Familienarchiv

Schau zeigt Leben und Wirken von Albert Baur

Märkische Allgemeine 10.10.2017

Eine Ausstellung in der Marienkirche zu Bad Belzig würdigt Leben und Wirken von Albert Baur. Am ehesten ist noch bekannt, dass er sich für das Turnen eingesetzt hat. Doch war der Pfarrer aus Berlin auch Maler und Komponist und vermisste bei Dienstantritt 1836 viele geistige Genüsse. So wurde er selbst aktiv. Obendrein setzte er sich für gesellschaftlichen Fortschritt ein.

belzig Bad Belzig „Albert Baur hat viel bewegt. Ich frage mich, warum man ihn in Bad Belzig vergessen konnte“, sagte Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) am Wochenende in der Marienkirche. Dort ist jetzt eine Ausstellung über das Wirken des Theologen (1803- 1886) in Bad Belzig zu sehen. Eine Antwort vermochte niemand im Rund zu geben. Vielmehr herrschte Erstaunen über das mannigfaltige Engagement Baurs. Sogar Klaus Pomp, der die Ausstellung initiiert hat, räumte ein: „Auch ich war über die Vielfalt erstaunt, die sich mir eröffnete.“

Noch bis zum Mitte November sind diverse Ausstellungsobjekte und Tafeln in dem Gotteshaus zu sehen. Sie vermitteln ein eindrucksvolles Bild über Leben und Wirken des Pfarrers an seiner Belziger Dienststelle in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Wahl-Dippmannsdorfer Klaus Pomp engagiert sich seit 1997 um die Würdigung von Albert Baurs Verdiensten. Neben der Kirchenarbeit ist letzterer am ehesten noch für seine Bemühen um den Sport in der Region bekannt. Dass er aber auch ein begnadeter Maler und Musiker war, der sich obendrein für den Fortschritt in der Gesellschaft einsetzte, ist nahezu unbekannt.

Mit der Ausstellung ist es erstmals gelungen, ein kompaktes Bild über einen politisch und kulturell interessierten Menschen zu zeichnen, der gern in Museen und Konzerte ging - diesen geistigen Genüssen im Belzig der damaligen Zeit jedoch entsagen musste.

Aus dieser Sehnsucht heraus suchte er das Interesse der hiesigen Bevölkerung an Kunst und Sport zu wecken. Mit der Zeichenmappe unter dem Arm zog es ihn hinaus in die Natur des Hohen Flämings. In dieser Folge entstanden zahllose Ansichten der Stadt. Er gab Klavierunterricht und gründete eine Bibelgesellschaft. Die sorgte unter anderem dafür, dass auch mittellose Familien ein Leseexemplar für zu Hause bekamen.1844 hob Baur den Gustav-Adolf-Zweigverein und ein Lesekränzchen aus der Taufe, in dem auch über Literatur gesprochen wurde. In den Jahren 1845/46 verfasste er die Bücher „Kirchengeschichte in gedrängter Form“ und „Schleiermachers christliche Lebensanschauungen“.

1861 wiederum schritt er zur Anlage des Turnplatzes an der Brandenburger Straße und packte persönlich beim Bau von einfachen Turngeräten mit an. Im Jahr darauf gründete Baur den ersten Turnverein der Stadt und lud 1863 zu einem Turnfest ein - unter den gestrengen Augen des Superintendenten. 1866 lässt er von Schülern Friedenseichen auf dem Schützenplatz pflanzen. 1869 gründet er den Gustav-Adolph Frauenverein. 1875, bereits im hohen Alter, kommt ihm die Ehre zu, den ersten Spatenstich beim Bau der Eisenbahnlinie und später die Weiherede zu halten.

Für die Ausstellung fügte Klaus Pomp zahllose Mosaiksteine zusammen, die er im Verlauf seiner Forschungsarbeit zusammentrug. „Ich will damit auch das Straßenschild an der neuen Straße in den Kurpark mit Leben füllen“, erklärt der 74-Jährige sein Engagement. Erst seit Juni diesen Jahres gibt es die Albert-Baur-Straße in der Kur- und Kreisstadt. Vom Zebra-Streifen in der Brandenburger Straße führt sie durch das wachsende Wohngebiet zum künftigen Hotel an der Stein-Therme.

Barbara Weiland und Wilhelm Quitzow aus Berlin - Baurs Ururenkel aus zweiter Ehe - gehörten am Sonnabend zu den ersten Ausstellungsbesuchern. „Es ist schön, sein Lebenswerk so kompakt zu sehen“, sagte Barbara Weiland.

