Klaus Mohr

Das Fräulein von Bühl

Im hohen Ahnensaale zu Bühl,
Da mischten gar viele das Kartenspiel;
Doch von allen spielet niemand so gut
Denn das Fräulen von Bühl, das junge Blut.

Fast all' ihr Gold und Schmuck ist dahin,
Doch bleibet betört der Spielerin Sinn.
Stets hoffet sie noch zu gewinnen,
Und - sieht ihre Habe zerinnen.

Schon wirft der Mond seinen hellen Schein
Durch des Saales Fenster mahnend herein.
Du armes Fräulein von Bühl,
Ist dir noch nicht verleitet das Spiel?

Noch nicht hat genug sie am Spiel sich ergödzt:
So lange sie hat, so lange sie setzt.
So muß denn auch noch das letzte dahin,
Das letzte bringet vielleicht den Gewinn.

Das letzte dem Spiele des Unglücks zu weihn.
Wohlauf! ruft sie in der Mitternacht,
Da sie noch wacker am Speiltisch wacht,

Herbei ihr Spieler, wer hat den Muth,
Zu spielen mit mir um mein väterlich Gut?
Seht wie mein Kilberg von dort so traut
Zum Saale von Bühl herüberschaut.

Wie betäubt durch das Wort alle Spieler steh'n,
Und keiner wagt es heranzugeh'n.
O Fräulein nimm doch dein Wort zurük,
Es raubt dir all dein irdisches Glück.

Da nahet sich endlich einer und spricht:
Gereuet mein Fräulein, das Wort euch nicht.
So wag ich's: die Güter Kilberg und Bühl,
Sind wahrlich mir als Besitz nicht zu viel.

Unglücklich des Fräuleins Karte lag -
Da naht ihr in Unheil der neue Tag.
O armes Fräulein, die Eine Nacht,
Hat dich um Gut und Erb' gebracht.

Und was ist Dir noch geblieben?
Nicht Bühl und Kilchberg dort drüben.
Die Karten, damit du magst wandern
Von einem Hause zum andern.

Ihr Fräulein, denen auch das Spiel
Mit Karten gefällt, wie dem Fräulein von Bühl,
Ich rath Euch von Herzen nach Kilchberg zu gehn,
Um dort etwas Schönes für Euch zu sehn.

Im Saale des Schlosses, da hängt eine Maid,
Noch haftet ihr Blick mit sichtbarer Freud,
Am Beutel mit dem Kartenspiel;
Das ist das bekannte Fräulein von Bühl.

Nur Schad', daß des Malers küntliche Hand
Ihr den Schmuck noch gab und das reiche Gewand,
Ein Bettlerkleid dem Fräulein gehört;
So würde vielleicht noch manche bekehrt.

Aus "Süddeuschlands Sagen" Gesammelt und herausgegeben von. J.B. Rothacker, Reutlingen Verlag Enßlin und Laiblin 1837
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