Joachim Mohr       Hella Mohr

Trauergottesdienst für Isolde Kurz

gehalten von Pfr. Heinrich Mohr de Sylva Creglingen
zur Feuerbestattung in Reutlingen am 8. 4. 1944

1. Tim. 6, 16: "Unserem Gott, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich!" Amen

Vernehmt in Andacht die Worte Heiliger Schrift Neuen Testaments 1. Kor. 13, Verse 12 und 13: " Wir sehen jetzt durch einen Spiegel... aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Liebe Leidtragende, liebe Trauergemeinde unserer Isolde Kurz!

Es ist nicht meine Aufgabe hier, ein allgemeines Lebensbild zu zeichnen. Wir, die wir hier sind, kennen es und viele haben schon darüber geschrieben und werden auch noch schreiben. Wir wissen auch wie unsere Heimgegangene in der Öffentlichkeit ausgezeichnet war, noch kürzlich durch die Goethe - Medaille des Führers zu ihrer früheren grossen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, durch den philosophischen Ehrendoktor der Universität Tübingen als Mitglied der Dt. Akademie für Dichtung und Ehrenmitglied des Dt. Schillervereins usw. Und in anderer Feier wird sie besonders gerühmt werden und wird wohl in viel Liebe ein Lebensbild von ihr gezeichnet werden.

Vielmehr spreche ich als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche. Ich weiß: Viele werden sich wundern, daß bei dieser alten begeisterten Griechin und dieser altgermanischen Seherin, die als Kind schon vom germanischen Heldenfeuertod schwärmte, ein Pfarrer der Landeskirche sich die Freiheit nimmt im christlichen Talar zu reden. Aber es ist nicht meine Freiheit, sondern ausdrücklicher Befehl und Wunsch meiner lieben Base Isolde, dass sie christlich bestattet werde, und sie hat mich eigens deshalb einmal nach München berufen und nochmals im Jaunuar dieses Jahres den Auftrag wiederholt, ihr als Pfarrer der Landeskirche die letzte Rede zu halten. Es ist ihr ein ganz wichtiges Anligen gewesen, wahrhaft hineingestellt zu bleiben in die große deutsche christliche Kultur und ja nicht herausgerissen zu werden aus ihr. Merkwürdig, sie hat ja ausdrücklich gesagt: "Dass du mich dabei aber nicht als fromme Christin ausmalst und schilderst; ich habe das nie gelernt und bin es nie gewesen". Aber es lag diesem seherischen und tiefschürfenden Geist fern, sich ausnützen zu lassen gegen das Christentum. Damit ist meine Aufgabe hier klar vorgezeichnet, unbeirrt von den Meinungen rechts und links zu zeugen hier von den ewigen Werten und Dingen angesichts des Todes und der Ewigkeit.

Wir gedenken aber zuvor in der Stille ihres großen Vaters Hermann Kurz und der feinsinnigen Mutter aus dem Geschlechte derer von Brunnow und von Oetinger, ihrer genialen Brüder in Florenz und in München (ihres Bruders Erwin; "Bismarck" in der Walhalla in Regensburg wird, will`s Gott den Deutschen noch lange vor Augen stehen), ihres strahlenden Neffen Thole, des Kirchenerbauers (möge doch durch die Engländer seine St. Gabriel - Kirche in München verschont bleiben!) und ihrer erst vor zwei Jahren in meinem Hause in Creglingen verstorbenen innigsten Blutsfreundin, einer wahrhaften Christin, Helene Pommer, geb. Kurz, und des letzten Kurz aus dem Mannesstamme, Eberhard Kurz, Baurat in Ehingen, in Rußland für unser Vaterland gefallen. Und wir gedenken auch hier ihrer treuen Pflegerin Lisa Betz, die in Glaube, Hoffnung, Liebe ihre innig verbundene, langjährige verbundene Dienerin war.

