zum Verladen von diesen Marmorsteinen da, wo die Ochsenkarren unter Lebensgefahr vom Berg geholt haben. (A.) - Oben am Berghang in Seravezza steht die schöne Villa vom Cosimo Medici. (A.)

Der Doktor Carlo Vanzetti hat gern halbnackt gebadet. Der Marie haben die braunen Mannsbilder im Adamskostüm gut gefallen. Die Weibsleute allerdings haben weiße lange Gewänder oder Badeanzüge an gehabt. Die Isolde hat neben ihrem Edgar sich ein Haus bauen lassen, wo sie und ihre Mutter noch alle Jahre in den Ferien gewesen sind. Man findet heute das Haus ganz schlecht. Es liegt hinter einer großen Hecke an der Hauptstraße nach Viareggio, aber ein gutes Stück außerhalb vom heutige Städtle und einem Grand Hotel. Daneben ist das "Hotel Blume". Wenn man durch den Zaun schaut, dann kennt man der Isolde ihr Haus an diesen zwei Tonfischle vom Hildebrand, rechts und links von der runden Haustüre. Hinter dem Haus stehen sogar noch alte Bäume von der Isolde ihrem Pinienwald, wo sie selber gepflanzt habe. Das Gartenpflegen im Sommer hat der immer sehr gut getan zur Erholung. Früher waren auch noch Weinstöcke dort, doch von diesen sieht man heute nichts mehr.

Die Isolde hat für ihr Mutter direkt am Meer ein Hüttle bauen lassen aus ein paar Brettern als Rückwand, (A.) rechts und links zwei Stecken und ein Plane drüber gegen die Sonne. Da war es der Mutter mit einem Buch in der Hand am wohlsten. Nicht in Florenz, sondern vor allem hier in dem Forte, dort war die Marie zum ersten mal im Leben so richtig glücklich. Sie ist noch einmal ganz jung geworden. Auch mit 78 Jahr hat sie noch jeden Tag im Meer mit Wonne gebadet.

Am Meer hat die Marie jedes Jahr zuerst im Homer seiner "Odyssee" gelesen. Hier hat sie Gedichte gemacht und schreibt rückblickend ihre Lebenserinnerungen. Auch viele Briefe an ihre Freundin kommen aus Forte. Ganz wunderbar beschreibt sie die Landschaft und das Sommerleben am Meer. Man muss das wörtlich lesen:

"...Ich stehe um 1/2 6 des Morgens auf...Wenn ich dann vor die Küchentüre trete, wenn der leuchtende Eos [griechische Göttin der Morgenröte] mit Rosenfingern emporsteigt, so ein überwältigender Anblick, das ist eine Malerei! Auf den Marmorbergen zartes Rosenrot, die halbe noch leuchtende, abnehmende Mondsichel, die nun blässer geworden gen Süden wanderte, wohl aus Angst vor dem strafenden Sonnengott. - Nachdem ich mir durch alle Poren die Schönheit eingesogen, zündete ich das Feuer an im vorsintflutlichen Herd und "Mütterlein den Kaffee macht," aber sie weckt noch nicht ihr schlafendes Kind, erst wenn sie das Wasser zu ihrem Bad gewärmt hat. - Der Sonnenuntergang ist aber fast noch herrlicher. Mit großer Eile senkt sich der rotglühende Ball ins Meer, dann ziehen für einige Minuten graue Wolken am Horizont auf, wie Trauerschleier über des Gottes Verschwinden. Plötzlich wirft er seinen Purpurmantel aus dem Meer heraus und Himmel und Meer und die gegenüberliegenden Marmorberge strahlen in dem tiefsten Roth. Das ist ein Anblick, der es einem so sehr begreiflich macht, dass ganze Völker wie die Perser und die Inkas Sonnenanbeter waren. Die Abenddämmerung dauert im Süden sehr kurz und der Himmel lässt seine diamantenen Sternenheere aufziehen. Es ist aber gerade auch die Einsamkeit des Strandes - die Abwesenheit menschlichen Treibens, was so wohltuend ist. Mit der Natur allein und ihren natürlichen Kindern. Scharen tausender von Möwen beleben den Strand, die Delphine nähern sich der Küste und halten das Auge gebannt. So sehr ich Florenz liebe, die Stadt der Kunst, mein einsamer Strand ist mir lieber..."

Isoldes Haus in Forte

Die Kinder der Lilith

Mit allen Arte von Philosophie und Theologie haben sich doch die Marie und die Isolde befasst. Es ist anzunehmen, dass sie sogar die jüdisch Mythologie und indische Göttersagen studiert haben, jedenfalls könnte man das meinen, wenn man das wunderschöne Büchle mit der Sprache wie vom Goethe liest: "Die Kinder der Lilith" (A). Die Isolde hat es geschrieben, gerade wo der Halleysche Komet [20. April 1910] so viel von sich reden gemacht hat. Sie hat es müssen tapfer herausgeben, weil es ihrer Mutter wieder nicht hat erwarten können bis die Isolde mit diesen schöne Vers fertig war und selber ein Lilith-Gedicht gemacht hat und überall herumgezeigt. Der Mutter ihr Versinhalt ist aber ganz anders (A):

L I L I T H

Als aus Jevohas Händen der erste Mensch entsprang
Aus aller Welten Enden ein Jubelruf erklang.

Denn hohe Schönheit schmückte dies Gottesebenbild,
Sogar der Cherub blickte, von Staunen ganz erfüllt,

Auf diese Menschenblüte, der Augen blaues Licht;
Denn Neid wohnt im Gemüthe der selgen Geister nicht.

Und aus der Genien Kreise schwebt liebend nun heran,
Ein Frauenbild, tritt Reise zum neuerschaffnen Mann:

"In allen Himmelszeiten bist Dus, der mir gefällt,
Du sollst mich nun begleiten, durch jeden Raum der Welt.

Ich will Dich lehren sehen, die Wunder der Natur;
Ich will Dich lehren gehen, auf selger Geister Spur."

Mit diesem Kusse zieh ich Dich zum Gefährte mir
Und Geistersame streu ich zum Lohne Dir dafür."

So manche Jahre währte der schön geschlossne Bund
Lerngierig er sie lehret und küssend scherzt ihr Mund.

Es schwillt des Hochmuths Ader dem staubgebornen Mann
Erst dünkt er sich Berather Gebieter gar sodann.

Da sieht er hoch erhoben die zarte Luftgestalt.
Und bald ist ihm entschwoben ihr Lebewohl verhallt.

Was er erforscht, gesehen das fällt nun von ihm ab.
Und von den lichten Höhen stürzt er zur Erd' herab.

Verzweiflung faßt den Armen im Herzen bitter Tod:
"Jehova, hab Erbarmen", ruft er, "mit meiner Noth."

Allvater hört sein Flehen und sagt ihm väterlich:
Dir soll ein Trost erstehen, so wie es ziemt für Dich.

Als Schlaf ihn nun umhüllte, zieht er aus seinem Leib
Ein unkluges Gebilde und gibt es ihm zum Weib.

"Die ist Dir ebenbürtig ist Fleisch von Dir und Bein
Dem Götterweibe würdig, kannst Du doch niemals sein,

So mag sie Dir denn frommen Du, sei mein treuer Knecht
Dann soll von ihr Dir kommen ein dauerndes Geschlecht."

x x x

In eines Baumes Schatten im Grase halb versteckt
Da haben sich die Gatten ausruhend hingestreckt.

Nun, ruft das Weiblein heiter, "Sieh, dieser Früchte Pracht,
Hab eine, ohne Leiter vom Ast mir losgemacht.

Und mit den weißen Zähnen sie sogleich in sie biß
Der Mann mit rauhen Tönen sie sogleich ihr entriß.

"Unselge, welch Verbrechen denkst Du denn nicht daran.
Wir dürfen sie nicht brechen, sonst ists um uns gethan".

Doch sie mit heitrem Lachen: "Geh doch, Du Hasenherz,
Laß Dir nicht bange machen, es war ja doch ein Scherz.

Drum laß ihn Dir nur schmecken, so, thue auch wie ich gethan."
Fährt fort noch ihn zu necken. Da beißt er endlich an.

Doch eine Donnerstimme erschüttert nun sein Ohr
Und Gott in seinem Grimme, tritt aus dem Wald hervor:

"Den Bund habt Ihr gebrochen", er sich vernehmen ließ,
"Mein Urtheil ist gesprochen: Fort aus dem Paradies.

Du sollst in Schweiß und Mühen verdienen Dir Dein Brod.
Du sollst die Pflugschar ziehen, sie rettet Dich vor Noth."

"Und Du," spricht er zum Weibe, "Du sollst verdammet sein,
Daß sich dein Kind vom Leibe, nur löst in heißer Pein."

x x x

Wenn nach des Tages Ringen hernieder sinkt die Nacht
Wohlthätge Träume bringen vergangner Zeiten Pracht.

Ein Lichtbild sieht er schweben das winkt ihm freundlich zu.
Sein einzger Trost im Leben
O L i l i t h, das bist Du.

Marie Kurz

Der Isolde ihr schönes Schöpfungsgedicht vom Adam seiner erste Frau, der Lilith, die sich nicht unter den Mann hat beugen lassen, für des sie so harte Kritiken, auch von ihrem Förderer Paul Heyse und anderen hat einstecken müssen, das Buch wäre auch nicht viel gekauft worden, so schön wie das auch geschrieben ist. Die Isolde schreibt dort von der Eva als der zweiten Frau vom Adam, die aus einer Rippe vom Adam gemacht geworden ist, der habe bloß das Hirn gefehlt. Aber die Eva habe voller Liebe den Adam betört, dass der seine erste Frau, die Lilith, wo schwanger gewesen ist, vergessen hat. Denn wie der Adam die Lilith hat unter sich beugen wollen, dort habe sich die das nicht gefallen lassen. Dann habe sogar der Herrgott der Lilith die Himmelsleiter gegeben, damit sie hat in die Walpurgisnächte als ein Engel herum fliege können.

