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Kilchberg   Die liebens­werte Gemeinde
Klaus Mohr

Die Reformation in Kilchberg

2017 feiert man in Deutschland mit Recht das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. Denn vor 500 Jahren, im Jahre 1517, hat Luther seine 95 Thesen in Wittenberg bekannt gemacht: Das war der „Beginn der Reformation“ in Deutschland. Der neue Glaube verbreitete sich schnell; 1519 predigte man in Reutlingen bereits nach Luthers Lehre. Doch ich denke: In Kilchberg bekam man das vermutlich gar nicht mit.

Kilchberg vor 500 Jahren:

Das war ein kleines Dorf mit vielleicht zwanzig bäuerlichen oder Taglöhner-Familien, mit einem bis zwei Priester und einer Dorfherrschaft, denen ihr katholischer Glauben über alles ging. Vom damaligen Leben im Dorf im Dorf wissen wir im Einzelnen nichts. Doch hier in der Kirche hat vermutlich wie anderswo der Priester auf Lateinisch den Messgottesdienst gehalten und seinen – vielleicht zutiefst – verunsicherten Gläubigen diktiert, wie sie ihr Leben führen sollten. Wer nicht zur Messe ging, beging eine Sünde. Für jedes Vergehen (in ihrem Sinn) wussten die Priester die entsprechenden Seelenqualen, ja, sie drohten mit ewigem Höllenfeuer, wenn man sich nicht an die von der Kirche erlassenen Gebote hielt. Natürlich, wer Geld hatte oder aufbringen konnte, konnte einen zeitlich befristeten oder dauernden Ablass von diesen Strafen bekommen. Doch wer in Kilchberg konnte das schon? Ich vermute: Allein der Dorfherr Georg von Ehigen.

Kilchberg vor fast 500 Jahren:

Das war ein selbstständiger Staat, ganz umgeben von habsburgisch regiertem Gebiet, von Vorderösterreich und dem von Österreich verwalteten Württemberg, da dessen jähzorniger Herrscher, Herzog Ulrich, 1519 vertrieben worden war.
Habsburgs Herrscher waren die Verteidiger des alten (katholischen) Glaubens! Das Recht an der Pfarrbesetzung, das Patronatsrecht, hatte schon zudem seit alters das katholische Morizstift in Rottenburg.

Kilchberg im Bauernkrieg 1525

Selbst wenn manche Kilchberger Bauern gerne mitgemacht hätten: Der Dorfherr Rudolf von Ehingen hielt die aufrührerischen Bauern für Verbrecher und Sünder, die sich gegen die gottgewollte Ordnung versündigten, vor allem auch deshalb, weil sie den Freiheitsbegriff der Lehre Luthers für sich in Anspruch nahmen.

Kilchberg war in dieser Zeit erzkatholisch!

Seine Dorfherren Georg I. und Rudolf II. von Ehingen hatten seit 1490 alles getan, um ihre und ihrer Angehörigen Seelen vom Fegefeuer zu erlösen oder zu bewahren:
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