Mein Zeugnis kann und soll ja nicht in dogmatischer und apodiktischer Form erfolgen und darf auch nicht mit meinem persönlichen Bekenntnis identisch sein. Sondern es soll erfolgen im Sinn unseres Schriftwortes, über das ich manchmal mit unserer Isolde gesprochen habe. (Sie selbst hat mir dazu bemerkt, sie verstehe dieses Wort erst ganz, nachdem sie einmal in einen trüben alten römischen Spiegel gesehen habe): "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel..."(siehe Text). Wir haben und erkennen nicht die ewigen Dinge wie sie sind aber wir ahnen sie und spüren sie und haben die Sehnsucht nach ihnen. Aber die ewigen Kräfte ragen doch auch hinein in diese Welt: in Glaube, Hoffnung und Liebe. Wenn ich es mit dem manchen bekannten christlichen Gleichnis vom Teppich zeigen darf: Wir sehen die Dinge des Lebens hier auf dieser Welt, wie man das Gewebe eines Teppichs von unter her sieht: ein Gewirr von Fäden, ohne Sinn und Ziel, greuliches Durcheinander. Im Licht Gottes aber - sub specie aeternitatis - ist der Teppich von oben betrachtet sinnvoll, ein wundersames Gewebe mit Sinn und Ziel der Weltgeschichte und des Lebens der einzelnen Persönlichkeit. In diesem Sinne verlese ich gerne das mir von besonderer Seite für diese Feier soeben erst in die Hand gedrückte Gedicht von Goethe über den Tod, ganz im Sinne der Vollendung der Pilgerfahrt unserer Isolde:

"Was ist der Tod? Ein holder Genius,
Der erste Blick auf kaum geahnte Wonne,
Des höheren Strebens milder Weihekuss,
Die Morgenröte einer neuen Sonne.

Das ist der Tod. So sieht der Würger aus.
Ein Engel, der uns führt zu neuem Leben.
Schön wie der Tag und nicht wie Nacht und Graus.
Schön wie die Welt, zu der wir aufwärts streben."
J. W. von Goethe

So, liebe Freunde, setzen wir zwei Welten einander gegenüber: Die irdische, vergängliche, sichtbare Welt und die ewige, unvergängliche, uns unerreichbare Welt. Zwei Welten stehen einander gegenüber, die irdische Welt des Todes, der Verstricktheit in Schuld (Schiller: "Der Übel größtes aber ist die Schuld.") und Sünde, das heisst Sonderung von Gott. Es ist die Welt, die sich von Gott lossagt, dem Vater und die seine Sendboten ans Kreuz schlägt einst und jetzt, Die Welt der Sinnlosigkeit und des Wahns, im Grossen und im Kleinen, wie Richard Wagner den Hans Sachs sagen lässt: "Wahn, Wahn! Überall Wahn!" "Wohin ich forschend blick, in Stadt und Weltchronik..." Dieser Welt gegenüber steht die Welt der ewigen Dinge, die Welt der unsere Isolde angehört und nachgestrebt hat und die für uns Christen so hell aufstrahlt in dem Heiland, dem Mittler zwischen Menschen und Gott, wie der Seher des Dritten Reiches, H. St. Chamberlain sagt - er schließt sein tiefstes Buch "Mensch und Gott" mit dem Worte Christi: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, ausser durch mich" - und wie ihn der andere Seher des 3. Reiches Dietrich Eckart in seinem grossen Gedicht vom Christopherus anruft: "Nimm mich hin, du Mächtigster von allen; ewig Christus will ich dir gehören!" Diese Welt ist das Reich des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, dieser drei, von denen wir noch reden müssen. Und seht, das war nun die bange Sorge unserer Isolde um die Zukunft des Reiches der Deutschen, daß sie doch nicht dieses geistige Reich verlieren und im Materialismus versinken möchten. Dieser Materialismus ist ja niemals deutsch: vielmehr ein Erbe von England, etwa Bentham und Smith, und von Frankreich, von der französischen Revolution mit der Abschaffung Gottes, und einem schlechten Weibsbild als sogenannter Göttin der Vernunft. In diesem Sinne hat unsere Isolde ihre bange Sorge gehabt und mir wörtlich gesagt: 4 "So viele (wörtlich "der Goebbels und seine Leute...") wollen das Christentum abschaffen! Was für eine andere Religion wollen sie uns denn geben? Etwa die Entwicklung zum Materialismus des grösstmöglichsten irdischen Glücks? Oder vielleicht den Buddhismus und die Lebensverneinung? Oder nur eine Erneuerung des alten vergangenen Germanenglaubens und Griechenglaubens, der zur Götterdämmerung führt und zum Weltenbrand und nicht hinausführt aus dem Wahn der Welt? Was haben wir den Besseres als das Christentum? Und darum will ich christlich bestattet werden."