"...Von Adam, dem armen Erdenkloß,
Bau ich durch Lilith eine Leiter
Zum höchsten Sitz des Himmels weiter...
Ihr gab ich keine irdischen Waffen,
Sie soll begeistern, er soll schaffen...
Des Regenbogens bewegliche Habe
Schenkte ich Lilith zur Morgengabe...
Zum tönenden Weltenlicht zu schweben,
Doch nicht allein will sie sich heben,... "

Bloß der Verleger Kröner habe es verstanden, aber den hat natürlich vor allem die schöne Sprache gefallen, gleich wie es dort am Anfang schon steht:

"Was ist in unsern Herrn gefahren,
Daß er in Schöpferwehen braust,
Wie ein Ungewitter das All durchsaust
Und reißt im Wirbel ein Geisterheer
Wie einen Kometenschweif hinter sich her?
Sechs Tage schon müht er sich ohne Rasten,
Hauchend wälzt er unendliche Lasten..." usw.

Am Schluss sagt dann der Gabriel:

"Was ist in unsern Herrn gefahren,
Daß er in Schöpferwehen braust,
Wie ein Ungewitter das All durchsaust
Und reißt im Wirbel ein Geisterheer
Wie einen Kometenschweif hinter sich her?
Sechs Tage schon müht er sich ohne Rasten,
Hauchend wälzt er unendliche Lasten..." usw.

Isolde Kurz

Von de Jahr 1904 und 1905

"Ich hasse dich du tückisch Element,
Das jenen holden Erdensohn verschlungen,
Der fruchtlos gegen deine Macht gerungen,
Die grausam waltend, kein Erbarmen kennt.

Den süßen Liebesbund hast du getrennt,
Das Saitenspiel des Herzens ist zersprungen,
Dein Brausen hat sein Todeslied gesungen
Das seiner Liebe ist sein Monument."

Marie Kurz

Zweiundzwanzig Jahre hat der Doktor bei der Familie nicht mehr herein geschaut. Es ist alle gut gegangen. Die Enkele sind um die Nonna in dem große Haus in Florenz herum gesprungen. Das war die Maja vom Edgar, der Otto Orlando vom Erwin und oft auch noch die Enkele vom Alfred aus Venedig. Dazu sind oft noch Nachbarskinder gekommen, an diesen die Marie auch ihr Schulmeisterei hat treiben dürfen. Die Jugend hat sie im Trab und jung gehalten. Die Marie, alle haben jetzt Nonna [nonna it. Großmutter] zu ihr gesagt, war dort sechsundsiebzig Jahr alt.

Die Isolde hat gedichtet, und der Edgar ist sowieso bloß noch zum Schlafen heim gekommen. Der Erwin ist bald mit seiner Familie nach München gezogen, aber auch der hat immer bloß seine Arbeit im Kopf gehabt. Der Edgar ist ja berühmt geworden durch seine Erfindungen in der Operationstechnik, zum Beispiel die "Kurzsche Nadel". Ob man die heute noch benutzt? Er hat auch viele wissenschaftliche Aufsätze über seine Arbeit geschrieben, vor allem hat er schon die trockene Asepsis ausgeführt (A). Das war damals noch gar nicht selbstverständlich. Sogar kranke Lebern und kaputte Lungen nach Tuberkulose hätte der erfolgreich operiert. Patienten mit kleine Wehwehle hat der Edgar aber nicht mögen. Es haben schon müssen schwere Fälle sein, welche seinen Verstand gebraucht haben. Ein Psychologe war der auch nicht, eher sein Bruder Alfred, der Internist. Der war der menschlichere Doktor. Der Edgar war zwar auch Internist, aber vor allem Chirurg. Wenn der zu de Touristen, dort gibt es ja auch eingebildete Kranke, nett gewesen wäre, dann hätte der sich ein Vermöge verdiene können! Aber auch der war da ungeschickt wie sein Vater! Die Kurzens haben sich alle nicht verkaufen können.

Im Sommer in Forte dei Marmi am Meer, sind die Familien wieder zusammen gekommen. Wie glücklich war die Mutter dort. Man hätte schon länger ein eigenes Haus haben sollen! Viele Besuche sind dort hin gekommen und der Edgar hat neben dran gewohnt. Erholt hat der sich am besten, wenn er zum Schrecken von seiner Mutter bei Nacht und Sturm in seinem kleinen Bootle allein hinaus gerudert ist. Wie hat dort seine Mutter oft Angst bekommen und ihre Isolde gestört und zu ihr gesagt, sie müsste mit einem Fernglas nach dem Boot suchen. Mehrmals ist die Mutter sogar nachts heimlich aus dem Bett und die Treppe hinunter, hat das sechsfach verriegelte Gartentor aufgemacht und ist hinunter an den einsamen Strand. - Wenn die Isolde das gemerkt hat, sann hat sie tapfer hinterher müssen, denn so ein altes Weib hat man ja nicht allein bei Nacht am Meer lassen können. Meist ist der Edgar noch gerade gekommen und die alte Mutter hat versucht das Boot aus dem Wasser an es Land zu ziehen. Der Edgar hat bloß gelacht und seine Mutter ein Angsthäsle geheißen.

Es war im Frühjahr 1904, wo die Grippe in Florenz so herum gegangen ist. Auch der Edgar hat sich bei seinen Patienten angesteckt, ist aber trotz seines Fiebers zu den Patienten gegangen, bis er auch noch eine Lungen- und eine Unterleibsentzündung bekommen hat. Erst jetzt, bei diesen Sorgen um den schwerkranken Edgar haben die Rosa und die Nonna Marie zueinander gefunden. Sie haben abwechselnd am Edgar seinem Bett gewacht. Er hat in dem hohe Fieber fantasiert, und wenn er wach geworden ist, habe er furchtbare Schmerze gehabt und ist am Husten fast erstickt. Sein Doktorfreund Carlo Vanzetti und auch sein Bruder Alfred haben alles probiert, ihm zu helfen, aber der Edgar war ja so zart, hätte keine Widerstandskräfte gehabt und wäre zu abgeschafft gewesen. Auch sein Herz hat dann einfach nicht mehr wollen, so, dass er nach zehn qualvollen Tagen unter furchtbarem Leiden im beste Alter von einundfünfzig Jahren hat sterben müssen. Auch der Erwin war aus München dann gekommen und hat wollen nach der Beerdigung seine Mutter gleich mit sich nehmen, aber die hat nicht wollen. Oben auf dem schönen Friedhof in Florenz-Trespiano, neben dem Krematorium ist dem Buben seine Urne auf einem Sockel aufgestellt worden (A). Oft ist jetzt die Marie dort hinauf. Das hat sie getröstet. Man hat ja auch so einen schönen weiten Blick von dort oben in die toskanische Berge und nach Fiesole hinüber gehabt. Um den Schmerz zu stillen hat das Mutterherz wieder Gedichte gemacht. Die Isolde hat aus dem Edgar seinen vielen Hefter Gedichte rausgesucht und die besten für ein Gedichtbändle (A) zum Druck zusammengestellt. Auch mit dem Edgar seine toskanische Lieder, die nicht lang vor seinem Tot erschiene sind (A) ,hat sich die Mutter getröstet.

Der Freund Hildebrand hat in der "Allgemeine Zeitung" einen schöne Nachruf geschrieben, und die Isolde hat noch dazu einen ausführliche Bericht über ihren Bruder herausgeben lassen (A). Was der Mutter am meisten gegen den große Schmerz geholfen hat, das waren jetzt immer wieder ihre Träume. Wie glücklich ist sie oft aufgewacht, wenn ihr nachts nicht bloß der Edgar gesund und strahlend entgegen gekommen ist, sondern auch wieder ihr Hermann, der Garbildi und sogar die Josephine. Dann hat sie ge dichtet:

Die Dornen überwunden,
Haben sich davon gemacht,
Und die lieblichsten Gebilde
Zaubert mir der Traum hervor.
Heiße Wünsche, sich erfüllten,
Wesen, die ich längst verlor,

Alles darf ich wieder finden,
Meinen Dank dir darzubringen
Traum, ich dir Altäre gründen
Und mit Kränzen sie umwinden,
Bleibe hold mir bis zum Tod,
Tröster nach des Tages Noth.

Der Edgar und der Alfred, welche als Buben oft so sehr gestritten haben und so verschieden waren, haben ja als Männer eine dicke Freundschaft gehabt.

Und so ist wohl auch gekommen, dass dem Alfred der plötzliche Tot von seinem Bruder so zugesetzt hat, dass er innerhalb vom nächsten Jahr auch ganz plötzlich gestorben ist. Jetzt war der Schmerz für die Marie und die Isolde zu viel. Vor allem hat die sich die Isolde noch Vorwürfe gemacht, weil sie ihren Alfred nicht mehr besucht hat. Aber sie hätte ja auch können die alt Mutter nicht allein lassen. Der Erwin, wie der des erfahre hat, ist er gleich von München wieder nach Italien gefahren. Die Beerdigung in dem Venedig, bei stürmischer See vom Canal Grande zur Friedhofsinsel mit der Gondel, das wäre trostlos gewesen! Hinterher, im Alfred seinem Palazzo am Canal Grande war es saumäßig kalt, und der Erwin hat dort nicht einmal Etwas zum Esse gefunden, weil der Mann, welche den Alfred gepflegt gehabt hat, nicht bloß alle Wertsachen, sondern auch noch alles Essbare mitgenommen hätte. Als Bildhauer hat der Erwin doch noch in Venedig, bevor er heim gefahren ist, das Urnenkästle für seinen Bruder gemacht. Da hat er außer dem Namen und den Daten noch folgenden Spruch darauf geschrieben: "Nunc tantum mundi inscius hic bona gaudeo quiete." ["Nun, unwissend von so vielem auf der Welt, erfreue ich mich hier einer guten Ruhe".] Man kann es heute noch lesen (A). Auf der Friedhofsinsel San Michele ist neben dem Krematorium ein Raum, wo alle alte Urnen aufgestellt sind. Es liegen viele Berühmtheiten auf der so wunderschön hergerichteten Insel und die Ruhe und der Friede dort draußen, das tut den Menschen immer gut, früher schon und heute erst recht, wenn man aus dem turbulenten Venedig herauskommt!