Marie Luise Mündlein und Klaus Mohr – Baurs Ururenkel aus erster Ehe – mussten der Vernissage fernbleiben. Ihre Bahnverbindung war ein Opfer des Sturmtiefs „Xavier“ geworden. „Das ist besonders schade, weil Marie-Luise Mündlein Baurs Kompositionen spielen wollte“, sagte Pomp. Leisegang dankte „für die Blicköffnung“ und versprach dem 74-Jährigen Unterstützung bei seinen Bemühungen um den Erhalt von Baurs Erbe.

Die Ausstellung in der Marienkirche ist bis zum 25. November täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Christiane Sommer

MOZ.de Das Nachrichtenportal für Brandenburg Bärbel Kraemer / 12.12.2018, 13:18 Uhr

Neuerscheinung

Albert Baur - ein Mann mit vielen Begangungen

belzig2 Autorin Iris Berndt und Christian Homrichhausen, der einen Beitrag über die Kanzel in der Bricciuskirche beisteuerte.
Bad Belzig Im Jahr 1865 schrieb Albert Baur (1803 bis 1886), der in Belzig die zweite Pfarrstelle innehatte, an seine Tochter Clara, dass ihm das Zeichnen „ein großes Vergnügen sei“ - wie das Klavier spielen und das Turnen.

Wird heute von ihm gesprochen, dann zumeist in Verbindung mit dem Sport. Als leidenschaftlicher Turner war er der Begründer des ersten Turnvereins in hiesiger Stadt. Dass der 1803 geborene Prediger jedoch ein Mann mit vielen Begabungen war, belegt eine neue Druckschrift.

Kürzlich wurde das Buch mit dem Titel „Albert Baur und die Kunst“ vorgestellt. Die Autorin Iris Berndt und Christian Homrichhausen, der einen Beitrag über die Mitwirkung Baurs bei der Gestaltung der Kanzel in der Bricciuskirche beisteuerte, stellten ihr Werk vor.

Parallel dazu wurde im Reißigerhaus von Klaus Pomp, der sich seit sechs Jahren um Baurs Erbe in der Stadt bemüht, eine begleitende Ausstellung zum künstlerischen Schaffen Albert Baurs präsentiert.

Grundlage für der Veröffentlichung war ein Skizzenbuch Albert Baurs, das Nachfahren hüteten. „Für die Stadt Bad Belzig ein Schatz von großem Wert“, so Chronistin Helga Kästner. Sie hatte die Historikerin Iris Berndt für das Buchprojekt gewinnen können.

Das kleine rote Büchlein mit der goldfarbenen Prägung, dass er als Skizzenbuch nutzte, hatte Baur von seinem Schulfreund 1828 geschenkt bekommen. Über 30 Jahre trug er es bei seinen Wanderungen und Reisen bei sich und schenkte ihm einen kostbaren Inhalt: 61 Zeichnungen. Neben solchen aus Berlin, Brüssow und Belzig auch welche vom Schloss Wiesenburg, der Burg Rabenstein, den Gutshäusern in Klein Glien und Schmerwitz sowie der Dorfkirche von Preußnitz und anderen Orten. Alle entstanden zu einer Zeit, als es die Fotografie noch nicht gab.

Mit Iris Berndt suchte Helga Kästner während der Entstehungsphase des Buches jeweils die Orte auf, von denen aus Albert Baur die Stadt malte. Die Perspektiven, die er vor 150 Jahren zeichnete, wurden von ihnen versucht mit der Kamera festzuhalten. „Das war jedoch nicht immer und überall mehr möglich“, ergänzt Kästner.

„Die drei Türme Belzigs waren Albert Baur beim zeichnen auch immer wichtig“, so die Chronistin weiter. Und so finden sich der Turm der Burg Eisenhardt, der der Marienkirche und der Rathausturm auf vielen seiner Zeichnungen wieder. Von Norden, Süden, Osten oder Westen, vom Weinberg oder vom Rollberg aus gesehen. Helga und Günter Kästner, die den Druck finanzierten, freuen sich jetzt, dass mit der neuen Schrift ein weiteres „wichtiges Zeitzeugnis“ zur Geschichte der Stadt zur Hand ist.

Ursprünglich hatte Iris Berndt ein Buch über die ältesten Postkartenansichten der Stadt erarbeiten wollen. Im Gespräch mit Helga Kästner stellte sich heraus, dass Baurs Zeichnungen eine nicht minder interessante Forschungsarbeit für sie darstellten. In diesem Zusammenhang ergründete die Potsdamerin auch Baurs Verbindungen in die Berliner Künstlerszene.

Über die Beschäftigung mit Albert Baur gewann sie ferner „Einsichten in Leben und Werk von zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Berliner Künstlern“, so Berndt. Die neue, 100 Seiten starke Druckschrift, ist damit auch ein Beitrag zur Berliner Kunstgeschichte.

Info: Das Buch „Albert Baur und die Kunst“ aus der Reihe „Unvergessene Belziger“ von Iris Berndt ist im Buchhandel und in der Tourist-Info in Bad Belzig erhältlich.