Ja, wenn sie selbst doch nicht als fromme Christin hingestellt werden wollte, wie konnte sie dann so reden? Aus der tiefen Lebensschau der geistigen Dinge und aus dem Urgefühl biologischen Denkens heraus, das nicht künstlich abbrechen will, sondern organisch entwickeln lassen und weiterführen, und aus der Verbundenheit der tausendjährigen letzten Geschichte und dem Lebensgefühl und Lebensstil der frommen Ahnen: der fränkische Oetinger in Archshofen bei Creglingen und Hohlach, dem Stammort der Hohenlohe. So erlebe ich ja heute noch in Creglingen die fränkische Frömmigkeit nicht individualistisch - egoistisch ("Wenn nur ich in den Himmel komme") sondern organisch - soziologisch: Man fühlt sich auch im Tiefsten, in der Anbetung Gottes, als Glied in der Kette, die von den Ahnen zu den Enkeln führt, und als Glied der gegenwärtigen Gemeinschaft der Gläubigen, das heisst der Kirche, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich verantwortlich. So soll darum auch hier und heute unsere Isolde bewusst in den großen Zusammenhang und Zusammenklang auch der anderen Stimmen gestellt werden von Goethe bis Tersteegen. In diesem Sinne treten wir ein in das Reich des Glaubens, zunächst der Väter, um nur einige unserer gemeinsamen Väter zu nennnen; Kuhorn - Mager, Stifter vom frommen Ölberg zu St. Leonhard in Stuttgart, der Prälat Dr. theol. Varnbühler in Hirsau, der Generalsuperintendent Pfaff von Denkendorf und Urach, die Pfarrer Roth und Metz von Hedelfingen und Dornhan u. a., der Bläsibadwirt Löffler in Tübingen. Dazu von ihrer Seite der fromme Onkel Oettinger, Prälat in Murrhardt, Bruder ihres Ahn, der den Geistern gepredigt hat. Unsere gemeinsamen Ahnen Schramm von Petershagen in Westfalen: Auch 5 die niedersächsischen Dome, die unsere Vorfahren gebaut haben, sind Zeugen von ihrer christlichen Frömmigkeit! Dem entsprach auch das Urteil unserer Isolde in der Gegenwart, etwa über Prälat Planck, den Seelsorger der Familien Pommer und Kurz in Esslingen und sein Buch: "Dieser ist in Wahrheit ein edler Mensch gewesen und von der Art des milden Apostels, die unserer Zeit Not tut. Möge sein Geist weiterwirken und Nachfolge finden. Dass sich dieser Geist im Alter nicht verengt, sondern im Gegenteil auf weitere Gesichtspunkte eingestellt hat, gereicht ihn in meinen Augen besonders zur Ehre."