Sicher war ja auch die Tochter vom Alfred, die Jole bei der Beerdigung, aber der Tristan halt nicht, weil der mit seinem Schiff in Australien gewesen ist. Wochenlang nach dem tragischen 2. März 1905 hat die Isolde die Karte vom Tristan an seinen Vater in Empfang nehmen müssen und die mit irgend einer Ausrede beantworten. Erst wie der im Sommer schließlich doch noch heim gekommen ist, hat er des Unglück erfahren, dass auch sei Vater noch vor seinem fünfzigsten Geburtstag aus einem Leben hat scheiden müssen.

Alfreds Tochter Isolde Alfreds Urne

Eine Patientin und Verehrerin vom Alfred hat dem seinen zwei Kindern ein Gut auf einem Lido vermacht. Die Jole hat nach der Beerdigung verzweifelt versucht, die Aufsicht dort über das Gut zu führen, obwohl sie nichts von dem Geschäft verstanden hat. Sie war jetzt froh, dass ihr Bruder jetzt endlich dort war. Aber den hat die fürchterliche Nachricht so sehr packt, dass er fix und fertig war und lang nichts hat tun könne.

Die Isolde ist mit der Mutter dann nach Forte gefahren. Beide haben wollen dort zur Ruhe kommen. Das ist aber bloß ein paar Wochen gut gegangen solang der Doktor Vanzetti auch Ferien gehabt hat und dort war. Wie der wieder in seine Praxis nach Florenz zurück gefahren ist, hat die Isolde die Angst gepackt, weil sie jetzt keinen Doktor mehr im Flecken gehabt haben und ihre alte Mutter halt nicht mehr gesund war. So sind noch die zwei auch, trotz dem schönen Badewetter und trotz der Hitze halt wieder in ihr Stadtwohnung nach Florenz zurückgefahren. Die Mutter hat wollen jetzt auch nicht mehr leben und hat zur Isolde gesagt, dass man, wenn sie gestorben wäre ihr Urnenkästle doch neben dem Edgar seins in Trespiano stelle soll, aber die Mutter ist noch lange nicht gestorben. Sie hat wieder gegen den Kummer ihre Träume zur Hilfe genommen und Gedichte gemacht:

Dem langersehnten Wiedersehn
Folgt bald das Voneinandergehn.
Und trifft der Trennung bittern Schmerz,
Dem Dolchstoß gleich das Mutterherz.
Doch mälig taucht ein Trost empor
Die liebe Stimme klingt im Ohr.
Erinnerung malt mir Bild um Bild
Von der Erscheinung ganz erfüllt
Hol ich zurück vergangne Tage
Zeitlos versenkt und ohne Klage.

Der Marie ihre "Religion"

Noch bleibt mir eine kurze Spanne Zeit,
Da nächtge Schatten mälig sich verbreiten.
Ich spreche zu mir selbst: Bist du bereit,
Die Todespfade mutig zu beschreiten?

Da tritt die Frage ernst an mich heran:
Hast du gestrebt dich selber zu entfalten?
Hast du den Deinen Liebs genug gethan?
Und kannst du für den Schnitter reif dich halten?

Nicht weiß ich ob ich jede Pflicht erfüllt,
Ob muthig ich im Lebenskampf gestritten.
Doch eins verklärt jedwedes Menschenbild:
Ich habe heiß geliebt und heiß gelitten.

Die Marie war nicht unreligiös, nein, das kann man nicht von ihr sagen, aber sie war ihr Leben lang ein suchender Mensch. In allen Philosophien, in allen Religionen hat sie geforscht, aber keine Antwort bekommen. Der Schopenhauer hat sie mehr angesprochen wie der Kant. Der tätige Christenmensch, so wie der Hopf und der Buttersack ihr das vorgelebt haben, die waren ihr Vorbild.

"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", war auch ihre Devise, mit der sie jeden Schmerz bekämpft hat. Und es gibt ein Fortleben für die Seele, damit hat sie sich schon nach einem Tot von ihrem Hermännle getröstet. - Mit ihrer Traumdeutungen war sie ihr eigener Seelendoktor. Was der Graf Alexander gesagt hat, als Antwort auf dem Strauß sein "Leben Jesu" das hat ihr auch imponiert: "Der Mann, der seinen Herrn um 30 Silberlinge verraten hat, ist mir noch lieber als der, welcher ihn nun nach 1800 Jahren aus Magistereitelkeit zum zweiten Mal verriete."

Auch in ihrem Briefwechsel mit ihrer Freundin macht die Marie jetzt immer mehr so hochgeistige Überlegungen. So philosophiert die zwei Maries auch über eine mögliche Wiedergeburt. Die Marie Caspert schreibt, dass es die gibt, aber die meint die Wiedergeburt im Himmel. Doch die Marie Kurz antwortet ihre dann, sie wäre halt immer noch ein ringender Faust. Sie schreibt:

"....Auch ich habe mit heißem Bemühen in meinem langen, langen Leben fast alle Systeme der antiken Philosophie bis auf die Neuzeit durchgelesen. Überall traf ich auf unleugbare Wahrheiten und plötzlich klappte es nicht mehr...Die Achillesverse ist überall besonders in der neuen Philosophie, wenn spitzfindige Hypothesen gewissermaßen zu Dogmen aufgestapelt werden und das geschieht immer nur um vorangegangene Philosophen zu belügen....Was Schopenhauer übers Christentum schrieb, war mir aus der Seele gesagt, aber seinen Mystizismus begriff ich nicht, ebenso wenig seine Vorstellung, dass die Seele, oder wie soll ich es heißen, das Denkende mit dem Tod überdauert, so kann es ihn auch ganz überdauern, das muss auf physikalischem Wege möglich sein und nicht als transzendentaler Gedanke. Ich habe die Anziehungskraft Schopenhauers ebenso empfunden wie den Brahmanismus, aus dem er so viel geschöpft hat. - Die ausgedehnte denkende Substanz des Spinoza mit ihren modi leuchtet mir eigentlich am meisten ein, auch kann ich mir bei Euripides philosophischen Versuchen etwas denken: "Der Allgeist und der Menschengeist wesensgleich." Im Tode wird durch die Trennung von den irdischen Elementen der Geist, das Pneuma des Menschen zwar nicht leben in der Weise, wie es in dem Sonderdasein des Einzelmenschen gelebt hat, aber er wird unsterbliches Bewusstsein behalten, indem er in den Allgeist eingeht und mit dem All-lebendigen sich vermischt...Ist jener Drang in uns, das Denkende in uns übers Grab hinaus retten zu wollen, nur ein geborenes Gefühl, eine Intuition, oder ist es nur Egoismus, hat am Ende der Materialismus recht und wir zerstäuben im Weltall?..."

Hin und her irren ihre Gedanken jetzt immer wieder. In einem anderen Brief schwärmt die Marie vom Buddhismus, das wäre doch die reichste und die vollendetste Ethik, eine Religion ohne eine hoffende Belohnung! Die Buddhisten tätet im Gegensatz zu den Christen auch andere Religionen dulden. Sie vergleicht diese ihre Ansichten sogar mit de Griechen, wie einem Epiktet, der auch eine Verneinung vom Ich gefordert habe. Sie meint dann aber, vielleicht wäre das doch auch gegen die Natur vom Menschen. Höchstens in der Mutterliebe könne so was möglich sein. Dann philosophiert sie wieder mit einem Goethe, der gefragt hat: "Was täte die Masse mit dem Folgenleben?" Und der deshalb eine Unsterblichkeit bloß für sich und andere hohe Geister wollen hat. Aber das, meint die Marie, selber Geistesaristokratin, wäre doch ungerecht.

Vom Christentum hält sie gar nix, bloß das alte ewige akzeptiert sie, aber ohne das lieblose Dogma von der Hölle und der tränenreichen Sündhaftigkeit. Der Buddhismus gefällt ihr deswegen besser. -

Mit der Natur war die Marie verbunden, wie der Warmbronner Bauerndichter, der Christian Wagner. Die zwei haben sich zwar nicht gekannt und sind auch aus vollkommen verschiedenen Familien gekommen, aber in ihrer Liebe zu den Tierle und den Pflanzen wären sie einig gewesen. Warum auch fühlet bloß so wenig Leute, fragt die Marie, ein Liebe für alles was lebt und atmet?

Die Marie fragt aber auch wieder, warum in der Natur die Gesetze so grausam wären? Manche Leute mache es zwar gar nichts aus, die könnten überhaupt nicht mit den Tierle mitfühlen und schlagen ihre Viecher, sperren sie in enge Ställe und bringen sie brutal um. Deswegen ist ja die Marie schon als Kind eine überzeugte Vegetarierin geworden und das auch ihr Lebe lang geblieben. Sie fragt sich, warum wohl die Natur so brutal wäre und sich gegenseitig fresse täte?

Im Haus in Forte hat es einmal Mäuse gehabt. Die Marie hat die Mäusle lebendig gefangen und dort auf einem Dachboden wieder laufen lassen. Die haben dann aber dort oben ein herrliches Leben gehabt und Kinder und Kindeskinder bekommen, dass es der Isolde doch zu bunt geworden ist. Wohl oder übel hat die Mutter dann zulassen müssen, dass eine Katz, welche die Isolde eines Tages heim gebracht hat, auf den Dachboden hat hinauf dürfen.