Und so war ihr eigener Glaube: Es gibt einen Sinn des Weltgeschehens: nicht Gott schweigt, wie viele heute irre werden an der Vorsehung, sondern: Gott denkt! Sie erzählte mir mehrmals ihren merkwürdigen Traum kurz nach Ausbruch dieses Krieges. Da sah sie sich in einem vieleckigen Raum, erfüllt von einer graugrüngelben Atmosphäre und hörte plötzlich eine Stimme: Alles still! Gott denkt! Immer wieder wollte sie wissen, was das bedeutet. - Das bedeutet: "Du Menschenkind, sei ehrfürchtig, in dem Nebel deines Daseins sei ehrfürchtig vor Gott und bedenke, dass Gott denkt, das heisst dass Gott einen Sinn in dem Weltgeschehen und dein dunkles Dasein legt, dass Gott im Regimente sitzt, auch wenn er selbst wohl manchmal den Atem anhält und schweigt und schauen will, was die Menschlein von sich aus vermögen: Alles still, Gott denkt! Es gibt eine Geborgenheit trotz allem Nichtwissen:

"Du hoher Geist, vor den ich hoffend trete,
Du weisst von mir, was niemals ich gewusst.
Verlornes Kind, entatmend im Gebete,
Leg ich mein Haupt an deine Gottesbrust."
(Vanadis, Seite 716)

Ist das nicht doch, obgleich nicht christlich, dennoch die gleiche Haltung, wie sie Gorch Fock hatte, (in seinem Tagebuch): "Auch das Meer ist nur die hohle Hand meines Heilands, aus der mich nichts reissen kann". Aus dieser Geborgenheit heraus kam auch ihre Einstellung zum Leiden. Die Pflegerin berichtete: Seit Ende Januar war sie schwer krank. Nie kam die geringste Klage über ihre Lippen. Wenn sie gefragt wurde wie es ihr geht, dann gab sie zur Antwort: "Darüber sprechen wir lieber nicht." Sie schlief sanft ein, ohne Kampf, mit einem ungemein grossen Frieden auf ihrem Antlitz". Entspricht das nicht unserer christlichen Haltung "durch Leiden gereift, durch Schmerz verkärt: man muß durch die niedere Tür hindurch und sich bücken und Ja sagen zum Himmelsvater. Freilich war es ihr ein wichtiges Anliegen: Man darf und soll sich gegen den Schmerz wehren. Aber wenn der Vater den Leidenskelch nicht von uns nimmt? "Wir wissen, daß denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen". (Römer 8, 28)

Unser Leiden prägt der Meister
In die Seelen, in die Geister
Sein allgeltend Bildnis ein.
Wie er dieses Leibes Töpfer,
Will er auch des künftgen Schöpfer
Auf dem Weg der Leiden sein.
(K. F. Hartmann, Ges. Buch 375, V. 2)

"Des künftgen Schöpfer"......führt zu: dem Reich der Hoffnung! Das Reich der Ewigkeit setzen wir in trotzigem Dennoch entgegen dem Reich des Todes und der Vergänglichkeit. Wenn heute die Soldaten singen: "Kann dir die Hand nicht geben, bleib du im ewigen Leben..." so ist uns das Ausdruck des christlichen Glaubens unserer Väter und von uns selber: "Ich glaube an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben". Diese christliche Hoffnung ist echt arisch. Wie stark hat sich zum Beispiel ein Graf Reventlow berufen aus Seite 336 in "Mein Kampf", wo vom Glauben an ein Jenseits die Rede ist, der den Juden vollkommen fremd sei. "Man kann sich aber eine Religion nicht arischer Auffassung nicht vorstellen, der die Überzeugung des Fortlebens nach dem Tode in irgend einer Form mangelt." Wie hat diese Frage unsere Isolde zeitlebens bewegt. Das D a s steht fest, aber das W i e wissen wir nicht und möchten so gerne hinüberschauen! Sie war eine Iphigenie, am Gestade sitzend mit dem Blick hinübergerichtet, das Land der Griechen mit der Seele suchend. Hat sie doch auf ihrem Grabstein den Spruch selbst bestimmt:

"Fern überm Wasserpfade
Flimmert zur Nacht ein Schein.
Lichter vom anderen Gestade:
Was mag sein?"