Es ist einfach doch jammerschade, dass die gescheite Marie Kurz in Tübingen keine Vorlesungen von einem Prof. Küng und andere heutige Theologen hat hören könne. Da wäre ihr sicher das Herz aufgegangen und sie hätte zur Kirche ein besseres Verhältnis bekommen. Dann hätt sie sicher einmal die "Bergpredigt" in der Bibel gelesen und hätte es verstanden. So hat sie sich mit allen ihren Zweifeln und Fragen ganz allein herum plagen müssen und hat im ganzen Leben niemand gefunden, der ihr das richtig hat erklären können. -

Und der Marie ihr Mann Hermann, wenn der heute im Stift in Tübingen bei einem Prof. Jüngel und seinen Leuten gewesen wär, mit Mädle unter einem Dach hätte schlafen dürfen und die freie verschiedene Ansichten hören, wäre der wohl so ein Dichterpfarrer geworden wie sein Freund Mörike oder gar ein Theologieprofessor? Wäre er gesund geblieben ohne Existenzsorgen? Aber ob der dann die rot' Marie Brunnow als Frau genommen hätte? Vielleicht wären heute auch beide überzeugte Atheisten so wie viele gescheite Leute. Wer weiß das? Auch ihr Tochter Isolde ist, wie ihre Mutter, mit viele Fragen und Zweifel alt geworden. In ihrem letzten Jahren hat die immer mehr ihren jungen Vetter Heinrich, der Pfarrer war, um Rat gefragt. Es war schon in der Zeit vom "Dritten Reich". Man hat sie, die ja politisch in ihrer Jugend überhaupt nicht interessiert war, zu den Nazis gezählt, weil sie Gedichte gemacht hat, wie ihr schon 1914 berühmtes "Schwert aus der Scheide", und weil sie halt als berühmteste Dichtere von Deutschland dann gemeint hat, sie muss den Hitlergruß und alles von damals mitmachen. Also, die von Zweifel geplagte alte Frau, hat mit ihrem Vetter vor ihrem Tot viel diskutieren müssen. Der Vetter hat ihr dann sogar versprechen müssen, dass sie doch einmal ein christlichs Begräbnis bekomme. Weil aber 1944 bei hohen Persönlichkeiten, wo viele Nazis zur Beerdigung gegangen sind, keine Pfarrer ein Beerdigung haben halten dürfen, hat der Vetter Mohr zu Reutlingen im Krematorium die christliche Feier für die Isolde Kurz gehalten.

Gibt es heute noch Nachkommen von der rot' Marie?

Wie wir schon wissen ist dem Alfred sein Tristan Seefahrer geworden und auf der ganze Welt herum gekommen. In Spitzbergen hat der einmal einen schweren Unfall erlitten. Sei Segelschiff ist gekentert und der Schiffsmast hat den Tristan am Kopf getroffen. Gottlob ist er noch einmal davon gekommen.

Er hat später eine Venezianere, die Clementina Annetta Tartarini geheiratet und sie haben drei Kinder bekommen.

So leben heute noch so etliche Nachkommen vom Hermann und der Marie Kurz in Italien. Ein Urururenkel heißt sogar nach seinem Ahn wieder Hermann Kurz, ein echtes kleines Italienerle und ist in Forte dei Marmi daheim.

Ein alter Mann in Forte dei Marmi kann uns heute noch von seiner ersten Frau erzählen. Es war die Carmen Sylva geb. Kurz. Die ist von der SS willkürlich mit anderen Frauen zusammen vor den Augen von ihre Kinder beim Feldgeschäft 1944 erschossen worden. Trotzdem sind die Italiener zu ihren Reutlinger und Tübinger Kurz-Verwandte freundlich. Der Bube von dem alten Mann ist heute ein großer Geschäftsmann in Forte, hat selber den Kurz-Stammbaum gemalt und auch der Isolde ihren Nachlass dort gesammelt. Seine Schwester lebt in Florenz und der ihr Bub hat von Hand auf italienisch ein Buch geschrieben über alle seine Kurz-Vorfahren.

Der it. Hermann Kurz Carmen Sylvia Kurz Fam. Carlo Barberi Erwin, Tilla und Otto Orlando

Das Frauenstift in Stuttgart

Obwohl nach dem Tod von ihren zwei Buben die Marie noch sehr alt geworden ist, man sieht es auch auf den Bildle, hat sie sich immer wieder aufgerafft und sich gesagt, dass sie für die Lebenden, vor allem für ihr Isolde dort sein muss. Mit Lesen und Schreiben hat sie ihren Schmerz verdrängt, hat sich für die Nacht schöne Träume gewünscht und war im Traum noch mit allen diesen Lieben wieder verbunden.

Ihr Freundin Marie Caspert ist mit 74 Jahr in Stuttgart ins Frauestift (A) in die Bismarck-Straße gezogen. Den schöne Antwortbrief von der Marie Kurz wegen dem Frauenheim muss man wörtlich wiedergeben:

"Liebe Marie,... ..."Ist denn hinlänglich in dem Frauenstift für Dich gesorgt? Ist so ein Frauenstift teuer und bist Du so ganz frei in Deinen Handlungen? Ist das Zusammensein mit so vielen weiblichen Wesen nicht unangenehm? Ich wäre lieber mit so viel Männern zusammen. Die Absonderung der Geschlechter scheint mir auch im Alter unpassend...Beunruhigt hat mich übrigens, daß die Kost in Eurer Anstalt sehr schlecht sein soll. Es lebt hier ein Bildhauer Lang, dessen Schwägerin auch in Deinem Frauenheim ist und die oft sehr unterernährt hier ankommen soll. Ihre Schwester sagte das mir. Was mich aber noch mehr an Dir schmerzt, das ist der Mangel an männlichem Umgang.- Weshalb kommt nicht einmal ein reicher Mensch auf den gesunden Einfall, eine Anstalt zu gründen, wo die eine Hälfte für unverheiratete der Stille bedürftige Gelehrte und Dichter bestimmt ist, die dann mit der andern Hälfte der Frauen gemeinsamen Mittagstisch hat, sodass sie nach Wunsch ungenierten Umgang haben könnten. Nur dürfte allerdings kein Klavier gespielt werden, denn vor den barbarischen Klängen des Klavierspiels fliehen die Musen.- Hermann, der so musikalisch war, nannte die Klavierspieler nur die Klavierbestien.... Da in Stuttgart viele öffentliche Vorlesungen stattfinden, so hoffe ich, dass Dir diese zugänglich sind. Lieber ginge ich in ein Mönchskloster als in ein Frauenheim, aber Du bist eine Märtyrerin der Schwesternliebe - eine Art moderne Antigone und dieses Bewußtsein hebt Dich über alle die Folgen Deiner Handlung hinweg..."

Marie Caspart im Frauenstift

Der Marie ihre letzten Jahre

Marie Kurz

"Der schlechtste Maler auf der Welt,
Der nur so schmiert, wies ihm gefällt,
Das ist mein Spiegel, leider!
Er zeigt mir ein uralt Gesicht,
Doch glaub ich diesem Pfuscher nicht,
Mein Herz ist viel gescheiter.

Das weiß recht wohl, wie jung ich bin,
Der Freuden fähig noch mein Sinn,
Wie ungebeugt mein Streben.
Weiß ich die Lieben nicht in Not,
Vor keinem Ungemach bedroht,
So ist mir süß das Leben."

Das Leben ist weiter gegangen. Die Isolde hat sich in ihre Arbeit gestürzt und hat die Mutter ermuntert, doch auch zu schreiben. So sind viele Versle und ihre rückwirkende Tagebücher entstanden. Die Isolde hat die für ihre Bücher auch verwendet. Gottlob waren die Augen von der Mutter noch so gut, dass sie hat lesen könne, bloß ist sie in Italien schwer an deutsche Literatur gekommen.

Am Liebsten hat sie aber immer wieder in den alten Briefen von ihrem Mann und natürlich auch in dem seine Bücher gelesen. Im Sommer, sobald die Isolde und ihre Mutter wieder am Meer in Forte dei Marmi waren, hat sie zuerst im Homer seiner "Ilias" geschwelgt. Das war doch für sie das Höchste. Troya und Forte war im Alter für die Marie eins, Hauptsache das Meer hat gerauscht.

Wegen der Politik hat sich die rot' Marie jetzt auch nicht mehr aufgeregt. Wie ihre Freundin sie fragt in einem Brief 1908, was sie als Bismarckgegnere auch sage täte, dass ausgerechnet ihr Sohn, der Professor Erwin Kurz jetzt für die Walhalla (A) dem seine Büsten modelliere täte? Da antwortet sie der, dass sie ihrem Buben nicht dreinreden darf, wenn der so einen guten Auftrag bekommt, was ihm Geld und auch Anerkennung bringe täte. Als Künstler stünde der ja sowieso auf einem ganz andere Standpunkt wie sie. Vor dreißig Jahren hätte sie sich allerdings schon aufgeregt, aber heute, wo sie sich sowieso nicht mehr um deutsche Anschauungen kümmern täte, wäre ihr das sogar egal.

Viel aufregender als alle Politik war für die Marie jetzt das furchtbare Unglück mit einem Zeppelin (A) und wie das hat passieren können! Sie freut sich, dass die Opferfreudigkeit für weitere Forschungen in der Raumfahrt so groß wären und verfolgt den Werdegang voll Spannung in der "Allgemeine Zeitung". Wie gern hätte sie den Zeppelin doch selber gesehen, der so schön über Stuttgart gekreist ist.

In dieser Zeit waren auch furchtbare Erdbeben in Italien. Ausgiebig werden die von ihr geschildert. Wie viel Not und Elend haben die über ihr geliebtes Italien gebracht! Auch in Forte und in Florenz habe man die großen Bebe gut gespürt und wäre tagelang nicht mehr aus den Kleidern gekommen. Dass bei dem gewaltige ersten Beben 100 000 Menschen umkomme sind und so viele ihr Hab und Gut verloren haben, dazu noch in Italien so viele unersetzliche Kunstwerke für immer verloren waren, das muss furchtbar gewesen sein, wie sie schreibt. Und viele Nachbeben hätte es damals gegeben. Sie hat jetzt Angst gehabt, dass der ganze Planet Erde in Stücker verrissen wird. Seitenlang philosophiert sie dort wieder.

Im Jahr darauf beherrscht dann das Erscheinen vom Halleyschen Kometen und von noch zwei anderen Kometen monatelang ihr ganzes Denken und Schreiben (A). Unbedingt müsse sie die Kometen sehen; vorher will sie nicht sterben. - Im Jahr 1909 ist es der Marie nämlich gar nicht gut gegangen. Sie war ja auch immerhin schon dreiundachtzig Jährle alt. Auch ihr Gehör hat noch mehr nachgelassen gehabt, aber sie meint, wie gut wär es doch, dass sie nicht wie andere Weiber im Alter bloß Karten schlagen und stricken wollte, sondern lieber lesen.

Der gute Dr. Vanzetti ist jeden Abend bis zehne bei der Marie und der Isolde gesessen. Mit dem habe man gute Gespräche geführt. Der hat ihnen auch erzählt, dass es in Italien jetzt schon viele weibliche Professoren gäbe und die Mädle immer mehr in die Gymnasien drängen täten. Solche Nachrichte waren für die Marie und ihr Isolde ein guten Medizin.

Die Isolde hat damals auch sehr unangenehme Sache machen müssen, wie zum Beispiel der Mutter alle Tag einen Einlauf gegeben. Ds war nicht gerade schön, aber ärztlich verordnet. Eine dreiviertel Elle lange Spritze wäre das gewesen , was die Isolde der Mutter in den Leib getrieben hätte! -

Doch es hätte auch wieder Schönes gegeben und liebe Besuche wären gekommen, wie der Dr. Schiler aus Calw, der Luis ihr Bruder Felix und die Helene Pommer, wo die Isolde so sehr mögen hat, und überhaupt jede Menge Verwandtschaft ist immer wieder und öfter nach Forte dei Marmi gekommen, obwohl nach diesen schweren Erdbeben die Preise in Italien sehr gestiegen sind.

Im Oktober 1910 wäre das schöne Iskia immer noch nicht wieder aufgebaut gewesen, schreibt die Marie.

Alles, was über die Kometen geschrieben geworden ist, hat die Marie lesen wollen, obgleich sie die wissenschaftliche Berichte ja sicher nicht alle verstanden hat. Voll Spannung wartet sie auf das Ereignis. Sie habe ja keine Angst vor einem Halleyischen Kometen, weil der ja alle vierundsiebzig Jahre erscheinen täte und die Welt bis jetzt noch nicht unter gegangen wäre. Doch wie es im April 1910 so arge Hagelwetter gegeben hat, dort schimpft die Marie, dass bloß der Komet an dem verrückten Wetter schuldig sein könne.

Am 19. Mai wartet sie dann auch voller Spannung auf den Zusammenstoß von diesen Kometen und hat dann doch Angst bekommen. Sie schreibt, wenn sie dabei sterbe täte, wär es ja nicht schlimm, Hauptsache sie könnt vorher noch das Schauspiel beobachten.

Gefreut hat sich die Marie ganz arg, wie sie aus Tübingen erfahren hat, dass der Hölderlin im Botanische Garten so ein schönes Denkmal bekommen täte (A). Sie habe auch erfahren, dass der Mörike und der Hauff auch verherrlicht werden sollten. Das wäre gut, weil ja die Gegenwart keine rechten Dichter mehr hervorbringen täte, meint sie.

Wie es dann wieder Winter geworden ist, sind die Marie und die Isolde, wie schon die letzten Jahre, nach München gereist, um dort den Winter zu verbringen. Die Marie hat dem Hermann seine "Schillers Heimatjahre" gelesen und auch die Biographie von ihrer Isolde über ihn. Im Frühjahr 1911 ist es der Mutter aber immer schlechter gegangen. Jetzt haben alle gemerkt, dass die es wohl nicht mehr lang macht. Aber der Marie ihr Tot ist noch ein langer Kampf geworden. Das Herz, welches mit so viel Strophanthin behandelt geworden ist, war stark, so dass es immer weiter gepumpt hat. Die Isolde hat Koffer packe müssen, weil ihr Mutter immer wieder gefragt hätte, wann sie denn endlich wieder nach ihrem geliebten Italien fahren täte? Dann hat die Isolde einmal, wie die Mutter geschlafen hat, das Bett ganz mit grüne Zweigle umstellt und der Pflegerin ein paar Brocken Italienisch beigebracht, dass ihre Mutter, wenn sie aufwacht meint, sie wäre jetzt wieder in ihrem Forte.

Die Isolde war immer froh, wenn sie in München durch den Erwin und sein Tilla mit der Pflege entlastet war. Sie hat im letzten Jahr auch nicht mehr können. Das ist einfach schon zu lange gegangen. Die Tilla und der Erwin haben die Mutter aber gut pflegt und sind die letzten zwei Wochen Tag und Nacht an der Nonna ihrem Bett gesessen. Die Isolde ist zwar alle Tage kurz rüber gekommen und hat sich überzeugt, dass alles in Ordnung ist, hat auch ihre Mutter immer wieder fest in den Arm genommen, aber meistens hat sie gleich heulen müssen und ist noch schnell wieder gegangen. Oft habe sie noch nicht einmal mehr den Hut herunter getan, weil sie gewusst hat, sie hält das nicht mehr aus, die Not noch länger zu sehen.

Der guten Doktor Schiler ist auch noch eimol nach München gekommen und hat gesehen wie aufopfernd die Tilla ihre Schwiegermutter pflegt hat (A).

Am 26. Juni 1911, gerade als die Isolde ihr Mittagsschläfle gemacht hat, haben der Erwin und sein Tilla die Nonna gehoben, wie sie sich noch einmal aufgebäumt hat bevor sie schlaff in ihre Kissen zurückgefallen ist. Jetzt endlich hat der Mutter ihr Geist sich von dem alte runzligen Körper trennen können.

O denket meiner nicht im Schmerz.
Mir sollen keine Thränen rinnen.
O möchtet ihr in Lust und Scherz
Stets meines Wesens euch entsinnen.

Zwei Tage später hat die Isolde der Marie Caspert ein Kärtle geschieben. Dort steht drauf:

"Liebe Marie! Am 26. Nachmittags ist das Mütterlein nach schweren Kämpfen von uns geschieden. Freitag Vormittag findet in Ulm die Einäscherung statt.
Deine Isolde.
Theile es Du den Freunden mit, wir verschicken keine gedruckte Anzeige.
" (A)

Die Isolde hat unter der Mutter ihre paar Sachen in München ihr letztes Gedicht gefunden, das war extra für sie gemacht:

Posthumes

Ich bin bei Dir, wenn ich auch längst vermodert,
Die Liebe, die so heiß in mir gelodert.
Sie konnte mit dem Tode nicht vergehn.
Nicht suche mich in fernen Himmelsräumen,
Ich komme nachts zu Dir in Deinen Träumen
Als Hauch der Liebe werd ich Dich umwehn.

Ich bin in Dir, Du kannst mich immer halten,
Ich folge keinen höheren Gewalten
In Dir nur such ich die Unsterblichkeit.
Geliebtes Kind, verbanne Deine Klagen,
Denn das, was sie von mir hinausgetragen,
Das war ja längst schon ein verbrauchtes Kleid.

Weil in Ulm der Marie ihre Totenfeier in dem Krematorium so drostlos gewesen wäre, deswegen hat ihr Isolde später noch ein hellenische Totenfeier an Allerseelen in Forte dei Marmi veranstaltet. Sie hat der Mutter ihre Kleider und sonst noch ein paar Gerümpel im Garten mit wohlriechendem Pinien- und Zypressenholz aufgeschichtet, hat Lorbeerzweige oben drauf gelegt, alles mit Öl übergossen und verbrannt. Das hat ein große Flamme gegeben und der Rauch ist weit auf es Meer hinaus gezogen. Die Isolde meint, wenn der Mutter ihr freigewordener Geist noch einmal sein geliebtes Italien besucht hat, dann wär es gewiss an dem Abend gewesen.

Die Mutter Marie hat es prophezeit gehabt, dass die Isolde den Briefwechsel mit ihrer Freundin Marie Caspart weiterführt (A). Das wird zwar im Laufe der Jahre immer weniger. Die Marie Caspert ist zweiundneunzig Jahre alt geworden, hat also die Marie Kurz um zwölf Jahre überlebt; sie hat noch den ersten Weltkrieg mit allen Folge mitmachen müssen und das hätte die Nonna wohl nicht mehr verkraften könne, weil dort zwei von ihren Enkeln sich als Soldaten feindlich gegenüber gestanden sind, einer auf deutscher und einer auf italienischer Seite.

Der Mutter ihre Urne hat die Isolde bei sich behalten und später mit nach Tübingen genommen. Da liegt sie jetzt neben der Isolde, drei Gräber weiter weg von ihrem geliebte Dichtermann Hermann. Wenn sie sich auch gewünscht hat, einmal oben neben ihrem Edgar in Trespiano über Florenz zu liegen, hier neben ihrem Dichtermann und ihrem Mädle ist es ihr bestimmt am Allerwohlsten! Ihr alter Freund, der Karl Mayer, wo keinen Grabstein mehr hat, liegt ja neben dem Silcher, also auch bloß ein paar Meter weiter. Und wenn die Marie ihren geliebte Hölderlin besuchen will, braucht sie bloß ein paar Schrittle den Buckel hinab.

Bei einem Besuch auf dem schönen Tübinger Friedhof hört man jetzt immer wieder das alte Glöckle läuten. Aber nicht bloß Hölderlin, Uhland, Karl Mayer, Silcher, Wildermuths, Kurzens und andere Berühmtheiten lieget ja dort. Nein, auch viele Soldätle und viele Bürgersleute, wie es in dem schönen Büchle vom Helmut Hornbogen geschrieben geworden ist. Und auch der liegt ja leider schon unter dem Boden, obwohl er noch gar nicht alt war. Keiner weiß, wann sein Stündle schlägt, darum soll man sich beizeiten innerlich und äußerlich darauf vorbereiten.

Jetzt, ganz neu, seit dem Januar 2002 ist der Friedhof wieder für alle offen und jeder Tübinger, welcher will, kann sich dort begraben lassen, unter denen schönen alten Bäumen, wo ihm die Vögele noch jeden Morgen und jeden Abend die schönsten Liedle singen.

Grabmahl von Marie und Isolde Kurz

Quellennachweise

Die meisten Hinweise stammen aus Marie Kurz Tagebüchern und Briefen an ihre Freundin Marie Caspart (Waldfegerlein) Deutsches Literaturarchiv Marbach Nr.53.1581 und 53.1584. Dazu kommen Hinweise aus dem Katalog zu Hermann Kurz 175. Geburtstag aus dem Stadtmuseum Reutlingen 1988. Andere Unterlagen sind von Archiven und Kirchenbüchern, wenig aus den Werken von Hermann, Isolde und Edgar Kurz.