So ist das Leben unter diesem Aspekt eine "Pilgerfahrt nach dem Unerreichlichen". Wanderer zwischen beiden Welten sind wir, sagt Walter Flex, und der fromme Tersteegen singt: "Ein Tag der sagt dem andern: mein Leben sei ein Wandern zur grossen Ewigkeit". (Gb. 73) Wie sagt unsere Isolde über den Gottessohn in der Ewigkeit und den Ruf an uns von dort herüber: "Wart ihr im Kloster von San Marco in Florenz? fragte Vanadis. Dort an einer Mauer befindet sich ein Bild von Fra Angelico, über dem man endlos sinnen könnte. Es heisst Christo in Pretorio und stellt den verspotteten Gottessohn dar, nicht mehr in Knechtsgestalt und nicht mehr als der Sohn, sondern ganz Gott selbst geworden, auf seinem Weltenthron sitzend. Noch mit der Binde um die Augen, aber den Erdball in der Hand, als der einzig Seiende der Zeitlichkeit entrückt. Um ihn im Leeren sind Münder, die nach ihm spucken, sind Hände, die nach ihm schlagen, nach ihm stechen, Hände ohne Körper, sie erreichen ihn nicht, sie hängen klein und kraftlos im Raum der keiner ist und sie sind selber nicht. Das ist ein wie aus indischer Gedankentiefe geborenes Gleichnis des Zeitlosen in seinem Verhältnis zur Zeitlichkeit, die es nicht berühren kann. Und doch, so ferne er dir scheint, du trägst ihn in dir, sagte Johanna, und hättest ohne ihn nicht eine Stunde leben können.

Ich trage ihn in mir und hätte ohne ihn nicht eine Stunde leben können. Er hat mich ausgeatmet und wird mich wieder einatmen. Und dass ich nicht weiss, mit welchem Namen ihn nennen, wird er mich nicht entgelten lassen. Weiss ich ja nicht einmal wie die Gestirne, die doch sichtbar über uns wandeln, sich mit ihren eigenen leuchtenden Namen untereinander nennen. Und ebensowenig weiss ich, mit welchem Namen mich die Gottheit nennt. Vielleicht wenn sie mich ruft, werde ich ihn in meiner letzten Stunde hören, denn auch ich bin ein ungelöstes Rätsel wie du und wir alle". (Vanadis Seite 708/709)

Freilich an ein naives Wiedersehen dort drüben glaubte sie nicht, denn das Eingehen in das Land "dort über jenen Sternen" (K. Planck) aus dem Land hienieden bedeutet doch eine Vervollkommnung: "Darnach sprach sie oft mit Johanna, der einfach Gläubigen, über die letzten Dinge. Sehnst du dich nach deinen Lieben, die geshieden sind? fragte diese. Ich sehne mich nicht, antwortet sie. Die irdischen Bezüge haben sich ausgelebt. Ich sehne mich einer höheren Stufe zu, die jene schon erreicht haben müssen. Was wäre das für eine Ordnung, die nur Hiesiges wiederholen und fortsetzen würde?" (Vanadis Seite 705)

Warum aber der Wunsch des Wiedersehens im Menschen? Antwort: 8 Wiedersehen ist ja nur der Wunsch der Liebe, vielleicht in egoistischer

Form. Aber die Liebe selbst und ihr Reich bleibt wahrhaftig und in alle Ewigheit: "Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die grösste unter ihnen". Und in ihr leuchtet die Ewigkeit am tiefsten in unsere oft so lichtlose, sinnlose Welt herein: "In der Welt ists dunkel, leuchten müssen wir, du in deiner Ecke, ich in meiner hier"-ist ein alter christlicher Vers. Er trifft die Wirklichkeit. Unsere Isolde kleidet diese schon früh in die Worte:

"Hilflos sieht sich im All das Ich, das sterbliche, arme rings von Klüften umgähnt, ewig und ewig allein, aber die Liebe findet den Weg und naht dem Verbannten ehe den Spruch des Exils milde der Tod widerruft".
(Gedichte 1906, Seite 216)

Ist ihr die Liebe nicht auch im ganzen persönlichen Leben selbst als treibende Kraft aus der Ewigkeit Wirklichkeit geworden? Die Liebe zum Volk und zur Seelengemeinschaft des Volkes, zu den Freunden. Zu all` denen, die ihre Familie und die ihr und unser Volk lieb haben und weiterführen wollen auf dem guten Weg: Näher mein Gott zu dir! Wie gross ist der christliche Gedanke als letzte Wirklichkeit: Selbsthingabe als Sinndeutung des Lebens. Noch 1942 schrieb sie mir in diesem Sinne das ihr so wichtige Gedicht ab: DAS BIST DU.

Aus geheimstem Lebensgrunde
Raunt es mahnend immerzu:
Schlag dem andern keine Wunde,
Denn der andre - das bist du!

Wie du kränkst, so musst du kranken,
Unser ich ist Wahn und Pein.
Schliess in deiner Selbstsucht Schranken
Alles, was da atmet, ein.
(Ges.Werke I, S.297)

So war unseres Bismarck Losung: "In serviendo consumor". So war der grosse Fritz der erste Diener des Staates. Und für unsere Soldaten gilt: "Niemand hat grössere Liebe, denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde." Das ist ein Wort Jesu! (Joh. 15, 13) Ja: In christlichem Sinn setzen wir alle das Reich der Liebe und der 9 Hingabe entgegen dem Reich der Sinnlosigkeit, des Egoismus und des Hasses. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". "Das bist du". "Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf dass auch ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt". (Joh. 13,34/35) So viele zerreissen und sagen jüdisch mit dem alten Testament: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Christen sollen verbinden und: Christen dürfen vergeben, sagt das Vaterunser! Aus liebelosen Weltkindern und egoistischen Ich-Menschen will Gott uns zum Grössten helfen, daß die Liebe unter uns bleibe und wir in der Liebe bleiben. Und die Liebe bleibt, weil Gott ist Liebe "und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1.Joh. 16) In diesem Sinne hängt Glaube, Hoffnung und Liebe untrennlich zusammen. In diesem Sinne schliessen wir mit der "Pilgerfahrt nach dem Unerreichlichen" (Seite 699) ...

"Unterdessen ist auch auf unserer rauhen Münchner Hochebene der späte Frühling eingezogen mit seinen grünen und bunten Prächten. Er hat die langen, schweren Winternachtsträume, in denen noch einmal Menschenart ihr wirres Spiel trieb, mit allen Erinnerungsspuren hinausgefegt. Die freigewordene Seele möchte sich wie ein junger Flieger hinaufschrauben in das ausgespannte Ätherblau- "Näher mein Gott zu dir!" Kaum, dass ich die Worte denke, so braust von fern her der Sterbechoral der Titanic durch mein inneres Gehör und ich sehe das Riesenschiff mit den verzweifelten Menschenseelen mitten in dem ungeheuren Untergang, durch den sich doch aus Menschenwerkzeugen siegreich bis zuletzt die Töne inbrünstigen Vertrauens heben. Das Vertrauen zu dem Unbekannten, Unfassbaren, dem wir alle angehören. Gleichviel wie Menschen ihn töricht streitend benennen.

Das kann nicht n i c h t sein, was so wie ein Tau die versinkende Zeitlichkeit mit dem Ewigen verknüpft. Näher zu dir! Du hast mich ausgeatmet, du wirst mich einatmen. Möchte dann mein letzter Atem rein geworden sein, wie Atem der Kindheit in den deinigen zurückfliessen." "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ichs stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die grösste unter ihnen."
A m e n.