Abkürzungen:
STA = Stadtarchiv  -  STM=Stadtmuseum,
HSTA=Hauptstaatsarchiv in Stuttgart,
DLA=Deutsches Literaturarchiv Marbach
E=Esslingen, R=Reutllingen U=Ulm, K=Kirchheim, Tbg=Tübingen,
Ro=Rottenburg/N. Mü=München, Fl=Florenz, MdS=Mohr de Sylva
Literatur:
Tagebücher und Briefe an Marie Caspart von Marie Kurz geb.von
Brunnow aus dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach Nr. 53. 1581
Stadtmuseum Reutlingen Katalog zu Herm. Kurz 175. Geburtstag 1988
Bauder, Karl "Ein Vergessener: Karl Mayer"
Blos, Anna "Frauen in Schwaben" 1929 Silberburg
Blos, Wilhelm "Die dt. Revolution" 1893 Dietz Stgt.
Goll, E. "Heimatbuch der Gemeinde Zell"  Stgt.1970
Härtling, Peter  "Hölderlin" Kiepenheuer u.Witsch 1999
Hornbogen, Helmut "Der Tübinger Stadtfriedhof" Tagbl.- Verl.
Hornbogen, H. "Tübinger Dichter-Häuser" Tagbl.-Verlag 1999
Lotter, Gerhard "Gemeinde Illerkirchberg Informat." Oberkirchberg
Mett, Rudolf    "Berühmte  Königsberger"    Stadt Königsberg 1973
 "     "        "800 Jahre Königsberg/Bayern" St. Königsberg 1980
Nodnagel, A."Alexander von Württemberg, sein Leben und sein Werk"
                Diss. 1925 im DLA Marbach
Sauer, "Der schwäb. Zar" S.391
Scherr, Joh. "Vom Zürichberg" Leipzig 1881
Steinmetz-Rothmund "Marquarthei" aus Tübinger Blätter 1979
Uhland, Emilie "Ludwig Uhland, eine Gabe für Freunde"
                                       Cotta 1865
Wagner, Christian, Ges. Dichtg. Schwäb.Schillerverein 1818
        und Jürgen Schweier-Verlag Kirchheim/Teck
Walter, Eva "Isolde Kurz und ihre Familie" Stieglitz 1996
Zeeb, Friedr."900 Jahre Kirchengeschichte Bad Liebenzell" u.a.
                            Anmerkungen
Seite
5      HSTA Stgt Militärakte E 297 Film: 6,5.64 und
       Militärarch. Kreisarach.Rems-Murr, H.Wannenwetsch
5      Mett, Rudolf "Berühmte Königsberger Gde.K. 1973
5      Mett, Rudolf "800 Jahre Königsberg/Bayern" 1980
5      STA Ulm  Adressbuch von 1830  u. a.  STAU
6      Kath. Pfarramt Illerkirchberg, Fr. Eisenmann
7      STA Ulm
8      STM Ulm Museumsfiguren von Septimus Rommel
9      STM Rtlg. Elfenbeinminiat.v.August und Wilh.v.Brunnow
10     HSTA Stgt Militärarchiv Dr. Moegle - Hofacker,
12     HSTA Stgt Militärakte E 297 Band 141, siehe Bild
12     Ob es ds.große Helmut von Moltke war, der
       im Schwäb.Tablatt v. Jörg Bischoff 26.10.2000 geschildert?
13     Dätzingen, heißt heute Grafenau-Dätzingen
19     STA Stgt. B 4537 Frau Schaaf Bopserbrünnele,
       beliebte Stgt.Flaniermeile mit Brunnen zum Trinken.
19     STM E. PK 1470  Zeller Brünnele
       Alte Leute in Zell bestätigen heute noch die Heil-
       kraft des Holbrunnens für Magenleidene.
19     STA Ulm
21     Gde. Wendlingen, früher Unterboihingen
22     STA E. Dr.Bernhardt u. Sonnenstuhl-Fekete
24     HSTA Karlsruhe  Die "Deutschkatholiken"
       Die deutsch-katholischen Nationalkirche 1844-1854,
       gegründet vom Joh. Rone, schlesischer Kaplan
25    "Schillers Heimatjahre" von Hermann Kurz
       Erstausg.1843 bei Franckh u. Katalog S.68-82
      "Sämtl.Werke in 12 Bd.durch P.Heyse u.H.Fischer
26    "Tristan und Isolde von Gottfr.von Straßburg"
       Übertragen von Herm.Kurz  Rieger 1844, Becher 1847
26    "Der Beobachter" Oppositionszeitung zur Rev.Zeit
       Herausgeber Adolph Weisser und Hermann Kurz DLA
27/28  Eßl. Schnellpost 30.12.1848  Gedicht von Marie
       "Gradaus" Nr.20 v.19.5.1866 DLA Katalog S.176
29     Reutlinger Katalog u. LTT
29     DLA  Asperg und Frankfurt (Bild-Postkarten)
35     Hochschwanger stand M.K. vor dem Schöffengericht
       wegen einem Gedicht in einer sächsischen Zeitung:
       "Kinkel frei" wegen Majestätsbeleidigung s. Tageb.
36     Ev.Pfarramt und Gde.Verwaltung Bad Liebenzell
36     Landesamt für Denkmalpflege, Geburtsh.v.I.K. Bild
36     Das Königsbad Stgt.Lithogr.Heimatmus.Ludwigsbg. Bild
36     "Die beiden Tubus" von Herm. Kurz aus
       Erzählungen v. H. Kurz  Franck 1859 u.1899
       Reclam Nr 3947 Seite 126 ff 37, 1
38     s. DLA "Eulenspiegel" satir. Zeitschrift von L.Pfau
38     STA Zürich, Neumarkt
38     "Die violette Republik" aus Rtl. Katalog und
       Literarisch musikalisches Kammerspiel LTT und
       VHS 1998 von Thomas Milz und Anna Rausch
38     DLA "Der Beobachter"
39     "Der Sonnenwirt" 1.Ausg. 1855  Meidinger
       H. Kurz, Ges.Werke Bd 5 Fischer Leipzig
       Jürgen Schweier Kirchheim/Teck u. LTT
42 ff "Die dt. Schillerstiftung" 1859 - 1945
       zur Unterstützg.dt.Schriftst.u.ihr.Hinterbl.
       ab 1953 "Dt.Fr.Schillerges. e. V. Berlin"
42-44  Tagebücher M.K. u. STM K. Jürgen Schweier
43     siehe Briefwechsel Kurz-Mörike
44     "A.einer alt.Reichsstadt"v.H.K.Wunderlich 1963
44     "Sankt Urbans Krug" H.K. Erzählg. Kat. S.68-82
44     Archiv MdS
47     Zoepf, Ludw. "H. Kurz als Bibliothekar"
       Beilage z. Schwäb.Merkur vom 10.10.1923  Nr. 237
       Dr.Ludw.Frauer,Prof.a.d.Baugewerbeschule und des
       Polytechnikums in Schaffhausen
       Stammbaum Dr. Frauer Sindelfingen
48     Tagebuch M K, u.Hornbogen "Tbg.Stadtfriedhof"
49     Liederbuch von Friedr. Silcher Archiv MdS,
       musiziert am 10.2 2002 beim Gedenkvortrag von
       Ute Jönsson im Tbg. P.-Lechler-Krks.f.Hornbogen
       Christa Reimer, Sopran  Gerulf Mertens Klavier
49     Silchermuseum Schnait  Bild                         Bilder
49     STM Tbg und Foto Mohr  Bilder                           "
49     Archiv Stelzer, MdS, Roßmann-Kurtz Bilder               "
49     STM R                                                   "
49     Heyse Archiv München
49     DLA und MdS
51/52  STA R  Briefwechsel Heyse-Kurz Abschr. Stelzer
52     H. Kurz und Ed. Mörike Briefw. s. Seite 43,1
52     Johnsche Apotheke (heute Trapp) Tageb.M.K.
       STA Tbg.: Es gab 1870 3 Apoth.i. Tbg.
       Gmelinsche (Dr.Maier) Johnsche (Dr.Schmid)
       und Märklinsche (Prof. Dr. Märklin)
52     "Die Tbg.Juden" Spendenaufr.Tbg.Chronik 28.7.1869
       "Die Tbg. Juden" Geschichtswerkst.Tbg.1995 S.30
53     Die Fam.Silcher, Archiv MdS und Kat. S.31-37
54     DLA  Buch von Emilie Uhland
54     DLA  Mayer, Karl in den Tageb.u.Br.von M.K.
       Schwabenspiegel 1809: Mattern,H."O Mayer, wenn
       du stirbst,kommt keiner mehr,der singt wie du."
       und "Ludwig Uhland Festschrift 1873"
56     "Genzianen" Familiengesch.u.a.v.H.Kurz 1838
56     Dr Finckh Rtlg. Buch: Stelzer, Heidi "Reutlingen"
56     Dr. Gärt(t)ner, von M. K. mit ein t geschrieben
56     STA Tbg.: Die Univ.Bibliothek war damals im
       Rittersaal d. Schlosses. Mitarbeiter waren 1870:
       Prof. Dr. Rudolf Roth Oberbibliothekar,
       Dr. Karl Klüpfel, Dr. Hermann Kurz, und
       Dr.Euting Bibliothekare, Öffng.tgl.13-16 Uhr
       Jäger und Weiß Assistenten, Aufwärter Raiser
56     Archiv Frieder und Brigitte Miller, Tbg.
59     "Das Wirthshaus gegenüber" 1836 Katalog
       H.K. Sämtl.Werke XII Fischer Verl. 59, 2
60     Archiv MdS.
60     Edouard Vaillant Br.u.Tageb.M.K.1868/69, Revol.
       Mediziner, später Minister der Pariser Commune
60     Bläsiberg üb. Bläsibad, ehem.Ausflugslok.v.Tbg.
       Aquarell Bläsibad v.Wilh.Mohr geb.Schramm, Archiv MdS
       z. Zt im Tbg. Stadtmuseum  (Bild)
61     Stammbaum Kur(t)z
62     Deutscher - und Ausländischer Novellenschatz
       Katalog S.68-77 Herausgeber P.Heyse und H.Kurz
       bei Oldenbourg München
62     STA R "Phytia" Br. H.K.an Heyse zw.1858 u.1873
       Transcript.aus d.Heyse-Archiv Stelzer,Heidi Rtlg.
63    "Simplicissimus" H. Kurz 1837 Kat.S. 39-45 u.179
       Kurz entdeckt Wesentliches zu ds. Roman und be-
       weist den Verf.Grimmelshausen, was 1865 in der
       Allg.Ztg. erschienen ist. Er erhält dafür von der
       Universität Rostock auf Drängen von Prof. Karl
       Bartsch die Ernennung zum Doctor honoris causa.
63     Friedr.Ebert Stiftung Trier S 3088
64     "Ich bin zwischen die Zeiten gefallen"
       Titel des Reutlinger Katalogs für H. K.
65     Oesterle,Kurt "Richard Epple, Kein Held und
       auch kein Verbrecher". Heimatgeschichte im
       Schwäb. Tagblatt am 1.März 2002
66     DLA u. Archiv Bodamer Calw  Bild
67     "Die violette Republik" lit. musikalisches
       Kammerspiel des LTT u.d. VHS Ro. Mai 1998
68     Lotter,G."Gde.Illerkirchberg,Inform."1998
69     Uhlandfeier Brief 22.7.1873 u.Tageb.M.K.
70/71  Beerdg.H.Kurz Tageb.u.Br. Okt.-Dez.1873
       STA Tbg u.Hornb."Der Tbg.Stadtfriedh.S.43-46
70/71  Gedichte v.Edgar Kurz Hg. I.K. Cotta 1904
71     Foto Mohr
72/73  Kurz, I."Gedichte" Cotta 1888, 1890, 1933
73     Kurz,I."Aus mein.Jugendland" Laupp 1918 S.133
74     Br. 24.9.1875 über Prof.Karl Kopp im DLA
74     Leporello v.Osiander zur Erinnerung a.d
       400jähr.Jubiläumsfest d. Uni am 10.8.1877,
       v. Maler Pilgram. Isolde als Muse im her-
       zoglichen Wagen. Schwäb.Tagblatt 4.1.1997
73     DLA, STM R, MdS  Bilder
73     Foto Mohr
77     Wagner Museum Warmbronn bei Leonberg
78     DLA und Fotos Mohr
80     Kurz,I."Der Meister von San Francesco"
       Wunderlich 1931 und STM Florenz
82     Briefw. Caspart,Maria und Reichert,Marie
       DLA  A: Kurz I. Briefe Dritter 53.1730
83     Kurz,I."Florentin. Novellen" Müller,G.1910
84     Härtling,P."Ein uneingelöstes Vermächtnis"
       Hg. J.Schweier zum 175. Geb.Tag von H. K.
       "Marb.Magazin"97/2002 "Die Entdeckung
       Württ.i.d.Literatur" bearb.v.Helm.Mojen
87     Gedicht von Hermann Kurz im Archiv M.d.S.
88     Evang.Friedhofsverw. Agli Allori Florenz u.Foto
88     DLA Fotoarchiv "Die Familie am Meer" Bild
90     Die Medici Villa i.Saravezzo Arch.Barberi Forte
90     DLA Marbach, Fotoarchiv
92-95  "Die Kinder der Lilith" Ged.v.Kurz, Marie
       "Die Kinder d.Lilith" Ged. Kurz,I.Cotta 1908
96     aus Walter, Eva "I.Kurz u.ihre Familie"
97     STA Fl. Friedhofsverwaltg. Trespiano
98    "Volkslied.a.d.Tosk."i.dt.bearb.v.K.Edg. Laupp 1904
98     Nachruf v.Hildebrand f.E.K. Beill.Allg.Zeitg.1904
98     Nachr.v.Kurz,I. für Edgar i.südd.Monatshefte 1904
98     Nachr.v.Kurz,I."Ein Erinnerungsblatt an A.K."1905
       Beill. Allg.Zeitung Nr. 77 vom 1.4.1905 u.in Buch
       Kurz, I."Pilgerfahrt n.d.Unerreichlichen" S.466 ff
99     Friedhofsinsel San Michele Venedig Urne Kurz, Alfr.
       Text auf dt.:"Jetzt noch unwissend über das Weltganze
       freue ich mich hier in guter Ruh".
99     Fotos Mohr
103    Archiv Barberi Forte dei Marmi und Foto Mohr
104    STA Stgt. B 8221 Bild Frauenheim, Bism.-Str.Stgt.
104    DLA  Briefe A: Kurz I.
105    Brief von M. K. vom 10. 5. 1908 im DLA
105    Führer durch d.Walhalla in Regensburg
106    "Zeppelin" Br. M.K.  August 1908 und
       Weible, Reimund Südwestmagazin 1.7.2000  Bericht
       über den Zeppelin Unfall v. 5.8.1908
106    Erdbeben Okt 1907 in Kalabrien Br. 29.10.1907,
       1.9.1908, und 3.1.1909
106    Halleysche Komet, Briefe  8.2.1910-19. 5. 1910
107    Hölderlin-Denkmal alt. Bot.Garten Tübingen
108    Br.Dr.Franz Schiler,Archiv Dr.Steuer, D. Esslingen
109    Briefw.Kurz, Isolde mit Caspart, Marie DLA  53.1457
109    Fotos Archiv Stelzer Reutlingen

Namensregister

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                                       Seite            Lebensdaten
     Albrecht, Friedrich Prediger        35
     Assing, Ludmilla                   81,88
     Auerbach, Berthold (Moses Baruch)   59
     Bacmeister, Adolf               23,31,46             1827-1873
     Bär von Franziska                   19
     Bär von Luise                    14,19,32,41
     Bär von Sophie                      19
     Baisy, de Friederike                16
     Barberi - Kurz                     104
     Barth, Lehrer in Essl.          12, 15, 29
     Bartsch, Karl                       63
     Becher, August                  35,39,40,59
     Becher, Emmi                      40,59
     Becker, Nikolaus                    60
     Beulwitz, von                       19
     Bilhuber, Luise  Hermanns erste Geliebte              gest.1836
     Blind, Ferdinand                    63
     Blind, Carl Bruder in England       63
     Blum, Léon                          22
     Blume, Hotel in Forte dei Marmi     89
     Böcklin, Arnold Schweizer Maler     88                1827-1901
     Bolley                              11
     Briegel, Wolfgang Carl, Komponist    5                1626-1712
     Bri(e)nz, Alois  Prof. jur.in Tübg.  56
     Brunnow, August Anton von          5-24,85            1781-1850
     Brunnow, Wilh. geb. von Oetinger   9-18,86            1794-1842
     Brunnow, von Eva Maria verh.Kurz "Die rote Marie"     1826-1911
     Brunnow, von Ottilie               13ff               1831-1842
     Brunnow, von Otto   Kleinkind        13               1828-1830?
     Bruns, Paul Prof.i.Tbg.              55               1846-1916
     Buttersack, Ludwig Heinrich, Pfr.  36,100             1804-1861
     Caspart, Maria Adelheid (Waldfegerlein)               1830-1923
     Cervantes, de Miguel                63
     Claudius, Matthias                  24
     Corvin                              29
     Cotta, Joh. Georg  Verleger         37
     Dante, Allegheri                15,309,77
     Decamerone                          33
     Deubel  Dr. in Colmar               32
     Dillen, Carl Ludwig von         12,14 ff 26           1777-1841
     Dillen, Luise Henriette von     14 ff,26,87
     geb. Schott von Schottenstein                         1782-1844
     Düring, Balthasar, Coburgs Reform.   5                1466-1529
     Dulk, Anna                           60
     Ekhard, Ludwig Red. in Wien          61
     Elze, Pfr. in Venedig                85
     Epiktet                             101
     Euripides                            96
     Epple, Richard                       65               1954-1972
     Faber, Ottilie                     23,31
     Falladore, Tolomeo                  103
     Fation, Mlle                         14
     Fetzer, Carl-August                  38               1809-1885
     Fickler, Johann Michael              22
     Finckh, Friedrich  Arzt in Rtlg.     56
     Fink, G. (Ostjäk)                    38
     Fischer, Johann Georg             37,59,68            1816-1897
     Fontana, Maria Luisa                 85
     Fouqués, de la Motte                 16
     Frauer, Ludwig Prof.i.Schaffhausen   47
     Freese, Paul                         61
     Freiligrath, Ferdinand             22, 61
     Fricker, Prof. in Tübg.              56
     Fries, Maler in München              45
     Fugger,Gräf.Joh.geb.Freiin v.Freytag,2.Frau   6, 7    1791-1867
     Fugger, Graf Friedr.v.Kirchberg und Weißenhorn 6,7    1787-1846
     Gärt(t)ner, Gustav Arzt in Tbg. 56,63,64,67-69,71,75
     Garibaldi, Guiseppe                28,81              1807-1882
     Gauker, Helga                        58
     Genschowsky, Friedrich, Conditor   58,59,77
     Goethe                          45,99,102,106
     Golther,C.Ludwig von Minister       46,47             1823-1876
     Grimm, Gis.Tocht.v. Bettina v.Arnim  88               1827-1889
     Grimmelshausen                       63
     Hauber  Lehrer in Kirchh.            43
     Hauff, Wilhelm                      107
     Haußmann, Konrad                     39
     Hartmann, Moriz                      60               1821-1872
     Hecker, Adolf, Mann v.Luise Silcher  53
     Hecker, Friedrich              22,26,29,35,119        1811-1881
     Hegelmai(e)r,Friedr.Prof nat.Tbg.  56,57
     Heine, Heinrich                   22-25,79
     Hertz, Wilhelm                       45               1835-1902
     Herwegh, Georg                      21, 54
     Heyse, Paul                       37ff, 108           1830-1914
     Heyse, Theodor                      80/88
     Hildebrand, Adolf von            75,80 ,89,98         1847-1921
     Hillebrand, Karl Arnold              88
     Hölderlin, Friedrich        15 ff, 66.107,110,
     Hofmann  Göpp.                       11
     Hohenlohe, Prinzessin ? von          19
     Holder                               47
     Homberger, Heinrich Emil             88
     Homer                          16,90,105
     Hopf, Franz  Pfarrer Abgeord.  39ff,64, 74,102        1807-1887
     Hopf, Marie                       48,59
     Hopfenstock,Halbschw.v.Graf Dillen   13
     Hornbogen, Helmut                   110
     John (Trapp Vorg.) Apoth.in Tübg     52
     Jüngel, Eberhard Prof. theol Tbg    103
     Kant                                100
     Kausler,Rud. Pfr.u.Schriftst.  35,36,40,45,60,80      1811-1874
     Keller, Adelbert von Prof.phil.i.Tü. 47,53 ff,63      1812-1883
     Kenngott, Clara Mararete geb.Kurtz   46               1766-1934
     Kerler, Friedrich                    47
     Kerner, Emma, Geliebte von Herm. Kur 31
     Kerner, Justinus                     31
     Klopstock, Friedrich Gottlieb        23
     Klüpfel, Karl August Uni-Bibl.  46ff,56, 63           1810-1894
     Klüpfel, Sophie Adelheid geb.Schwab  56                1819-1888
     Knapp geb.Finckh Marie              56,60              1835-1924
     Knapp, Max                           60
     Kopp, Karl  Bildhauer u. Prof. Stgt. 74                1825-1897
     Kossuth, Lajos                    29,35                1802-1894
     Kröner, Adolf, Verleger Stgt.     45,54,94             1836-1911
     Küng, Hans Prof. theol Tbg          102
     Kugler, Bernh. Prof. philos.Tübg.  49,58
     Kurz, Alfred  Arzt in Venedig    35ff,74,85,92,98
     Kurz, Edgar   Arzt in Florenz    34ff,69/70,84,91,92
     Kurz, Ernst   Notar,             26,27,29,84           1816-1879
     Kurz, Erwin Prof. Bildhauer i.Mü.36ff,75,83,91,96,105 ff
     Kurz, Felix   Leutnant                  107
     Kurz, Garibaldi                  41ff,75,80,87,93
     Kurz, Hermann  Dr. Schriftsteller u. Bibliothekar
     Kurz, Hermann, Nachkomme in Italien     103            geb. 1998
     Kurz, Isolde   Schriftstellerin  35ff,65,71-73,82,90ff,103-109
     Kurz, Isolde gen. Jole Dr. der Kunstgeschichte 85,98,103
     Kurz, Johannes                        82,84
     Kurz, Luise  Musiklehrerin            85,107
     Kurz, Maja                            83,91
     Kurz, Otto Orlando  Bildh.in Mü.   76,85,91,96
     Kurz, Rosa geb.Reichert               80 ff
     Kurz, Ottilie geb. Herzfeld         96,103 ff
     Kurz, Tristan  Seefahrer            85,98,103
     Kurz, Onkel von Hermann in Rorschach    75
     Kurz-Barberi, Carmen Sylva             103
     Kurz-Fontana, Maria Luisa               85
     Landi, Vanni                           104
     Lang,  Bildhauer                       100
     Lasalles (Freund Assings)               88
     Lenau, Nikolaus (Franz Niembsch)        22
     Letsche, Zimmerer in Tübg.           57-60,65
     Liebermeister, Carl Prof. med           56                  +1901
     Liebknecht, Wilhelm                     26              1826-1900
     Luther, Martin                        5,20,27
     Mandry, Karl-August, Vater,Prof.jur     56
     Mayer, Emilie                           55
     Mayer, Karl d. Ält.            54,55,56,73,110          1786-1870
     Mayer, Karl d.Jüng.                     55
     Mayer, Louis                            55
     Medici, Cosimo                          89
     Meidinger, Karl Verleger  Frf.          40
     Miller Moriz von                      19,41
     Miller von, Ehefrau                  19,41,51
     Milz, Thomas, Intendant b.LTT Tbg.      67
     Mögling, Hermann, Sprachforscher       29,39            1814-1867
     Mörike, Eduard                 27,44,52,54,103,105,107
     Mohl, Ernst (Kyrios)                   60,61            1849-1926
     Moltke,(Helmuth,Karl,Bernh.?)Graf von   12              1800-
     Mohr, Wilh.F.Heinr. Pfr.i.Mühlh.u.Asch 45,60
     Mohr, Marie geb.Dieterich               45              1840-1915
     Mohr, Heinr.Aug.Gottl.Pfr.i.Ehningen    36
     Mohr, Friederike Wilh. geb. Schramm     36
     Mohr, Fried.Konrad Heinr.  Richter      60
     Mohr de Sylva, Heinrich  Pfr.           103
     Müller, Johannes-Regiomantus  Astronom   5              1436-1476
     Müller, Otto                             5
     Napoleon                                 5
     Neureuther                              45
     Notter                                  37
     Oesterle, Kurt Redakt. Tbg              65
     Oesterlen, Otto Prof.med Tübg.         40,59            1846-
     Oetinger, Friedr.Heinr.Erdmann Alex.    12              1768-1872
     Peterler, Franzisca  verh. mit ?, 2 Kinder  6,7      geb. 10.2.1808
     Peterler, Josephine                6ff, 85-89,103 u.a.  1806-1883
     Peterler, Laurentius, Bothe            6,12,
     Peterler, Maria Anna geb. Zopin         12
     Petrarka, Tasso                         16
     Pfaff, Bertha, Eßl.              19-21,41,44,48,
     Pfaff, Charlotte                 15,18 ff - 30
     Pfaff, Karl  Rektor              15,18 ff - 30,33
     Pfau, Ludwig                     19,29,31,36,37,38      1921-1894
     Pfuderer,  Cafe in Tübg.                58
     Pommer-Kurz Helene                    8,107             1861-1942
     Rantzau, Johann von                  5 ff-20            1798-1858
     Rantzau, Frau von                      16,60
     Reichert, Marie, Mutter v. Rosa       81,83-85
     Rieger, Johann Friedrich von           16,41
     Rieger, Frau von                       16,41
     Riehl, Prof. in München                  45
     Roemer, Friedrich, Staatsrath            51             1794-1864
     Roemer, Robert  Prof.jur Tübg            51             1823-1879
     Rommel, Carl Kaufm.i.Essl.           18,24,31,41
     Rommel, Marie                        18,24,31,41
     Roth, Rudolf Prof.phil Oberbibl.Tbg    47-50            1821-1895
     Sauter, Caroline                         15
     Schäffle, Friedr.Prof.u.Redakt.S.Merkur  16             1831-1883
     Schäuffele(n?) Marie                     60
     Scherr, Dr. Johannes                 25,32,37,38        1817-1886
     Scherzer, Univ.Musik Dir. Tübg.          53
     Schiler, Franz Dr. Schwiegersohn von Hopf  74,76,102,107,108
                                                1868-1955
     Schiller, Friedrich von           16,25,32,38,39
     Schnitzer, Karl Friedr. Rektor i.Rtl.    39             1805-1874
     Schopenhauer, Arthur                   95,100 ff
     Schramm, Wilhelm Heinrich  Buchdrucker   36             1758-1823
     Schramm, Catharina Elisabeth  geb. Mez   36
     Schranzer, Franz Georg Zöllner            6
     Schubart, Chr. Friedr.,David            38,39
     Schwab, Gustav                        38,47,56
     Säxinger,  Prof.med gyn Tübg.            56.72
     Seckendorf, Friedr.Heinr. Reichsgraf von  5,32          1673-1763
     Seckendorf-Gudent,Eduard Schriftsteller  31             1813-1875
     Seeger, Ludwig  Pfr.u.Redakteur          38             1810-1864
     Seybothen Frau von                       19
     Shakespeare                            33,63
     Sigwart, Christoph Prof phil Tü.         57             1830-1904
     Silcher, Friedrich                    50,53,110         1789-1860
     Silcher, Rosine Luise geb.Ensslin        53
     Silcher, Kinder                          53
     Scott, Walter                            16
     Sokrates                                 17
     Spinoza, Baruch                          96
     Stauffer-Bern, Karl                      88
     Stelzer-Kurtz, Heidi Rtl.                52
     Steudel, Hugo   Oberamtsarzt             16
     Stockmayer,   Arzt in Stgt.          35,36,60,80
     Storr, Amandus, Pfr. in Oberkirchberg   6,12
     Strauß, David Friedrich                23,100
     Strecker, Lina                           57
     Strecker, Adolph Prof.chem.Tübg.u.Wü.    56             1822-1871
     Struve, Gustav von  Prof.                22             1805-1870
     Tartarini, Clementine Annette           103
     Teuffel, Wilh.Sigismund Prof Tübg        56             1820-1878
     Thum von Neuburg, Alfred              22-24,36
     Thum von Neuburg, Marie               22-24,26
     Uhland, Emilie                           54
     Uhland, Ludwig                     19,61.66,105
     Urban, Carl                              55
     Vaillant, Edouard  in Tbg  -1868      61,75,102
     Vanzetti, Carlo  Arzt              82,88 ff,105
     Vischer, Friedr.Theodor                  60
     Voigt, Joh. Konditor i.Tüb.           58,62,82
     Voltaire                                 62
     Walesrode, Ludwig                        61
     Wagner, Christian                      76,102
     Wagner, Richard                        29,85
     Weber, Frau vom Tbg.Bläsiberg            60
     Weißer, Adolf Hauptschr.d."Beob."   26,38-40             1815-1863
     Weißer, Ludwig Prof.Kunsthist.i.Stgt.    40              1823-1879
     Werner, Gustav                           14
     Wildermuth, Ottilie                  54,55,110
     Wilhelm I, Kaiser                      27,29
     Wilhelm I, König von Württemberg       10-12
     Württemberg, Graf Alexander von      17 ff 100           1801-1844
     Friedrich König von Württemberg        10,11             1754-1816
     Württemberg, Herzog Heinrich von         19
     Wüst, Carl Schulmstr.u.Musikus i.Tü.     52
     Zeppelin, Ferdinand Graf von           12.106            1838-1917
     Zeyer, Julius, Präceptor Tübg.         56,61
     Zopin, Zimmermannsfamilie in Oberkirchb.  7

Vor Benutzung des Buchinhalts für öffentliche Zwecke sind die angebenen Archive und Museen, vor allem das Deutsche Literaturarchiv Marbach als Besitzer der Hauptunterlagen in Kenntnis zu setzen.

Hella Mohr

Originalversion in Schwäbisch:
Erstellt im Eigenverlag
März 2002
Autor Hella Mohr
Copy Druck Center Sander
Lange Gasse 27 Tübingen